Brugg
Tiefere Schadensumme: Campus-Brand kostet 25 statt 30 Millionen

Es geschah am 10. April 2013: Bei einem Grossbrand wurden grosse Teile des Campus-Neubaus zerstört. Nun hat die Gebäudeversicherung abgerechnet und gibt bekannt: Die Schadensumme beim Grossbrand liegt fünf Millionen tiefer als befürchtet.

Hans Lüthi
Merken
Drucken
Teilen
Die grosse Zerstörung im riesigen Campus-Neubau an den Holzböden, Treppen, Wänden und Decken. Emanuel Per Freudiger

Die grosse Zerstörung im riesigen Campus-Neubau an den Holzböden, Treppen, Wänden und Decken. Emanuel Per Freudiger

Es ist schlicht untertrieben, beim Campus-Brand in Brugg-Windisch von einem Jahrhundert-Brand zu sprechen. Denn es ist der grösste Brandschaden in der über 200-jährigen Geschichte der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Darum informiert die AGV in ihrem brandneuen Jahresbericht in einer Beilage über den Grossbrand vom 10. April 2013.

Zu den überraschenden Erkenntnissen gehört diese: Mit 25 Millionen Franken ist die Schadensumme um volle fünf Millionen Franken unter den ersten Berechnungen.

«Wir haben eine sehr strikte Kostenkontrolle durchgeführt und die Arbeiten auf Basis der ursprünglichen Werkverträge vergeben», sagt AGV-Generalsekretärin Christina Troglia.

Es kam also nicht vor, dass sich Handwerker dank des Grossbrandes eine goldene Nase verdienen konnten. Auch 25 Millionen sind viel Geld, aber es geht beim Campus um einen riesigen Bau, das Feuer kam im dümmsten Moment, Rauch und Russ verwüsteten die oberen Stockwerke.

8 Bilder
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch
Grossbrand auf dem Campus-Neubau Brugg-Windisch

Regina Grob

Breiter Fächer von Ursachen

Bei den noch immer nicht eindeutig geklärten Ursachen des Grossbrandes öffnet der neue Bericht den Fächer wieder. Brandstiftung könne praktisch ausgeschlossen werden, hiess es in den ersten Wochen nach dem Mega-Ereignis.

Jetzt heisst es wörtlich: «Auch Brandstiftung wäre denkbar.» Ein Bau von dieser Grössenordnung «kann selbst vom besten Sicherheitsdienst nicht lückenlos gesichert werden.»

Nach Untersuchungen kam das Forensische Institut Zürich aber zum Schluss, als wahrscheinlichste Ursache komme Selbstentzündung infrage.

Vielleicht habe jemand einen ölgetränkten Lappen nicht fachmännisch entsorgt. Dadurch kann es rasch zu einer Selbstentzündung kommen. Jedenfalls bot das Baumaterial reichlich Nahrung, bei noch ausgeschalteter Sprinkleranlage breiteten sich Feuer und Rauch verheerend schnell aus.

Aufräumarbeiten im Campus Brugg
4 Bilder
Die Reinigung der Wände und Decken ist extrem aufwendig.
Im Bereich des Brandherds muss eine Betonstütze verstärkt werden.
Über dem Feuer sind die Deckenelemente geschmolzen.

Aufräumarbeiten im Campus Brugg

Emanuel Freudiger

Abklärung durch Rechtsexperten

Weil sich der Kreis der möglichen Täter oder Verantwortlichen zu stark vergrösserte, hat die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren sistiert. Das sei nicht zwingend eine endgültige Einstellung.

«Bei neuen Erkenntnissen kann die Untersuchung jederzeit wieder aufgenommen werden», steht im neuen Bericht. Die Gebäudeversicherung wurde im Nachgang heftig kritisiert, sie lasse allfällige Verantwortliche ungeschoren laufen, die Rechnung in Form höherer Prämien könnten dann alle Gebäudebesitzer im Kanton bezahlen.

Derzeit klärt ein externer Rechtsprofessor für die AGV ab, ob die Möglichkeiten für einen Regress gegeben sein könnten. Dabei geht es nicht um eine neue fachtechnische Expertise, «es geht um die Verantwortlichkeiten», präzisiert Christina Troglia.

