Nagra

Tiefenlager-Standorte: Nagra rechnet mit drei bis fünf Vorschlägen

Die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) sieht sich auf dem langen Weg zur Entsorgung der Atomabfälle in der Schweiz auf Kurs. Frühestens im 2035 soll ein lager für schwach- und radioaktive Abfälle in Betrieb gehen.

Sie will bis Ende Jahr bei den Bundesbehörden voraussichtlich drei bis fünf Standortgebiete für atomare Tiefenlager vorschlagen.

Das Ziel ist laut Nagra, mindestens je zwei Standortgebiete für ein Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive sowie für ein Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle aus Atomkraftwerken zu bezeichnen.

Er gehe davon aus, dass man zwischen drei und fünf Gebiete vorschlagen werde, sagte Thomas Ernst, Vorsitzender der Nagra-Geschäftsleitung, am Donnerstag an einem Mediengespräch in Baden AG. Es würden "sicher nicht alle Standorte" weiterverfolgt.

Auf dem Prüfstand stehen derzeit sechs Regionen: Jura Ost, Jura-Südfuss, Nördlich Lägern, Südranden, Wellenberg und Zürich Nordost.

Die Einengung der geologischen Standorte erfolge allein nach sicherheitstechnischen Kriterien, sagte Andreas Gautschi, Bereichsleiter Geologie und Sicherheit. Die Gründe für die Auswahl der Nagra würden offen dargelegt und von mehreren Sicherheitsbehörden eingehend geprüft.

Der Bundesrat wird über diese zweite Etappe voraussichtlich Ende 2017 entscheiden, wie es weiter hiess. Frühestens in zehn Jahren wird die Nagra nach eigenen Angaben ein Rahmenbewilligungsgesuch für ein Tiefenlager einreichen können. Damit wird sich die Nagra auf einen Standort festlegen.

Tiefenlager geht 2035 oder später in Betrieb

Der Bundesrat und das Parlament werden über dieses Gesuch entscheiden. Der Parlamentsbeschluss untersteht dem fakultativen Referendum. Möglicherweise wird also das Volk entscheiden. Nach der Rahmenbewilligung benötigt die Nagra die eigentliche Baubewilligung und am Schluss eine Betriesbewilligung.

Die Nagra rechnet damit, dass frühestens im Jahr 2035 ein Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb gehen kann. Der Termin könne "möglicherweise nicht eingehalten werden", sagte Ernst. Genauere Angaben will die Nagra im Laufe dieses Jahres machen.

Regionalkonferenzen machten Vorschläge

Bei fünf der sechs möglichen Tiefenlager-Gebiete machte die jeweilige Regionalkonferenz, ein Gremium zur regionalen Partizipation, konkrete Standortvorschläge für Oberflächen- und Erschliessungsanlagen.

Für das Gebiet Jura Ost sieht die zuständige Regionalkonferenz Villigen AG als möglichen Standort vor, am Jura-Südfuss Däniken SO, am Südranden Neuhausen am Rheinfall SH und am Wellenberg Wolfenschiessen NW. Die Regionalkonferenz Nördlich Lägern schlägt Weiach ZH und Stadel ZH vor. Die Regionalkonferenz Nord entscheidet am kommenden Samstag.
Verhaltenskodex soll Transparenz und Vertrauen stärken

Mit einem Verhaltenskodex in eigener Sache will die Nagra die Transparenz nach innen und nach aussen erhöhen. Der Kodex wurde zusammen mit externen Fachleuten und den Mitarbeitenden im vergangenen Jahr erarbeitet. Er gilt für alle 100 Mitarbeitenden der Nagra.

Die Entsorgung radioaktiver Abfälle sei eine wichtige, nationale, hochsensible und gesellschaftliche Aufgabe, sagte Ernst. Dem Kodex würden die vier Grundwerte Glaubwürdigkeit, Verantwortung, Transparenz und Professionalität zugrunde liegen.

Mit dem Papier möchte die Nagra auch Vertrauen zurückgewinnen. Im Oktober 2012 löste ein internes Nagra-Papier viel Aufregung aus, das die "SonntagsZeitung" publik gemacht hatte. Das Papier erweckte den Eindruck, dass bereits entschieden sei, wo dereinst die Atomabfälle gelagert werden sollen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1