Birrfeld
Tödlicher Unfall mit Kleinflugzeug: Fliegerfreunde wollen Klarheit über Absturz

Drei Monate, nachdem Walter K. (†66) mit seinem Kleinflugzeug tödlich verunglückte, traf sich der Verein der Eigenbauer auf dem Birrfeld.

Frederic Härri
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Werner Maag, Präsident der Experimental Aviation of Switzerland (EAS), fliegt in seiner selbst gebauten Express S90.

Werner Maag, Präsident der Experimental Aviation of Switzerland (EAS), fliegt in seiner selbst gebauten Express S90.

Frederic Härri

Es war der 14. Mai dieses Jahres, als Walter K. auf dem Birrfeld zu seinem letzten Flug abhob. Kurz nach dem Start verlor der 66-Jährige aus Niederweningen die Kontrolle über das Flugzeug. Dieses stürzte fast senkrecht ab, zerschellte am Boden und ging in Flammen auf. Von der Maschine vom Typ Alfa HB 207 VRG blieb nur ein verkohltes Wrack übrig.

Bei Experimental Aviation of Switzerland (EAS) sass der Schock nach dem Tod ihres Kollegen tief. Walter K. wirkte im Verein der Schweizer Flugzeug-Eigenbauer als Rechnungsrevisor. «Wir vermissen dich, Walti», ist noch immer in einem Nachruf auf der Vereinshomepage zu lesen. Man habe einen «aufgestellten, stets hilfsbereiten und technisch versierten EAS Freund» verloren.

Inzwischen haben sie Abschied nehmen können

Am Wochenende kehrte die EAS an den Ort des Unglücks zurück. Jedes Jahr veranstalten die Mitglieder jeweils am dritten Augustwochenende ein dreitägiges Fliegertreffen auf einem Schweizer Regionalflughafen.

Dieses Jahr war der Flugplatz Birrfeld Schauplatz des sogenannten «Summer Fly-Ins». Es ist ein Anlass, bei dem die Kinder in der Werkstatt Segel- und Propellerflugzeuge basteln und die erwachsenen Piloten ihre selbst gebauten Maschinen auf Hochglanz polieren und präsentieren – und natürlich fliegen.

Zur Begrüssung nimmt Werner Maag, Präsident der EAS, den Journalisten mit auf einen Rundflug in seiner Express S90. Wieder am Boden erzählt er, dass er 1994 mit dem Bau des Viersitzers begann und danach zwölf Jahre, viel Durchhaltewillen und eine Menge Geld gebraucht habe, um ihn zu vollenden. Zum Eigenbau von Flugzeugen sei er überhaupt erst gekommen, als er sich nach 33 Jahren als Linienpilot danach sehnte, «etwas Eigenes» zu kreieren.

Bilder von der Absturzstelle beim Birrfeld:

Flugzeugabsturzt im Birrfeld am 14. Mai 2019
14 Bilder
Der erfahrene Pilot, der auf dem nahe gelegenen Flugplatz gestartet war, kam beim Absturz ums Leben.
Der 66-Jährige verlor offenbar kurz nach dem Abheben die Kontrolle über die Maschine des Typs «Alfa 207» und stürzte – nur wenige Meter neben der Autobahn – praktisch senkrecht in den Boden.
Nur wenige Minuten später war vom Flugzeug nur noch ein schwarzes Wrack übrig.
Der 66-jährige Pilot stammte aus dem Kanton Zürich.
Der Pilot war kurz nach 17 Uhr vom Flugplatz Birrfeld in Richtung Osten gestartet und verlor weniger später die Kontrolle über das Flugzeug.
Etliche Zeugen beobachteten, wie das Flugzeug fast senkrecht abstürze und in einer Wiese unmittelbar neben der stark befahrenen Autobahn A1 aufschlug.
Der Pilot hatte sich alleine im Flugzeug befunden.
Die Feuerwehr und ein Helikopter der AAA Alpine Air Ambulance, der auf dem Flugplatz Birrfeld stationiert ist, ...
... waren rasch bei der Absturzstelle.
Die Feuerwehr löschte den Brand rasch – für den Piloten des einmotorigen Flugzeugs kam jede Hilfe zu spät.
Für den Verkehr auf der A1 ging vom Brand gemäss der Kantonspolizei keine Gefahr aus.
Die Absturzursache ist noch unklar.
Die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach eröffnete eine Untersuchung und ordnete beim Verstorbenen eine Obduktion an.

Flugzeugabsturzt im Birrfeld am 14. Mai 2019

ENNIO LEANZA

Als danach der tragische Unfall von Walter K. zur Sprache kommt, wird Maag nachdenklich. Der Tod seines guten Freundes geht ihm nach wie vor nahe, wie allen anderen im Verein. «So eine Nachricht rüttelt einen durch», sagt Maag. Inzwischen habe man von Walter K. Abschied nehmen können. «Es gab eine sehr schöne Abdankungsfeier hier auf dem Birrfeld mit Familien und Freunden.» 200 Personen seien gekommen.

Weshalb das Flugzeug von Walter K. abstürzte, ist weiterhin unklar. Die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) befindet sich in der Abklärung, der Zeithorizont für den Schlussbericht ist offen. In diesem Zusammenhang nennt Maag einen Absturz mit einem Eigenbau-Flugzeug, der sich im September 2015 zwischen Muhen und Kölliken ereignete.

Dessen Schlussbericht liegt auch gut vier Jahre später noch nicht vor. Maag hofft, dass sich der Bericht über Walter K.s Absturz nicht derart lange hinziehen wird. «Das ist etwas vom Schlimmsten», merkt Maag an. «Dass man nicht weiss, was Sache ist." Er selber habe eine Vermutung, wie und weshalb die Alfa HB 207 abgestürzt sein könnte, sagt Maag. Mit Spekulationen wolle er sich aber zurückhalten, besonders gegenüber der Zeitung. «Was ich mit Bestimmtheit weiss, ist: Walter ist kein unseriöser Flieger gewesen.»

Jeder im Verein hintersinne sich nach dem Unfall, ergänzt Maag. Das bedeute aber nicht, dass man punkto Sicherheit jetzt alles auf den Kopf stellen werde. So müsse bereits jedes in Eigenbau hergestellte Flugzeug umfassende Belastungs- und Motorentests bestehen, bevor das Bundesamt für Zivilluftfahrt mit einer Schlussabnahme das finale Okay gibt. Das habe sich bewährt, sagt Maag. Aber: «Ein Restrisiko wird es immer geben.»

Gäste aus dem Süden Europas

Danach will Werner Maag über andere Dinge sprechen, er beschliesst das Gespräch mit einer Tour über den Flugplatz. Etwa 30 Piloten sind mit ihren Flugzeugen hier, einige campieren gleich daneben. Dazu gesellen sich Gäste aus Deutschland, Österreich und Spanien.

Es hätten noch mehr sein sollen; zwei Engländer hatten sich angemeldet, eine Sturmfront weiter nördlich hat ihre Reise aber verhindert. Maag findet es schade, er hätte sie gerne gesehen. «Wir nehmen es aber keinem übel, nur weil er wegen schlechten Wetters zu Hause bleibt.» Ein Unglück wollen sie bei der EAS nicht wieder erleben müssen.