Verwilderte Katzen
Tierschützer schlagen Jenny Kastration statt Abschuss vor

Pro-Natura-Geschäftsführer Johannes Jenny sorgte mit seinem Vorschlag, verwilderte Katzen abschiessen zu lassen, für einigen Wirbel. In einem offenen Brief wendet sich nun eine Tierschutz-Organisation an ihn – mit einem Vorschlag.

Nadja Rohner
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FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Diese Wildkatze stammt aus dem Wildpark Goldau. (Symbolbild)

FDP-Grossrat Johannes Jenny stört sich an verwilderten Katzen, da sie Vögel und Reptilien jagen. Diese Wildkatze stammt aus dem Wildpark Goldau. (Symbolbild)

Keystone/Alex Spichale

FDP-Grossrat Johannes Jenny hatte kürzlich via Interpellation gefordert, dass Jäger verwilderte Katzen abschiessen. So soll verhindert werden, dass diese Vögel und Reptilien jagen.

Zudem will Jenny, dass sich Hauskatzen nur in einem bestimmten Rayon bewegen dürfen. Verlassen sie dieses, sollen sie eingefangen und ihr Halter gebüsst werden. Im Wiederholungsfall: Katze einschläfern.

Die Organisation Netap – Network for Animal Protection – hat sich nun in einem offenen Brief an Jenny gewandt. «Wir gratulieren Ihnen, dass Sie die verwilderten Katzen als ein Problem erkannt haben, das es zu lösen gilt», schreibt Präsidentin Esther Geisser. «Gemäss unseren Hochrechnungen werden in der Schweiz jährlich 100 000 Katzenkinder getötet, weil niemand sie haben möchte.»

Man erachte aber Jennys Lösungsansatz, «zur Waffe zu greifen und Katzen zu erschiessen, bloss weil sie sich am falschen Ort aufgehalten haben, unabhängig von ihrem Gesundheitszustand, weder aus ethisch-moralischen noch aus sachlichen Gründen als zielführend».

Es sei mitnichten so, dass alle herrenlosen Katzen leiden würden. Die Interpellation ziele darauf ab, dass Jäger nicht nur Katzen abschiessen können, sondern sogar müssen. «Sie wollen also Katzen ohne Differenzierung zum Abschuss freigeben, damit andere Tiere besser überleben können», wendet sich Geisser an Jenny.

«Mit dieser selektiven Herangehensweise blenden Sie andere Abhängigkeiten aus und konzentrieren sich auf die Symptombekämpfung, statt das Problem an der Wurzel zu packen.» Das Problem sei die unkontrollierte Vermehrung der Büsis. Diese kann gewaltige Ausmasse annehmen: Aus einem Katzenpaar können theoretisch innert 10 Jahren 80 Millionen neue Katzen entspringen.

Kastrationspflicht für Katzen?

Deshalb schlägt die Tierschutzorganisation Netap vor, dass Jenny sich im Grossen Rat für eine Kastrationspflicht einsetzt, wie es sie in Österreich gibt. Dort müssen alle Freigängerkatzen kastriert werden, sofern sie nicht zur Zucht eingesetzt werden – sonst drohen dem Halter Strafen bis zu 3900 Euro. Das bräuchte es auch in der Schweiz, findet Netap-Präsidentin Geisser. Sie schlägt zudem eine obligatorische Registrationspflicht für Katzen vor, um die Kontrolle über die Kastrationen zu gewährleisten.

Auf Anfrage sagt Johannes Jenny, er könne sich auf jeden Fall vorstellen, das Thema «Kastrationspflicht für Katzen» im Grossen Rat vorzubringen. «Mir ist alles recht, was dazu führt, dass das Leid der verwilderten Katzen verringert wird – und auch die Schäden, die sie anrichten.» Wenn dies ohne Jagd auf die Katzen möglich ist, sei er «noch so froh».

Netap führt regelmässig in der ganzen Schweiz Kastrationseinsätze bei wilden Katzen durch, so auch Ende Mai in Bözberg. Pro Einsatz kastrieren sie zwischen 5 und 200 Tiere.

Billig ist das nicht. «Wir arbeiten mit ehrenamtlichen Tierärzten, die auf Lohn verzichten. Da wir aber die Katzen nicht nur kastrieren, sondern auch gegen Parasiten behandeln, impfen und je nach Gesundheitszustand auch Zähne ziehen, Amputationen vornehmen oder Kugeln herausoperieren, schwanken unsere Kosten. Ein Durchschnittspreis von 80 Franken pro Fall ist wohl realistisch», sagt Geisser.

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