Aargau
Tödliche Badeunfälle: Kein Schwimmunterricht für Asylbewerber

Im Aargau mehren sich die tödlichen Badeunfälle von Asylbewerbern. Ihnen Schwimmkurse anzubieten, ginge aber zu weit, findet der Verein Netzwerk Asyl Aargau.

Barbara Vogt
Drucken
Teilen
Im letzten Sommer stieg ein 31-jähriger Inder bei der Zurlindeninsel Aarau in die Aare und ertrank.

Im letzten Sommer stieg ein 31-jähriger Inder bei der Zurlindeninsel Aarau in die Aare und ertrank.

Pascal Meier

Der 19-jährige Asylbewerber, der am Donnerstag in der Aare in Schönenwerd versank, hat nicht überlebt. Er ist nicht der einzige Asylsuchende, der in in den letzten zwei Jahren in einem Gewässer tödlich verunglückt ist. Im Juni hatte die Polizei einen 25-jährigen Eritreer tot aus der Aare beim Kraftwerk Rüchlig in Aarau geborgen. Am gleichen Tag ertrank ein 20-jähriger Somalier im Rotsee in Luzern. 2013 war ein 26-jähriger Afghane in der Limmat gestorben. Anfang Juli 2014 ertrank ein 31-jähriger Inder bei der Aarauer Zurlindeninsel in die Aare.

Asylbewerber können oft nicht schwimmen und sind sich der Gefahren in den Flüssen nicht bewusst. In Bayern fordert das Rote Kreuz jetzt Schwimmkurse in Asylunterkünften, nachdem seit Anfang Juni vier Asylbewerber in Badeseen umgekommen sind. Ist der Schwimmunterricht auch im Aargau ein Thema? Offenbar nicht. Patrizia Bertschi, Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl Aargau sagt: «Das geht zu weit, nicht einmal wegen der Kosten. Doch ein Schwimmkurs garantiert nicht, dass Asylbewerber gut genug schwimmen können, um in Flüssen sicher zu sein.»

Es sei auch für gute Schwimmer gefährlich, in Flüssen zu schwimmen. Asylsuchende würden die Gefahren im Wasser unterschätzen und bloss ein bisschen schwadern gehen wollen. Viel wichtiger sei es, die Leute in Asylunterkünften aufzuklären oder ihnen gar zu verbieten, in die Flüsse zu gehen. Dafür hat Patrizia Bertschi im heissen Sommer eine Alternative: ein Gratis-Eintritt für alle einmal in der Woche.

Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales sagt, dass in Asylunterkünften in unmittelbarer Nähe zum Wasser wie etwa in Untersiggenthal eine Sensibilisierung stattfinde. Dort weise man die Bewohnerinnen und Bewohner explizit auf die Gefahren des Flusses hin.

Eine spezielle Instruktion im Umgang mit Wassergefahren oder Schwimmunterricht für alle Asylsuchenden im Kanton sei jedoch nicht denkbar. Dies aus Kostengründen, aber nicht nur. Denn: In einem kantonalen Erstaufnahmezentrum wie in Aarau mache man die Bewohner zuerst mit den Sitten und Gebräuchen bekannt, zeige ihnen etwa, wie und wo sie einkaufen können, sagt Bruder.

Auch die Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl Aargau setzt andere Prioritäten: «Die Asylbewerber sollen zuerst in Deutsch unterrichtet werden, als schwimmen zu lernen», sagt Patrizia Bertschi. «So können sich die Betroffenen mehr integrieren.»

Aktuelle Nachrichten