Unfall auf A1

Transporteure, Spital, SBB: Die Auswirkungen der A1-Sperrung sind gewaltig

Die Brücke muss stabilisert werden.

Die Brücke muss stabilisert werden.

Die Autobahn A1 ist nach der Totalsperrung wieder befahrbar. Der Ausfall der Hauptverkehrsachse durchs Mittelland zeigt, welch grosse Rolle die A1 für die Schweizer Volkswirtschaft hat. Eine Vielzahl von Akteuren ist betroffen.

«Die Stütze der Brücke bleibt nur provisorisch.», sagt Esther Widmer vom Bundesamt für Strassen (astra). Und: „Es war sowieso geplant die Brücke im Jahr 2015 abzureissen. Es besteht bereits ein Projekt diese zu ersetzen." Dieses Projekt solle nun wenn möglich beschleunigt werden.

SBB baut Kapazitäten aus

Entgegen ersten Ankündigungen plante die SBB die Kapazitäten  auf der Achse Basel-Zürich auszubauen. Der Interregio Basel-Zürich via Olten wird mit zusätzlichen Wagen verstärkt. Die Züge würden mit der maximal möglichen Länge geführt, sagte SBB-Mediensprecher Reto Schärli.

Auf diese Weise soll im Feierabendverkehr vom Montagabend sichergestellt werden, dass alle Leute einen Platz finden, die kurzfristig vom Auto auf den Zug umsteigen, wie Schärli festhielt.

Falls die Kapazität der verlängerten Züge nicht ausreichen würde, so könnten innerhalb von 15 Minuten Extrazüge ab Zürich oder Olten fahren. Das Personal stehe auf Abruf bereit.

Möglich wären zusätzliche Züge aber, obwohl im Heitersbergtunnel derzeit die Gleise ersetzt werden. „Diese Arbeiten finden nur nachts statt, tagsüber kann wegen des engen Fahrplans nicht gebaut werden", erklärt Schärli.

Transporteure unter Druck

Bei der Giezendanner Transport AG spricht man massiven Auswirkungen und die Dreier AG hat 60 bis 70 betroffene Fahrzeuge. Umwege und Zeitverlust sorgen für Mehrkosten. Diese könnten sich schnell im fünfstelligen Bereich belaufen, heisst es bei der Dreier AG.

Sperrung kostet Zeit und Geld

Benjamin Giezendanner, Leiter Transport der Giezendanner Transport AG, Rothrist etwa, spricht von massiven Auswirkungen der Totalsperrung: „Unsere Fahrzeuge müssen Umwege in Kauf nehmen, das kostet Zeit und Geld. Sollte die Sperrung länger dauern, wird es zum gewaltigen Kostenfaktor."

Schätzungsweise 35 Fahrzeuge seien betroffen, so Giezendanner weiter. „Das dürfte für den heutigen Tag Mehrkosten von rund 2000 Franken zur Folge haben." Glücklicherweise hätten die ersten Ladungen die Strecke wenigstens noch vor dem Unfallzeitpunkt passiert.

Neben der Wahl neuer Routen, teilweise auch über Gemeindestrassen, seien als Massnahme auch die Endkunden informiert worden, die auf Just-in-Time-Lieferungen angewiesen waren. „Glücklicherweise mussten jedoch nirgends Maschinen gestoppt werden."

«Höhere Macht»

Auch Hans-Peter Dreier, CEO der Dreier AG, Suhr spricht davon, dass die Sperrung für das Tagesgeschäft sehr problematisch sei. „Wir fahren viele regelmässig getaktete Touren. Kommt ein Fahrzeug zu spät zurück, hat das Auswirkungen auf alle weiteren Fahrten", so Dreier. Rund 60 bis 70 Fahrzeuge seien betroffen.

„Mit den Umwegen und dem Zeitverlust kommt man schnell auf Mehrkosten im fünfstelligen Bereich." Er hoffe auf das Verständnis der Kunden, schliesslich sei ein solcher Vorfall seines Wissens in der Schweiz noch nie vorgekommen. „Man kann viele Notfallszenarien vorbereiten, doch bei diesem Umfang ist man irgendwann machtlos. Es zeigt, welche Bedeutung die Autobahn als Lebensader hat."

Das Kantonsspital Baden (KSB) ist von der Totalsperrung der Autobahn heftig betroffen, wie Mediensprecher Marco Bellafiore sagt. Glücklicherweise hat es seit der Sperrung noch keinen Notalleinsatz gegeben. Für die Ambulanzfahrzeuge des KSB könnte es nämlich schwierig werden, innert einer Viertelstunde den Einsatzort zu erreichen.

Notfälle mit Verspätung

Von der Totalsperrung der Autobahn A1 ist auch das Kantonsspital Baden (KSB) betroffen. „Die Beeinträchtigung ist gross, die A1 ist für uns eine wichtige Transportroute", so Mediensprecher Marco Bellafiore. Vor allem betroffen seien die Verlegungen vom KSB in den Westaargau. Diese finden mehrmals täglich statt. „Bei den Verlegungen kommt es zu grösseren Zeitverlusten, da diese nicht mit Blaulicht und Sirene ausgeführt werden können."

„Im Notfall ist es möglich, dass wir heute nicht in den vorgegebenen 15 Minuten am Einsatzort sind", erklärt Bellafiore. Glücklicherweise hat es jedoch seit der Sperrung noch keinen Notfalleinsatz gegeben.

Bei einem Notfalleinsatz seien die Rettungssanitäter auf die Vernunft der anderen Automobilisten angewiesen, so Bellafiore weiter. „Es bleibt uns nichts anderes übrig, als auf das Lokalstrassennetz auszuweichen. Gibt es dort Stau, müssen die übrigen Autofahrer eine Gasse bilden." Erfahrungsgemäss funktioniere dies recht gut. „ Sollte die Ambulanz doch einmal stecken bleiben, wird umgehend die Einsatzzentrale informiert und von dort ein anderes Fahrzeug aufgeboten."

Hektik ist im KSB also nicht ausgebrochen. „Die Einsatzleute sind sich gewohnt, auf unvorhergesehene Situationen zu reagieren", so Bellafiore. Allerdings sei die Autobahnsperrung vom Ausmass her doch sehr heftig und deshalb speziell. (mf)

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