Beim Aarauer Bahnhof kam es am Donnerstagabend gegen 23 Uhr zu einem tödlichen Unfall. Zwei Männer im Alter von 18 und 21 Jahren kletterten über einen Zaun und rannten auf die Gleise. Dabei wurden sie von einem durchfahrenden Güterzug erfasst und getötet.

Bei den Männern handelte es sich um zwei vorläufig aufgenommene Afghanen. Donnerstagnacht hielten sie sich, zusammen mit Landsleuten, beim Mediapark-Gebäude auf.  Der Aarauer Bahnhof ist seit vielen Jahren ein beliebter Treffpunkt von Asylbewerbern oder Randständigen. Dass sich Asylbewerber vermehrt an Bahnhöfen oder öffentlichen Plätzen aufhalten, hat laut Patrizia Bertschi, Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl, hauptsächlich mit zwei Faktoren zu tun: der Betreuung und der Unterkunft. «Alle Geflüchteten, egal welchen Status sie in der Schweiz haben, müssen und wollen auch etwas zu tun haben», sagt sie. Doch fehle es in den kantonalen Unterkünften an ausreichender Betreuung und Beschäftigung. «Wobei sich in den letzten Jahren betreffend Integrationsmöglichkeiten viel getan hat.»

Nebst der Betreuung spielt laut Bertschi auch die Unterkunft eine Rolle: «Einige Unterkünfte sind eng, laut, haben kein WLAN, bieten kaum Privatsphäre. Da würde ich auch nicht bleiben wollen.» Dass die Asylsuchenden einen temporären Aufenthaltsplatz ausserhalb der Unterkunft suchen, sei eine logische Konsequenz. Ein guter Ansatz wäre laut Bertschi, dass die vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden ein Einzel- oder Zweierzimmer bekommen, und Familien, ab einem Jahr Aufenthalt in der Schweiz, in eine einfache Wohnung ziehen könnten. Bertschi hat durch ihr Engagement häufig Kontakt mit jungen Afghanen. Der Vorfall am Aarauer Bahnhof erschüttert sie. «In der afghanischen Kultur gibt es klar strukturierte Hierarchien und starke Familienbande. Die meisten sind in der Schweiz alleine und wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen.»

WLAN in Unterkünften kommt

Pia Brugger Kalfidis ist Leiterin der Unterabteilung Asyl beim Kanton. Sie sagt, die beiden Opfer wohnten bereits in Gemeinden und hatten Integrationsmassnahmen. Auf die Frage, wo und wie Asylbewerber ihre Freizeit verbringen können, sagt sie: «Nebst Deutschkursen und Beschäftigungsprogrammen des Kantons gibt es auch ein grosses Angebot von Freiwilligen und Organisationen.» Zu den Themen Alkoholkonsum und Konfliktlösung leiste der Kanton Aufklärungsarbeit bei der Ankunft der Asylbewerber: «Die Themen werden beispielsweise mit Rollenspielen adressatengerecht vermittelt.»

Bereits im Frühjahr 2018 beschäftigte sich der Kanton mit WLAN in kantonalen Unterkünften. Die Einführung sei noch nicht abgeschlossen, sagt Brugger. «Sie verläuft nach einer Evaluation schrittweise pro Unterkunft. Wo möglich, im Einklang mit Unterhaltsarbeiten und mit Blick auf die Ressourcen.»

«Es tut mir leid für ihre Familien»:  Bismillah Mohsini hat die zwei getöteten Afghanen gut gekannt

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