Damit ein Landwirt Direktzahlungen erhält, muss er Vorgaben zum Tierwohl einhalten. Dazu zählen neben dem Tierschutzgesetz auch die Richtlinien zu besonders tierfreundlichen Stallhaltungssystemen oder regelmässigem Auslauf im Freien. In einer Interpellation wollte Grünen-Aargau-Präsident und Grossrat Daniel Hölzle vom Regierungsrat wissen, wie gut die Landwirte die Vorschriften einhalten. Aus der Antwort geht hervor, dass von rund 2100 Tierhaltungsbetrieben, die Direktzahlungen erhalten, im letzten Jahr knapp 100 von Kürzungen betroffen waren.

Grund für die Kürzungen waren in 62 Fällen Verstösse gegen das Tierschutzgesetz. Aus diesem Grund reduzierte der Kanton die Direktzahlungen um 283'000 Franken. «Aufgrund wiederholter Beanstandungen» sei es 2016 bei einigen Betrieben zu sehr hohen Kürzungen gekommen, hält die Regierung in der Antwort fest. Für 36 Betriebe gab es weniger Geld, weil die Stallhaltung zu wenig tierfreundlich war oder die Tiere zu wenig Auslauf erhielten. Um 46'000 Franken wurden die Beiträge deshalb gekürzt, insgesamt betragen die Kürzungen also knapp 330'000 Franken.

Kontrolliert wird die Tierhaltung im Aargau vom kantonalen Veterinärdienst sowie von der Abteilung Landwirtschaft. Im letzten Jahr führte der Veterinärdienst 623 Grundkontrollen auf Bauernhöfen durch. Dabei werden unter anderem Tiergesundheit, Milchhygiene, Tierverkehr, Einsatz von Arzneimitteln und Einhaltung der Tierschutzgesetze geprüft. Die häufigsten Gründe für Beanstandungen sind stark verschmutzte Tiere, zu kleine Pferdeboxen und eine unzureichende Beschäftigung von Schweinen in Masthaltungen.

20 Prozent unangemeldet

Der Fokus wurde auf Spezialkontrollen von Risikobetrieben gelegt, die «oft von Drittpersonen und Fleischkontrolleuren an Schlachtanlagen ausgelöst werden.» Mit diesem System – 20 Prozent unangemeldete Risikokontrollen und 80 Prozent angemeldete Routineinspektionen – könnten «mittelschwere und gravierende Verstösse gegen das Tierschutzgesetz zeitnah aufgedeckt werden.» Um den Anteil der unangemeldeten Kontrollen zu erhöhen, wäre mehr Personal beim Veterinärdienst nötig.

Anders als die Tierschutzinspektionen erfolgen die Kontrollen von Stallhaltung und Auslauf durch Landwirtschaft Aargau fast immer ohne Voranmeldung. Im letzten Jahr tauchten die Kontrolleure in 461 von 490 Fällen, also in über 94 Prozent, unangemeldet auf den Betrieben auf.