Billett-App
Ticket-Revolution nimmt Fahrt auf: «fairtiq» in der ganzen Schweiz verfügbar

Ab sofort kann man den öffentlichen Verkehr dank «fairtiq» sehr einfach nutzen. Die Billett-App war letztes Jahr bereits im A-Welle-Gebiet verfügbar – nicht aber in Zürich, Bern oder Basel. Das hat sich jetzt geändert. «fairtiq» soll auch älteren Menschen im öV helfen.

Mathias Küng
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RVBW-Direktor Stefan Kalt hat die App auf seinem Handy. (Archiv)

RVBW-Direktor Stefan Kalt hat die App auf seinem Handy. (Archiv)

Alex Spichale

Im September berichtete die AZ über eine Billett-Revolution in der A-Welle. Wir schrieben, dass man mit einer «fairtiq»-App auf dem Handy ab sofort einen Bogen um Billettautomaten oder Warteschlangen vor Schaltern machen kann. Wer die Gratis-App aufschalte (dazu muss man die Kreditkartenangaben hinterlegen, auch das Halbtaxabo angeben, wenn man eins hat), könne ab sofort im A-Welle-Gebiet einfach vor dem Einsteigen in Bus oder Bahn mit einem Wisch bzw. Klick auf dem Handy die App aktivieren, nach dem Aussteigen ebenso deaktivieren. Die Software verrechnet dann jeweils den günstigsten Tarif.

Einen grossen Wermutstropfen hatte die Sache. Die App galt nur im A-Welle-Gebiet und in einigen anderen Kantonen. Wer aber nach Zürich, Bern oder Basel wollte, dem nützte sie nichts. Das ist wohl der Grund, dass im Aargau erst rund zwei Prozent der öV-Passagiere sie nutzen: Doch diese Einschränkung ist vorbei. Denn nach der von der BLS entwickelten Ticket-App «lezzgo» (bereits in der ganzen Schweiz gültig) ist jetzt auch «fairtiq» so weiterentwickelt, dass es ab sofort in der ganzen Schweiz auf dem Streckennetz des Generalabos (GA) gültig ist (ausser Schifffahrt und Nachtzuschläge).

RVBW und RBL im Aargau dabei

Die App «fairtiq» wird von 21 Transportunternehmen angeboten. Im Aargau und im Kanton Solothurn sind die Regionalen Verkehrsbetriebe Baden-Wettingen AG (RVBW), der Regionalbus Lenzburg (RBL) und der Busbetrieb Olten Gösgen Gäu dabei. Gültig ist die App aber auf dem ganzen GA-Netz. Die Promotoren bewerben die App als «einfachste Fahrkarte der Schweiz».

RVBW-Direktor Stefan Kalt zeigt sich mit der bisherigen Bilanz zufrieden. Seit der Einführung der App im September 2017 wurden innerhalb der A-Welle mehr als 31'000 Reisen über «fairtiq» abgewickelt. Kalt: «Wir sind bestrebt, für unsere Fahrgäste die Fahrt so angenehm wie möglich zu gestalten – dazu gehört auch das einfache Lösen des richtigen Tickets.» Nach seiner Erfahrung spricht die App nicht nur das jüngere, Handy-affine, Publikum an: «Ich kenne persönlich etliche Fahrgäste deutlich im Pensionsalter, die die App nutzen, und uns dafür gedankt haben. Sie erleichtert vor allem auch älteren Menschen das mobile Leben enorm, denn oftmals stellt die Bedienung eines Billettautomaten ein grosses Hindernis dar.» Die Nutzung der App sei wirklich einfach. Wer sich nicht traue, sie selbst zu installieren, kenne sicher jemanden in der Verwandtschaft, der es tut, oder man könne bei badenmobil in Baden vorbeikommen und sie aufschalten lassen, anerbietet Kalt. Er erwartet jetzt ein kräftiges Plus bei den hiesigen Nutzern der App um über 30 Prozent. Ihm ist bewusst, dass sich diese App für Besitzer eines Strecken- oder Generalabos nicht lohnt: «Für diese Leute ist ein Abo günstiger. Für gelegentliche Fahrgäste ist die App aber ideal.»

Ein Problem hat die App noch: Wer den öV dem Rhein entlang nutzt, dem kann es passieren, dass ein ausländischer Telekom-Anbieter plötzlich das Signal des schweizerischen Anbieters überlagert. Dann schaltet sich die App aus, und man fährt plötzlich ungewollt schwarz. Das Problem sei erkannt, sagt Kalt. Wenn das Roaming eingeschaltet sei, gebe es keine Probleme. Die App werde aber laufend erweitert. Künftig soll das Ticket für eine gewisse Zeit auch ohne ein Netzwerk gültig, das heisst für die Kontrolle sichtbar sein: «Ein Kontrolleur sieht ja, dass die App eingeschaltet war. Er wird ganz sicher deswegen keine Busse geben. Wichtig ist aber, dass man die App neu einschaltet, wenn das Signal des schweizerischen Anbieters wieder da ist.» Kalt hofft weiter, dass der Nachtzuschlag bald auch integriert werden kann: «Wir haben nämlich überdurchschnittlich viele Fahrgäste, die gebüsst werden müssen, weil sie diesen Zuschlag – oft aus Unkenntnis – nicht lösen. Dieses Problem würde sich dann von selbst erledigen.»