Was soll man mit einem Täter anstellen, der vier Menschen die Kehlen durchschnitt? Wie soll man mit jemandem umgehen, der sich an einem 13-Jährigen verging, während dessen Mutter, in der Hoffnung ihn zu retten, vom Bancomaten Geld abhob? Was soll einem Killer blühen, der nach der Tat das Messer in Weihnachtspapier einwickelte und es seelenruhig entsorgte?

Schon vor dem verhängnisvollen 21. Dezember 2015 forderten brutale Mörder die Schweiz heraus. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen dem Rupperswiler Killer Thomas N. – der am Donnerstag wegen vierfachen Mordes und Pornografie angeklagt wurde – und den Mördern Daniel H., Claude D. und Fabrice A. Sie alle waren vor ihren Taten bereits straffällig geworden. Thomas N. tötete aus heiterem Himmel, war zuvor aber nie aufgefallen.

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, wird unter anderem wegen Kinderpornographie angeklagt

Thomas N., der Vierfachmörder von Rupperswil, wird unter anderem wegen Kinderpornographie angeklagt

Das sagt die Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft und der Gerichtspsychologe (7.9.2017).

Jeder hat eine zweite Chance verdient, heisst es. Gilt das auch für Thomas N.? Nein, sagen viele. So etwa Schriftsteller Thomas Meyer. «Der Täter gehört nicht umgebracht, aber für immer weggesperrt. Nicht seine allfällige Untherapierbarkeit sollte dafür das Entscheidungskriterium sein, sondern das Ausmass seiner Tat», schrieb er im Magazin des «SonntagsBlicks».

Für SVP-Hardlinerin Natalie Rickli ist klar: «Ich möchte der Justiz nicht vorgreifen, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Gewalttäter wie Thomas N. wieder frei herumlaufen.» Rickli setzt sich für eine Verschärfung der Verwahrungspraxis ein, sagt aber zum Fall Rupperswil: «Das heutige Strafrecht bietet den Richtern Mittel, um einen solchen Täter lebenslang hinter Gitter zu bringen. Sie müssen das Recht nur anwenden.»

Die Einschätzung des Richters

Peter Albrecht war 25 Jahre Richter. Er äussert sich nur vorsichtig zum Fall Rupperswil. Eine umfassende Einschätzung sei nur möglich, wenn man Anklageschrift und Gutachten kenne. Zum Fund von Kinderpornografie bei Thomas N. sagt er: «Falls ein sexuelles Motiv vorliegt, könnte sich dies verschärfend auf das Strafmass auswirken.»

Wie Thomas N. aber verurteilt werde, hänge sehr stark von den psychiatrischen Gutachten ab. Sollten die Gutachter übereinstimmend eine dauerhafte Untherapierbarkeit voraussagen, könnte Thomas N. lebenslänglich verwahrt werden.

Das Bundesgericht hat aber bisher jede angefochtene lebenslängliche Verwahrung aufgehoben. Erst eine Person traf das Verdikt, das auf die entsprechende Volksinitiative zurückgeht. Der Prostituiertenmörder Mike A. zog trotz intakter Chancen seine Berufung zurück. Doch auch eine einfache Verwahrung könnte dazu führen, dass der Killer von Rupperswil nicht mehr freikommt. Es hängt dann von den Gutachtern ab, ob Thomas N. eine zweite Chance bekommt.

Ex-Kriminalkommissar Markus Melzl: «Thomas N. hatte sich lange im Griff»

Ex-Kriminalkommissar Markus Melzl: «Thomas N. hatte sich lange im Griff»

Die Staatsanwaltschaft Aarau-Lenzburg erhob am Donnerstag Anklage im Fall Rupperswil. Dem Beschuldigten Thomas N. wird unter anderem mehrfacher Mord vorgeworfen. Auch sei er in Besitz von Kinderpornographie gewesen. Ex-Kriminalkommissar Markus Melz erklärt, was das über den Täter aussagt. (7.9.2017)