Bezirksgericht Brugg
Doppelmörder von Hausen muss lebenslänglich ins Gefängnis - der Richter: «Beenden Sie das Martyrium Ihrer Kinder»

Am 8. Januar 2018 tötete ein damals 54-jähriger Kosovare in Hausen seine Frau und deren Schwester. Das Bezirksgericht Brugg verurteilt ihn wegen mehrfachen Mords. Der Mann muss lebenslänglich ins Gefängnis. Er stritt die Tat bis zuletzt ab.

Raphael Karpf
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Der Mann tötete am 8. Januar 2018 in Hausen seine Frau und Schwägerin. Vom 7-10 Juni 2021 wird ihm der Prozess gemacht. Die Verhandlung findet in der Turnhalle in Hausen statt.
14 Bilder
Tötungsdelikt in Hausen
Das Mehrfamilienhaus befindet sich an der Stückstrasse 15 in Hausen
In diesem Mehrfamilienhaus wurden die zwei Leichen aufgefunden.
Ein Polizeifahrzeug vor dem Mehrfamilienhaus vor.
Neben der Polizei...
...ist auch die Spurensicherung vor Ort.
Die Polizei geht wenige Stunden nach dem Fund der Leichen von einem Beziehungsdelikt aus.
Die beiden Toten waren Familienmitglieder des Tatverdächtigen...
...die genauen Identitäten sind allerdings noch nicht geklärt.
Die Polizei wurde von einer Drittperson alarmiert.
Journalisten und Anwohner warten vor dem Mehrfamilienhaus, dem wahrscheinlichen Tathaus.

Der Mann tötete am 8. Januar 2018 in Hausen seine Frau und Schwägerin. Vom 7-10 Juni 2021 wird ihm der Prozess gemacht. Die Verhandlung findet in der Turnhalle in Hausen statt.

Tele M1

Nachdem Gerichtspräsident Sandro Rossi das Urteil begründet hatte, wandte er sich ein letztes Mal an den Beschuldigten. Wort für Wort liess er von der Dolmetscherin übersetzen:

«Ich habe Verständnis, dass man sich in einem Verfahren taktisch verhält. Doch irgendeinmal ist das Verfahren erledigt. Dann bitte ich Sie, dass Sie Ihren Kindern die reine Wahrheit erzählen. Sie werden aufgefressen. Aufgefressen durch die seit dem 8. Januar 2018 bestehende Unsicherheit. Es liegt in Ihrer Verantwortung als Vater, Ihren Kindern reinen Wein einzuschenken und deren Martyrium zu beenden.»

Am 8. Januar 2018 hatte der damals 54-jährige Kosovare in Hausen seine Frau und Mutter seiner drei Kinder sowie deren Schwester ermordet. Seine Frau hatte ihn betrogen und wollte ihn verlassen. Um sich an ihr zu rächen, und um seine «Ehre» wiederherzustellen, betrat er, nachdem das letzte Kind zur Schule gegangen war, das Schlafzimmer und stach ihr mit einem Küchenmesser zwei Mal in die Brust.

Im kurzen Kampf konnte die Frau noch um Hilfe schreien. Als ihre Schwester, die gerade zu Besuch war, das Zimmer betrat, erstach er auch diese. Anschliessend legte er der Schwester seiner Frau ein Messer in die Hand, fügte sich selbst einige oberflächliche Verletzungen zu und rief die Polizei. Er wollte den Anschein erwecken, er sei angegriffen worden und habe in Notwehr gehandelt.

Bis zuletzt erzählte der Beschuldigte seine Version

Über drei Jahre lang erzählte der Beschuldigte diese Version. Doch das Bezirksgericht Brugg glaubte ihm nicht. Zu viele Indizien sprachen gegen diesen Tathergang: Die Wunden von Opfern und Täter, Blutspuren im Zimmer und nicht zuletzt DNA-Spuren an den Messern.

Nur ein Indiz soll an dieser Stelle ausgeführt werden: Die DNA-Spuren am Messer. Am Messer, mit dem beide Frauen erstochen wurden, fanden sich oben an der Klinge, in der Nähe des Griffs, DNA-Spuren der Frau des Täters. In der Mitte der Klinge fanden sich Spuren der Schwester der Frau. Und auf den vordersten Zentimetern nur noch die Spuren des Täters.

Das interpretierte das Gericht wie folgt: Jedes Mal, wenn der Täter wieder zustach, wurden die bereits vorhanden DNA-Spuren abgewischt. Anders ausgedrückt: Dieses Messer befand sich zuerst in der Frau des Täters, anschliessend in ihrer Schwester und ganz zum Schluss im Täter selbst, und dies nur zu wenigen Zentimetern.

Was Richter und Archäologen gemeinsam haben

Die Aufgabe des Gerichts sei vergleichbar mit derjenigen eines Archäologen, führte Rossi aus: Beide seien nicht anwesend, wenn die Ereignisse passieren. Beide würden sich im Nachgang mit Artefakten befassen, die sie kritisch würdigen müssten. Und zu denen sie sich die Frage stellen müssten: In welcher Konstellation ergeben sie ein stimmiges Bild?

Für das Gericht sei klar geworden: So, wie der Beschuldigte die Tötung schilderte, könne sie sich nicht abgespielt haben. Dass er es trotzdem bis zuletzt so erzählte, kommt laut Gericht erschwerend dazu: «Wir haben erschreckend zur Kenntnis genommen, dass beim Beschuldigten keinerlei Einsicht besteht. Kein Funken Reue kaum rüber», sagte Rossi beim Urteil.

Der Kosovare wird wegen mehrfachen Mords verurteilt. Er muss lebenslänglich ins Gefängnis. Ausserdem wird er für 15 Jahre des Landes verwiesen. Den Angehörigen der Opfer muss er über 200'000 Franken Schadenersatz und Genugtuung bezahlen.

Der Beschuldigte nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis. Als er von der Polizei abgeführt wurde, wünschte er den Richterinnen und Richtern in gebrochenem Deutsch einen schönen Tag.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.