Es ist schlicht untertrieben, beim Campus-Brand in Brugg-Windisch von einem Jahrhundert-Brand zu sprechen. Denn es ist der grösste Brandschaden in der über 200-jährigen Geschichte der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Darum informiert die AGV in ihrem brandneuen Jahresbericht in einer Beilage über den Grossbrand vom 10. April 2013.

Zu den überraschenden Erkenntnissen gehört diese: Mit 25 Millionen Franken ist die Schadensumme um volle fünf Millionen Franken unter den ersten Berechnungen.

«Wir haben eine sehr strikte Kostenkontrolle durchgeführt und die Arbeiten auf Basis der ursprünglichen Werkverträge vergeben», sagt AGV-Generalsekretärin Christina Troglia.

Es kam also nicht vor, dass sich Handwerker dank des Grossbrandes eine goldene Nase verdienen konnten. Auch 25 Millionen sind viel Geld, aber es geht beim Campus um einen riesigen Bau, das Feuer kam im dümmsten Moment, Rauch und Russ verwüsteten die oberen Stockwerke.

Breiter Fächer von Ursachen

Bei den noch immer nicht eindeutig geklärten Ursachen des Grossbrandes öffnet der neue Bericht den Fächer wieder. Brandstiftung könne praktisch ausgeschlossen werden, hiess es in den ersten Wochen nach dem Mega-Ereignis.

Jetzt heisst es wörtlich: «Auch Brandstiftung wäre denkbar.» Ein Bau von dieser Grössenordnung «kann selbst vom besten Sicherheitsdienst nicht lückenlos gesichert werden.»

Nach Untersuchungen kam das Forensische Institut Zürich aber zum Schluss, als wahrscheinlichste Ursache komme Selbstentzündung infrage.

Vielleicht habe jemand einen ölgetränkten Lappen nicht fachmännisch entsorgt. Dadurch kann es rasch zu einer Selbstentzündung kommen. Jedenfalls bot das Baumaterial reichlich Nahrung, bei noch ausgeschalteter Sprinkleranlage breiteten sich Feuer und Rauch verheerend schnell aus.

Abklärung durch Rechtsexperten

Weil sich der Kreis der möglichen Täter oder Verantwortlichen zu stark vergrösserte, hat die Staatsanwaltschaft das Strafverfahren sistiert. Das sei nicht zwingend eine endgültige Einstellung.

«Bei neuen Erkenntnissen kann die Untersuchung jederzeit wieder aufgenommen werden», steht im neuen Bericht. Die Gebäudeversicherung wurde im Nachgang heftig kritisiert, sie lasse allfällige Verantwortliche ungeschoren laufen, die Rechnung in Form höherer Prämien könnten dann alle Gebäudebesitzer im Kanton bezahlen.

Derzeit klärt ein externer Rechtsprofessor für die AGV ab, ob die Möglichkeiten für einen Regress gegeben sein könnten. Dabei geht es nicht um eine neue fachtechnische Expertise, «es geht um die Verantwortlichkeiten», präzisiert Christina Troglia.

«Nur wenn eine vernünftige Aussicht auf Erfolg besteht, prozessiert die AGV gegen den Verantwortlichen für einen Brand», schreibt Jürg Walti, Leiter im Rechtsdienst der Gebäudeversicherung. Selbst dann versuche man, einen Prozess zu vermeiden. Diese Abklärungen benötigen offensichtlich viel Zeit.

Denn: Für ein fertiges Gebäude gibt es ein klares Brandschutzkonzept. Während der Bauphase aber gibt es nur Richtlinien. Jetzt überlege man sich, wie man die Vorschriften verbindlicher machen könne.

«Weil wir nicht zuständig sind, können wir das nicht selber machen», erklärt Troglia. Aus den Lehren des Campusbrandes müsse es gelingen, alle Menschen auf einer Baustelle für die Brandgefahren zu sensibilisieren. Eine Lösung ist weder vorhanden noch einfach, denn auf einer solchen Grossbaustelle herrsche nicht nur ein sprachliches Durcheinander. «Das Sicherheitsempfinden ist geprägt von verschiedenen Mentalitäten und Kulturen», dazu komme der Zeitdruck.

Keine Erhöhung der Prämien

Ohne den Campus-Brand wäre 2013 für die Gebäudeversicherung zu einem hervorragenden Jahr geworden – insgesamt ist es auch so sehr gut ausgefallen (siehe Bericht unten). Im Brandbereich sind die Schäden wegen des Campus-Feuers um 50 Prozent auf 41,2 Millionen Franken gestiegen.

Oberstes Ziel bleibe für die Geschäftsleitung die Prävention, «um die Prämien bei konstanter Leistung niedrig und stabil zu halten.» Das Problem dabei: «Bei selbstverständlichen Sachen passieren oft Fehler, wie im täglichen Leben», bemerkt Christina Troglia.

Im Fazit zum Campusbrand Brugg-Windisch stellt die Versicherung fest, sie könne notfalls auch einen grossen Schaden decken, ohne die Prämien zu erhöhen. Und das sei «eine wirklich gute Nachricht».

Brand im Campus-Neubau in Windisch

Brand im Campus-Neubau in Windisch