Weinbuch
Trauben statt Rüebli? Roland Brogli: «Aargauer Weine sind in aller Munde»

Der Aargauer Finanzdirektor Roland Brogli bezeichnet das Aargauer Weinbuch als schönes Werk über die Winzer. Er lobte auch die Aargauer Winzer, welche mit Herzblut am Werk seien. Auch Fotograf Hans-Peter Siffert ist mit dem Buch zufrieden.

Hans Lüthi
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Von links: Weinbau-Präsident Peter Wehrli vom Branchenverband, Buch-Autor Stephan Thomas, Finanzdirektor Roland Brogli, Fotograf Hans-Peter Siffert und Rebbaukommissär Peter Rey. Emanuel Freudiger

Von links: Weinbau-Präsident Peter Wehrli vom Branchenverband, Buch-Autor Stephan Thomas, Finanzdirektor Roland Brogli, Fotograf Hans-Peter Siffert und Rebbaukommissär Peter Rey. Emanuel Freudiger

Rüebli in Ehren, aber der Aargau ist ein grosser Weinkanton. Die Schweizer wissen das zum Glück noch nicht, die Aargauer schon.

«Sonst würden sie nicht den Grossteil des Ertrags von 400 Hektaren Rebland selbst wegtrinken, sodass für auswärtige Liebhaber dieser Flaschen nicht mehr grenzenlos viel übrig bleibt.»

Das schreibt Autor Stephan Thomas zu «Winzer und Weine im Aargau» im Vorwort seines Erstlings.

Über die riesige Vielfalt an Reblagen hat auch er gestaunt, als er während eines Jahres 46 Weinbauern besuchte.

Das erste Buch über Aargauer Weine bereitet viel Freude, dank der einfühlsamen und auf die Menschen der Macher zugeschnittenen Porträts.

Weinmacher mit Herzblut

«Die Autoren haben Weine und Winzer packend und wortgewaltig in Szene gesetzt», lobte Finanzdirektor Roland Brogli das Werk an der Vernissage im kantonalen Weinbaumuseum in Tegerfelden.

Seit 2000 Jahren sei der Wein ein Kulturgut im Gebiet des Aargaus. Brogli kann sich kaum etwas Schöneres vorstellen, als ein gutes Buch in den Händen zu halten, «ein feines Glas Wein dazu und erst noch in bester Gesellschaft», bekannte der für die Landwirtschaft zuständige Regierungsrat.

«Aargauer Weine sind heute in aller Munde, unsere Winzer sind mit Herzblut am Werk», lobte Roland Brogli die innere Einstellung. Es seien einzigartige Menschen, die den Wein zu einem hervorragenden Produkt machten.

Einer freute sich speziell: Rebbaukommissär Peter Rey, weil er beim Abschied in ein paar Jahren nicht selber ein Buch schreiben muss.

Heute gebe es über 50 Traubensorten, «bei meinem Start vor 30 Jahren waren es 7 weisse Sorten und für den Rotwein die Blauburgunder», sagte Rey.

Schöne Bilder und Stimmungen

Der Bildband wirkt auch dank hervorragender Aufnahmen von den Weinkellern, von den Rebbergen zu allen Jahreszeiten. Beginnend beim Austrieb im Frühling, im heissen Sommer, mit der Farbenpracht des Herbstes und der Erntezeit.

«7900 Kilometer war ich seit April 2012 unterwegs und bin meistens der Nase gefolgt», betonte Fotograf Hans-Peter Siffert.

Unvergessen bleiben ihm viele Bilder und Stimmungen, jene im Morgennebel vom Hallwilersee aus auf den Brestenberg und der Fuchs zwischen schneebedeckten Reben.

Abgelichtet hat er die Menschen so, wie sie sind, meist schwarz-weiss, unverfälscht, oft im T-Shirt und in den Arbeitskleidern. Die Rebbauern – Frauen und Männer – haben einen strengen Job, arbeiten aber in Kameranähe mit sichtbarer Freude.

800 Winzerinnen und Winzer

Die grösseren Betriebe sind auf mehr als einer Seite präsent, beginnend im Raum Aarau und Schenkenbergertal mit dem Schloss Kasteln und mit Wehrli-Weinbau in Küttigen.

Peter Wehrli ist gern Präsident im Branchenverband Aargauer Wein mit seinen 800 Winzerinnen und Winzern, 75 Kelterungsbetrieben und sieben Genossenschaften.

Tochter Susi Steiger-Wehrli ist eine der jungen Aargauer Weinmacherinnen mit Topausbildung, die ihre Kenntnisse als Kellermeisterin anwendet. Wenn sie Neues mache, müsse es der Vater «dann eben akzeptieren», aber das gemeinsame Ziel bleibe.

Susi Steiger verrät von ihren Plänen, dass sie bei den Weissen mehr auf Mineralität achten, bei den Rotweinen mehr grosse, mehrjährige Holzfässer einsetzen will.

Weinbauer Peter Zimmermann in Oberflachs ist schön porträtiert, die ck-Weine von Claudio und Kathrin Hartmann in Schinznach-Dorf und die Genossenschaft selber.

Viele gute Namen prägen das Fricktaler Weinleben, die Heubergers in Bözen, die Büchlis in Effingen, Andreas Tuchschmid vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick, die Fürstliche Weinkultur von Erika und Daniel Fürst in Hornussen, Fehr & Engeli in Ueken.

Im Surbtal und im unteren Aaretal wird von Endingen bis Klingnau auf Qualität gesetzt, die Tegerfelder Weinbauern bewirtschaften grosse Flächen. Gute Namen haben auch Monika und Meinrad Keller in Döttingen und Andreas Meier vom Sternen Würenlingen.

Das Limmattal glänzt mit Jürg und Ursula Wetzel und von der Goldwand mit Michael und Barbara Wetzel in Ennetbaden, Christian Voser in Neuenhof, Meinrad Steimer in Wettingen und Peter Wanner vom Bickgut in Würenlos.

Die Liste ist keineswegs vollständig, wer mehr wissen will, erfährt es im Buch – auch über die Geschichte, über Bräuche und Feste zum Wein.

Winzer und Weine im Aargau Stephan Thomas (Text) und Hans-Peter Siffert (Bilder), AT-Verlag.