Polizeinachwuchs
Traumberuf Polizist: Warum die heutige Jugend bei der Polizei arbeiten will

Die Kantonspolizei Aargau braucht jedes Jahr guten Nachwuchs. Die az machte sich auf die Suche nach den Gründen, warum junge Menschen heutzutage mit dem Polizeiberuf liebäugeln.

Aline Wüst
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Beamte der Kantonspolizei Aargau (Archiv)

Beamte der Kantonspolizei Aargau (Archiv)

Keystone

Mit Gummischrot werden Polizisten in der Ausbildung beschossen. «Damit sie sehen, wie das so tut», erklärt der Ausbildungschef. Die jungen Männer und Frauen, die den Infoabend der Kantonspolizei besuchten, lachten darüber.

Doch nur wer Glück hat, wird den Gummischrot zu spüren bekommen. Denn nicht jeder, der will, kann auch Polizist werden. Das Glück ist aber auf der Seite der Willigen – weil immer weniger wollen. Deshalb wird kräftig um Nachwuchs geworben – mit Kinospots und Plakaten.

300 Bewerbungsdossiers erhält die Kantonspolizei pro Jahr. Noch kann sie auswählen. Zum Glück. Beunruhigend wäre die Vorstellung, sich den einen oder anderen mit einer Waffe vorzustellen, der an den Infoabend gekommen ist.

Zum Beispiel die junge Frau, die eine ziemlich lange Leitung hat, trotzdem Polizistin werden will. Warum? «Das habe ich mir jetzt noch nie überlegt.»

Und ja, es hat auch ein paar Rambos am Infoabend. Die wolle man aber nicht, sagt Heinz Pfluger, der Ausbildungskoordinator.

Es hat genug andere. Zum Beispiel den jungen Vater, der wissen will, ob der Polizeiberuf mit einem Kind vereinbar sei. (Ist er).

Von der Polizeiaspirantin will er ausserdem erfahren: «Hat die Polizei einen stark militärischen Touch oder spricht man normal miteinander?» Die angehende Polizistin war zwar nicht im Militär, findet aber, dass man bei der Polizei ganz normal miteinander spreche.

Nicht kritisieren – besser machen

An den Infoabend gekommen ist auch David Kretz (24). Obwohl er schon alles weiss – sein Vater arbeitet bei der Kantonspolizei. Polizist zu werden, sei ein Jugendtraum, sagt er. Warum? «Ich habe einen stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und bei der Polizei kann ich etwas verändern.»

Tobias Steiner ist noch jung. In ein paar Jahren will der 19-Jährige Polizist werden. Warum? «Das Abwechslungsreiche und die Action üben schon einen gewissen Reiz aus auf mich.» Und er sagt – wie andere am Beruf interessierte – , dass er politisch eher rechts eingestellt sei.

Grundsätzlich sei die politische Einstellung nicht relevant, erklärt Pfluger. Rechtsextreme würden allerdings ausgesiebt.

Auch Andreas Keller will Polizist werden. Warum? «Zum Schutz für den eigenen Kanton.» Und auch, weil manche seiner Kollegen über die «Schmierläppe» schimpfen. Er sage dann immer: «Machs selber besser.»

In der Laufbahnberatung schlug man Taulant Haxhija (23) vor, er solle Polizist werden. Der eingebürgerte Kosovare fand das eine gute Idee. Warum? «Ich bin ein genauer Mensch, will, dass sich alle an die Regeln halten. Und ich bin gern unter Menschen.»

Wer Polizist werden will, muss Schweizer sein, eine Berufslehre oder höhere Ausbildung haben und mindestens einen Sekundarschulabschluss.

Die Aufnahmeprüfung besteht aus einem sportlichen und einem kognitiven Teil und dem Deutschtest. Die Grundausbildung umfasst 1355 Lektionen an der interkantonalen Polizeischule in Hitzkirch.

Gern Auto fährt die Kleinkinderzieherin Michele Garrn (28). Polizistin zu werden, sei ihr lang gehegter Wunsch. Warum? «Ich bin gern unterwegs, sozial und habe Respekt vor der Arbeit der Polizei.»

Ein Beweggrund für viele, um Polizist zu werden: der sichere Arbeitsplatz – damit der Aargau sicher bleibt, versichert Pfluger: «Wir nehmen nur guten Nachwuchs, der allen Qualitätskriterien entspricht.»

Habe es nicht genug gute Bewerber, nehmen man weniger als die geplanten 40 pro Jahr.

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