Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura und FDP-Grossrat, sorgt immer wieder mit eigenwilligen Positionsbezügen für Aufsehen. Als er den Abschuss verwilderter Katzen forderte, brachte ihm das Schimpf und Schande ein.

Jäger sollen herrenlose Katzen erschiessen dürfen

10. Juli 2015: Jenny forderte den Abschuss von herrenlosen Katzen

Geschäftsführer Pro Natura Aargau fordert „Gnadenschuss“ für die Vierbeiner, weil diese verwildern und bei Vögeln, Mäusen und Blindschleichen weiteres Leid verursachen

Kritik aus Tierschützerkreisen gab es aber auch, als er sich im Namen von Pro Natura hinter das Pilotprojekt des Kantons stellte, in Birmenstorf und Muri gezielte Krähenjagden zu veranstalten, um die Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen zu reduzieren. Aus artenschützerischen Gründen spreche nichts gegen die Bejagung und man wolle die Bauern mit ihrem Krähenproblem nicht allein lassen, so Jenny.

Er lässt sich durch Anfeindungen nicht von seinen Standpunkten abbringen. Als Zugabe zur Billigung der Krähenjagd rief er dazu auf, die getöteten Tiere sinnvoll zu verwerten statt einfach der Kadaverentsorgung zuzuführen. Sprich: die Krähen zu essen. Das Fleisch eines Vogels zu verspeisen, der glücklich in Freiheit gelebt hat, sei ethischer und gescheiter als ein mit Soja gemästetes Huhn zu essen.

Krähensuppe für das Volk

Den Tatbeweis erbrachte Jenny vorerst in privater Runde. Er probierte ein Rezept aus und bereitete für ein paar Kollegen eine Suppe mit Kräheneinlage zu. Und siehe da: «Die Krähensuppe schmeckt ausgezeichnet, ich war selber überrascht. Wir haben je fast einen Liter davon weggeputzt», sagt Jenny.

Und nun folgt der nächste Streich: Die Krähensuppe wird zum Wahlkampf-Give-away. Am Samstag lädt Jenny die Bevölkerung zum Probieren ein. Unter dem Moto «Nachhaltigkeit in Form von Krähensuppe schlürfen» schenkt Jenny seine selbst gekochte Suppe ab 10 Uhr an der Badstrasse in Baden aus (vor der Migros Bank).

Natürlich erwarte er auch ablehnende Reaktionen, sagt Jenny, aber er bleibt seiner Überzeugung treu und nutzt nun den Wahlkampf für Überzeugungsarbeit: Leben lebe nun einmal von anderem Leben. Also «warum diese Ressource, die vom Himmel fällt, nicht nutzen»? Nach dem Abstimmungsresultat Ende September müsse die Devise nun heissen: «Grüne Wirtschaft leben statt verordnen.» Er sei überzeugt, dass das richtig und auch mehrheitsfähig ist, so Jenny.

Einen hat er schon einmal überzeugt: Auf die Ankündigung der aussergewöhnlichen Wahlaktion hin meldete sich Rainer Klöti, Präsident des Aargauischen Jagdschutzvereins, zu Wort. Johannes Jennys Idee, die Verwertung der Wildtiere statt der Kadaverentsorgung zu propagieren und mit der Suppe als Symbol des Miteinanders zu verbinden, sei löblich. Er persönlich unterstütze diese Aktion vollumfänglich, so Jäger Klöti. Wenn er heute in Baden nicht selber anwesend sei, dann nur wegen einer anderen, schon lange eingegangenen Verpflichtung.

September 2015: FDP-Grossrat Jenny präsentierte nach der Ablehnung seiner Abschuss-Idee neue Strategien.

September 2015: FDP-Grossrat Jenny präsentierte nach der Ablehnung seiner Abschuss-Idee neue Strategien.

Mit seiner Forderung «wilde Katzen sollen abgeschossen werden», blitzt FDP-Grossrat Johannes Jenny bei der Aargauer Regierung ab.