Nicole Müller-Boder

Nicole Müller-Boder, neu: Note 5-6

Frau Müller-Boder legt eine dynamische Rede hin. Sie steigt mit einer persönlichen Geschichte ein, die meines Erachtens sofort die Aufmerksamkeit des Publikums weckt. Geschickt etabliert sie ihre Glaubwürdigkeit mit dem Hinweis, dass sie seit dem 18. Lebensjahr politisch aktiv ist, obwohl sie dieses Jahr erst 37 wird. Sie benutzt Bilder (Goldesel, Sparbremse). Erfrischend, dass sie versucht, mit allen im Blickkontakt zu bleiben. Sie macht auf mich einen jungen, dynamischen und attraktiven Eindruck. Ein Schwachpunkt: Auch dort, wo es inhaltlich ernst ist, lächelt sie.

Andreas Glarner

Andreas Glarner, neu: Note 5-6

Er kommt gleich zur Sache mit einer rhetorischen Frage. Dann benutzt er das rhetorische Mittel der Wiederholung: Drei Sätze haben denselben Satzbeginn («Es braucht Leute, die …»). Besonders erwähnenswert ist, dass Herr Glarner viele sprachliche Bilder (heisse Eisen anfassen, Hitze ertragen, der Wind bläst) einsetzt. Den Schluss macht er mit einem Zitat. Die Idee ist gut, doch das Zitat hat bei mir mehr Fragenzeichen als Antworten aufgeworfen. Was genau hat es mit dem Knochen auf sich? Insgesamt: eloquent, erfrischend und einprägsam.

Ulrich Giezendanner

Ulrich Giezendanner, bisher: Note 5

Herr Giezendanner beginnt mit einer «Wenn . . ., dann . . .»-Konstruktion. Diese ist einfach verständlich. Und gleichzeitig ein Verhandlungsangebot und Versprechen. Er benutzt die Kraft der Drei – oder er tut wenigstens so. Denn er spricht mehr als drei Themen an. Giezendanner geht als Einziger den Weg vom «ich» zum «wir». Er hat eine energische Stimme. Vielleicht einen Deut zu viel, weil er von Anfang bis zum Schluss energisch spricht. Empfehlung: Ab und zu die Glasur vom Kuchen weglassen. Er macht einen klaren Appell zugunsten eines Parteikollegen.

Maximilian Reimann

Maximilian Reimann, bisher: Note 5

Herr Reimann hat sich im Raum gut platziert, denn von seinem Stuhl aus kann er alle im Blick halten. Er fokussiert klar auf ein einziges Thema (Rentner). Ab und zu vergisst der ehemalige Fernsehmann auch den Blick in die Kamera nicht. Herr Reimann stellt eine rhetorische Frage. Das regt die Denkarbeit des Publikums an. Er spricht offen über seine Motivation, weshalb er nochmals antreten will. Er macht zwei konkrete Beispiele und sprenkelt seine Rede mit einem Reim zum Schluss. Die Stimme überschlägt, kann mich deshalb nicht komplett überzeugen.

Hansjörg Knecht

Hansjörg Knecht, bisher: Note 5

Sein Einstieg mit einem Motto: «Nicht der Staat, sondern die Wirtschaft muss wachsen», gefällt mir gut. Das ist gleich eine starke Ansage. Als Zuhörer weiss ich, woran ich bin. Er benutzt auch das Stilmittel der Alliteration: «Könige hat es genug, Knecht wählen». Damit spielt Herr Knecht schön auf seinen eigenen Familiennamen an. Er spricht mit starker Stimme. Noch stärker wäre seine Rede, wenn er alles auswendig wüsste.

Martin Keller

Martin Keller, neu: Note 5

Herr Keller nutzt ebenfalls die Stärke der Drei. Er spricht eloquent, gut verständlich und hat eine kräftige Stimme. Er flechtet seine Unternehmertätigkeit in die Rede ein. So kommt er glaubwürdiger an. Mit der roten Krawatte sticht er aus der grauen Mehrheit heraus. Solange er der Einzige ist, funktioniert das gut. Meines Erachtens drückt bei ihm leider auch dort ein Lächeln durch, wenn es um ernste Themen geht. Er bewegt sich von einem Bein aufs andere. Im Schnellvorlauf sieht das aus wie Seegang. Stattdessen empfehle ich immer mal wieder, wie der Fels in der Brandung dazustehen.

Sylvia Flückiger-Bäni

Sylvia Flückiger-Bäni, bisher: Note 4-5

Die Anrede ist wohltuend anders: «Liebe SVP-Familie». Frau Flückiger-Bäni benutzt viele Bilder (Bancomat, Fussgängerstreifen, an einem Strick ziehen). Sie macht mehrere Bezüge zum Publikum (Slogan der Partei und ältere Delegierte). Zur Verstärkung ihrer Aussagen benutzt sie ebenfalls Wortwiederholungen (Richtung). Verbesserungspotenzial: Sie zieht die Stimme oft nach oben. (In der Literatur als Girlandensatz bekannt.) In der ersten Hälfte schaut sie nur auf die Tribüne, danach ausschliesslich an einen anderen Punkt. Empfehlung: Alle Delegierten mit den Augen abholen.