«Nur wenn eine vernünftige Aussicht auf Erfolg besteht, prozessiert die AGV gegen den Verantwortlichen für einen Brand», schreibt Jürg Walti, Leiter im Rechtsdienst der Gebäudeversicherung. Selbst dann versuche man, einen Prozess zu vermeiden. Diese Abklärungen benötigen offensichtlich viel Zeit.

Denn: Für ein fertiges Gebäude gibt es ein klares Brandschutzkonzept. Während der Bauphase aber gibt es nur Richtlinien. Jetzt überlege man sich, wie man die Vorschriften verbindlicher machen könne.

«Weil wir nicht zuständig sind, können wir das nicht selber machen», erklärt Troglia. Aus den Lehren des Campusbrandes müsse es gelingen, alle Menschen auf einer Baustelle für die Brandgefahren zu sensibilisieren. Eine Lösung ist weder vorhanden noch einfach, denn auf einer solchen Grossbaustelle herrsche nicht nur ein sprachliches Durcheinander. «Das Sicherheitsempfinden ist geprägt von verschiedenen Mentalitäten und Kulturen», dazu komme der Zeitdruck.

Keine Erhöhung der Prämien

Ohne den Campus-Brand wäre 2013 für die Gebäudeversicherung zu einem hervorragenden Jahr geworden – insgesamt ist es auch so sehr gut ausgefallen (siehe Bericht unten). Im Brandbereich sind die Schäden wegen des Campus-Feuers um 50 Prozent auf 41,2 Millionen Franken gestiegen.

Oberstes Ziel bleibe für die Geschäftsleitung die Prävention, «um die Prämien bei konstanter Leistung niedrig und stabil zu halten.» Das Problem dabei: «Bei selbstverständlichen Sachen passieren oft Fehler, wie im täglichen Leben», bemerkt Christina Troglia.

Im Fazit zum Campusbrand Brugg-Windisch stellt die Versicherung fest, sie könne notfalls auch einen grossen Schaden decken, ohne die Prämien zu erhöhen. Und das sei «eine wirklich gute Nachricht».

Schäden: Ein gutes Jahr für die Aargauer Versicherung

Trotz der hohen Brandschäden hat die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) ein sehr gutes Jahr hinter sich: Mit nur 7,1 Millionen Franken waren die Elementarschäden geradezu bescheiden. Vor allem im Vergleich mit dem Rekordjahr 2011 mit über 170 Millionen Franken Hagelschäden an 30 000 Gebäuden. Zudem gab es ausgezeichnete Erträge bei den Finanzen: Das grosse Anlagevermögen wies eine Rendite von 6,95 Prozent auf! Unter dem Strich hat der Gewinn um 354 Prozent auf 71,2 Millionen Franken zugenommen. Die AGV ist sehr froh um dieses gute Jahr. «Das Eigenkapital stieg auf 872 Millionen Franken, aber wir wollen es auf 950 Millionen Franken erhöhen», erklärt Generalsekretärin Christina Troglia.
Ob das Ziel schon dieses Jahr erreicht wird, wagt sie nicht vorauszusagen. Man habe ja in den letzten Jahren gesehen, wie schnell ein Grossereignis alles auf den Kopf stelle. Über die letzten zehn Jahre habe die AGV für 440 Millionen Franken Schäden berappt und 430 Millionen Franken an Prämien eingenommen. Eine Stärkung des Eigenkapitals sei nötig, um den steigenden Risiken Rechnung zu tragen, so die Versicherung. Bei genügend Eigenkapital könnten sich die Hausbesitzer auch bei Grossereignissen auf die Versicherung verlassen.
Die Elementarschäden sind im letzten Jahr um 75 Prozent von 28,3 auf 7,1 Millionen Franken gesunken. Zwangsläufig sind im Kanton sämtliche Gebäude bei der AGV versichert, deren Zahl stieg um 0,8 Prozent auf 223 364 Bauten. Die versicherte Summe überstieg nach einem Plus um 1,9 Prozent erstmals die Schwelle von 200 Milliarden Franken. Die Nettoprämien sind ebenfalls um 1,9 Prozent auf 73,8 Millionen Franken gestiegen.
Fazit aus AGV-Sicht: Überschüsse sind nötig, um grosse Schäden tragen zu können. Bei der freiwilligen Versicherung für Wasserschäden waren 117 621 Gebäude im Wert von über 100 Milliarden Franken versichert. Die Prämieneinnahmen betrugen 27,7 Millionen Franken, die Schäden erreichten 26,8 Millionen Franken. (Lü.)