Immer am 2. Jänner ist der grosse Tag der 30 Lüster: Da glitzern sie, sich in der Spiegeldecke verdoppelnd, über der Bühne vom Wettinger Tägerhard. Sie leuchten auf eine Balustrade, Putten, Notenblätter, Musikerinnen und Musiker. 1994 hatte Toni Businger das Bühnenbild geschaffen. Nun war es einmal mehr, wie stets umrahmt von einem üppigen Blumenmeer, festlicher Rahmen für die Argovia Philharmonic. Panta rhei – alles fliesst – das Wettinger Neujahrskonzert als überaus lieb gewordene Tradition aber steht wie ein Fels in der Brandung.

Jedenfalls was das Ambiente betrifft: Der Apéro, den die Neue Aargauer Bank als Sponsorin für geladene Gäste vor dem Konzert ausrichtet, und der Apéro für die Bevölkerung danach gehören ebenso dazu wie Dirigent Marc Kissóczy und zu guter Letzt der Radetzky-Marsch. Das übrige musikalische Programm und die Solisten jedoch bringen Jahr für Jahr Neues und, nebst beschwingten Ohrwürmern, immer wieder auch Überraschendes.

Diesmal war dies Tschaikowskys «Pezzo capriccioso», mit dem die 23-jährige Cellistin Chiara Enderle als Solistin die Virtuosität ihres Spiels mitreissend unter Beweis stellte. Auf ganz andere Art begeisterte Enderle mit ihrer sensitiven Interpretation von «Der Schwan» aus dem «Carneval des Animaux» von Sains-Saëns. Mit Berlioz’ «Römischer Karneval» und «Rakoczy-Marsch» sowie der Ouvertüre zu «Mignon» von Ambroise Thomas fesselten die Argovia Philharmonic mit weniger bekannten Werken, um immer wieder auch mit populären Stücken von Johann Strauss zu entzücken.

Schweigen und zuhören

Dessen Walzer «Mephistos Höllenrufe» ist allerdings wenig bekannt. Regierungsrätin Susanne Hochuli schien es zu kennen, denn sie freute sich ganz besonders auf dieses Werk, «weil sich die Höllenrufe zwar diabolisch ankündigen, es aber überhaupt nicht sind.» Gerade den zweiten Tag als Frau Landammann im Amt, hielt sie – auch das will die Tradition – eine kurze Ansprache. Dies, nachdem Markus Dieth, Wettinger Gemeindeammann und noch bis morgen Dienstag Grossratspräsident, die Konzertbesucher mit Friedrich Rückerts Aphorismus «O wünsche nichts vorbei und wünsche nichts zurück! Nur ruhiges Gefühl der Gegenwart ist Glück» willkommen geheissen hatte.

Hochuli bekannte in ihrer Rede, dass ihr viel besser als Landammann der Begriff «Land-Amme» gefalle. «Dahinter verbirgt sich etwas Mütterliches, Vorsorgliches, Behütendes, aber auch etwas Zupackendes.» Kern ihrer Ansprache war das Thema Flüchtlinge: «Ich bin nicht der Meinung, dass die Schweiz alle Menschen aufnehmen soll, die sich entscheiden, ihre Zukunft in der Schweiz zu sehen. Aber ich finde, dass wir das Menschenmögliche tun sollten, damit jene, die hierher kommen und hier bleiben dürfen, möglichst rasch integriert werden. Zum Nutzen der Flüchtlinge, aber auch zum Nutzen unserer Gesellschaft.» Hochuli schloss mit der Feststellung «es ist gut, wenn Politiker Worten Taten folgen lassen. Manchmal ist es aber auch besser, Politiker schweigen und hören zu. Und lauschen über den Rand der Worte hinaus, hinein in die Musik.»

Promis und Partner

Frau Landammann – pardon die «Land-Amme» – konnte nebst dem scheidenden Grossratspräsidenten unter anderem auch dessen Nachfolger Marco Hardmeier sowie verschiedene Nationalräte und Wirtschaftsvertreter begrüssen. Sie hatten vor dem Konzert als Gäste am Apéro auf das 2016 angestossen – einer, wie NAB-CEO Peter Bühlmann es auf den Punkt brachte, «idealen Plattform, sich ein gutes neues Jahr zu wünschen.» Solches taten auch NAB-VR-Präsident Josef Meier und Gattin Angelika, Nationalräte Yvonne Feri und ihre Tochter Celina, die, wohl auch saisonal bedingt, ihre Frau Mama weder durch Hotpants noch durch irgendwelche aufreizende Posen in die Bredouille brachte. Nationalrat Maximilian Reimann mit Gattin Susy war sichtlich stolz, dass der Rat seine parlamentarische Initiative angenommen hat, wonach der Alterstest für Automobilisten erst ab 75 obligatorisch sein soll.

Unter den Promis gesichtet wurden auch Nationalrätin Ruth Humbel mit Gatte Beat Näf, alt Nationalrat Toni Keller mit Gattin Rosmarie, der ehemalige Wettinger Gemeindeammann Karl Frey mit Gattin Annemarie. Susanne Hochuli stiess mit ihrem Partner Marcel Senn aufs neue Jahr an und Marco Hardmeier tat dies – drei Tage vor seiner Wahl zum obersten Aargauer – mit seinem Partner, dem Zürcher Nationalrat Angelo Barrile.