Thomas Burgherr

Thomas Burgherr, neu: Note 4-5

Thomas Burgherr ruft seine 23 Jahre politische Erfahrung in Erinnerung. Er untermauert damit seine Attraktivität als Kandidat. Streckenweise machte er guten Blickkontakt mit dem Publikum: bitte mehr davon und weniger ablesen. Er nutzt eine lebhafte Gestik mit dem linken Arm. Ideal für ein gutes Foto in der Presse. Die Formulierung «. . . jeder Franken, der verdient wird, muss erst eingenommen werden» ist misslungen (Tautologie). Sie könnte humorvoll sein; nur keiner hat es gemerkt. Dann wie er: einfach weitermachen.

Pascal Furer

Pascal Furer, neu: Note 4-5

Er wählt einen ungewöhnlichen, weil positiven Einstieg. Dann schildert Herr Furer das «Horrorszenario» (Bevölkerungswachstum, Schuldenwirtschaft). Das ist ein geschickter Aufbau. Die Beschränkung auf ein einziges Thema (Zuwanderung) gibt ihm ein klares Profil. Er hat eine starke Stimme und ist klar verständlich – mit wenigen Aussetzern. Aber er nutzt seine Zeit nicht: Herr Furer spricht nur 34 Sekunden.

Stefanie Heimgartner

Stefanie Heimgartner, neu: Note 4-5

Ihre Ankündigung, dass zwei Themen kommen werden, macht mir das Zuhören einfacher. Elegant, wie sie ihre Glaubwürdigkeit für die beiden Themen unterstreicht. Insbesondere hat Stefanie Heimgartner einen starken Schluss: «Ich kann mich in einer Männerdomäne durchsetzen.» Redewendungen sind der direkte Weg ins Gehirn. Sie benutzt eine davon: «. . . mir ist bereits in die Wiege gelegt worden . . .» Verbesserungspotenzial: Die eher hohe Stimme geht oft nach oben. Vermutlich wird es deshalb vielen schwerfallen, ihr länger zuzuhören.

Alois Huber

Alois Huber, neu: Note 4-5

Herr Huber setzt ein starkes rhetorisches Stilmittel ein: die Wortwiederholung (Er beginnt fünf Sätze mit «Ich möchte . . .»). Ich empfehle aber, den Konjunktiv zu vermeiden und stattdessen den Indikativ zu benutzen. Also: Ich werde . . . oder ich plane … Herr Huber spricht geschickt das Publikum an mit: «Ich möchte das Sprachrohr von Ihnen sein. Sie vertreten.» Daraufhin malt er ein Schreckgespenst an die Wand: «Ich möchte keine Planwirtschaft, wie sie im Osten aufgegleist wird.» Damit appelliert er an alte Feindbilder aus der Zeit des Kalten Kriegs. Bei einem älteren Publikum verfehlt das vermutlich nicht seine Wirkung.

Clemens Hochreuter

Clemens Hochreuter, neu: Note 4

Herr Hochreuter hat ein persönliches Motto: «Dranbleiben, durchhalten – egal was kommt – und am Schluss gewinnen.» Mit diesem schliesst er seine Rede ab. Das halte ich für eine gute Idee. Meines Erachtens wäre es allerdings stärker, wenn alle drei Worte mit demselben Buchstaben (Alliteration) beginnen und die ersten beiden Worte sich klarer unterscheiden würden. Auch er benutzt die dreifache Wortwiederholung. Das ist immer ein starkes rhetorisches Mittel. Die Begrüssung ist hingegen schwer verständlich. Begrüsst er nur die Herren?

Dominik Riner

Dominik Riner, neu: Note 4

Er kündigt drei Hauptthemen an, welche er dann abarbeitet. Das verschafft einen guten Überblick über die Struktur seiner Rede. Ich kann ihm so einfacher folgen. Herr Riner nutzt die Kraft der Drei (Trias). Eine starke rhetorische Figur. Leider schaut er schon in der Begrüssung mehrmals auf seinen Spick. Insbesondere wenn er die «geschätzten Anwesenden» begrüsst, darf er nicht auf den Spick, sondern muss den Anwesenden in die Augen schauen. Der Appell, ihn zu nominieren, sollte klarer formuliert sein.

Michelle Rütti-Kummli

Michelle Rütti-Kummli, neu: Note 4

Gut, dass Frau Rütti-Kummli erklärt, weshalb sie den Namen geändert hat. Darauf macht sie einen schönen aktuellen Bezug zu einem Ihrer Vorredner. Sie strahlt Energie aus und würde vermutlich von vielen als attraktiv, jung und dynamisch bezeichnet. Tritt sie in die Fussstapfen von Doris Leuthard? Sie trägt meines Erachtens zu viel Schmuck. Er lenkt mich ab. Verbesserungspotenzial: 1. Grammatik: Sie sollte nicht «durch das ich der Überzeugung bin» sagen, sondern «weil ich der Überzeugung bin». 2. Logik: Den Unterschied zwischen «Freiheit und frei bleiben» kann ich nicht erkennen.

Daniel Vulliamy

Daniel Vulliamy, neu: Note 3-4

Herr Vulliamy hat meines Erachtens eine angenehme Stimme und eine ruhige Art. Er versucht am Schluss auf einer positiven (humorvollen?) Note aufzuhören. Das ist eine gute Technik . . . Er liest aber praktisch die ganze Rede ab. Das geht gar nicht. Ausserdem reiht er viele Themen wie eine Perlenkette einfach aneinander. Ein kritischer Geist würde ihn deshalb als «Hans-Dampf in allen Gassen» bezeichnen. Insgesamt kommt er meines Erachtens eher langweilig rüber.

Luzi Stamm, bisher, war am Nominationsparteitag krankheitshalber abwesend, deshalb kann seine Rhetorik-Kompetenz nicht beurteilt werden.