Untersiggenthal

Tierheim mit Büsis überfüllt – Aargauer Tierschutz fordert Chip

Alle Katzengehege und -zimmer im Tierheim Untersiggenthal sind voll. Das wiederholt sich Sommer für Sommer. Der Aargauische Tierschutz fordert jetzt eine Chip- und Kastrationspflicht für Katzen.

Im Heim des Aargauischen Tierschutzvereins (ATs) in Untersiggenthal sind derzeit alle Plätze für Katzen besetzt. Deshalb musste jetzt gar ein Aufnahmestopp verhängt werden. Dies sagt Astrid Becker, die den ATs seit 2006 präsidiert: «Wir sind darob sehr traurig, gerade wegen all der Katzen, die wir deshalb nicht auch noch aufnehmen können. Derzeit haben wir 37 offene Fälle, bei denen wir uns gemeldete Katzen einfangen sollten, aber nicht können.» Teilweise auch, weil die Kätzinnen wieder trächtig sind und man abwarten muss, bis die Katzenwelpen auf der Welt und sechs bis sieben Wochen alt sind, um sie dann im Tierheim aufzunehmen.

«Ich habe das Gefühl, wir stehen immer wieder am gleichen Ort»

«Ich habe das Gefühl, wir stehen immer wieder am gleichen Ort»

Astrid Becker, Präsidentin des Aargauischen Tierschutzvereins, im wie jeden Sommer aus allen Nähten platzenden Tierheim.

Sind die übervollen Katzenzimmer und -gehege im Tierheim Ausdruck der Sommerferienzeit, in der immer wieder Leute Haustiere aussetzen? Becker nickt. «Ganz klar.» Ein Zusammenhang besteht auch mit dem jüngst bekannt gewordenen Fall eines «Katzenmessies» in Rothrist, wo der Tierschutz 56 Katzen registriert hat. Katzen werden laut Becker das ganze Jahr über ausgesetzt oder laufen davon, wobei aber rund um Zügeltermine und in den Sommerferien besonders viele offensichtlich ausgesetzte Katzen gemeldet, aufgefunden bzw. abgegeben werden. Becker: «Es ist jedes Jahr dasselbe, es wird nicht besser, es hört nicht auf.»

«Chip-Pflicht muss her»

Im Sommer bekommt das Tierheim viel mehr Katzen als im Winter. Auch weil die herrenlosen, scheuen Kätzinnen im Frühling/Sommer (zweimal pro Jahr) ihre Jungen bekommen. Aber auch Hauskatzen-Nachwuchs findet oft den Weg dorthin. Herumtollende Junge sind herzig. Aber je grösser sie sind, desto mehr werden sie vielen Besitzern zu viel. Sie setzen sie oft aus, wenn sie keinen anderen Besitzer finden.

Der Tierschutz würde die abgegebenen oder eingefangenen Tiere gern den Besitzern zurückgeben, da manche schlicht entlaufen sein dürften. Becker: «Bei Katzen ist es sehr schwierig, zu unterscheiden, ob sie entlaufen oder ausgesetzt worden sind. Deshalb fordern wir, nach den Hunden auch für die Katzen eine Chip- und auch eine Kastrationspflicht einzuführen.» Die Kastration sei wichtig, weil trotz aller Bemühungen immer mehr Katzen in freier Wildbahn unterwegs sind.

Aber wie kann man herausfinden, ob man es mit einer Haus- oder einer wild lebenden Katze zu tun hat? Das erkenne man «am Allgemeinzustand, etwa daran, ob das Fell gepflegt ist, ob das Tier zutraulich ist und beim Menschen Futter sucht oder nicht», erklärt Becker, die zu Hause selbst zu vier Katzen aus dem Tierheim schaut. Sie wäre sehr froh, «wenn Familien, die sich überlegen, ein Haustier, beispielsweise eine Katze, in die Familie aufzunehmen, auf unserer Homepage oder in unserem Tierheim vorbeikommen. Wir würden sehr gern Katzen an tierliebende Leute abgeben.» Damit könnte auch Platz für weitere Katzen geschaffen werden, die dem Tierschutz fortlaufend gemeldet werden. Einige der aktuell zu vermittelnden Katzen werden unten stehend kurz vorgestellt.

Kaum noch Hunde ausgesetzt

Astrid Becker spricht vorab von Katzen. Sind ausgesetzte Hunde denn kein Problem mehr? Sie schüttelt den Kopf: «Seit Hunde gechipt werden müssen, gibt es das zum Glück nur noch selten. Damit kann man ihren Besitzer oder ihre Besitzerin sofort herausfinden. Deshalb suchen Hundebesitzer heute erfreulicherweise andere Lösungen, wenn sie ihren vierbeinigen Freund nicht ins Hotel mitnehmen können. Sie bringen sie in eine Tierpension, Nachbarn schauen zum Tier oder Verwandte nehmen es so lange zu sich.»

Dank Chip zurück nach Hause

Katzen mit Chip hätten noch einen anderen Vorteil. Kinder, die verzweifelt ihre Katze mit rührend gestalteten Plakaten suchen, bekämen das geliebte Tier problemlos zurück, wenn es aufgefunden und dank Chip identifiziert werden kann. Wer eine Katze aus dem Tierheim adoptieren will, bekommt sie geimpft und gechipt. Das Tierheim gibt aber auch gern Hunde, Schildkröten, Kleinnager wie Zwerghasen, Ziervögel usw. in ein gutes neues Zuhause.
Einfach so gibt es die Tiere aber nicht her. Der Tierschutz will sicher sein, dass diese einen guten Platz bekommen und dass sich die Leute bewusst sind, welche Pflichten damit auf sie zukommen, dass sie Lebewesen erhalten, die Anspruch auf genug Zeit und Zuwendung haben. Deshalb bekommt, wer so ein Tier nach Hause nehmen will, von den Tierpflegerinnen und Tierpflegern erst einmal viele Fragen gestellt.

Meistgesehen

Artboard 1