Eine eilig einberufene Pressekonferenz am Samstagmittag in Aarau sollte endlich Klarheit bringen in die seit Wochen andauernden Spekulationen rund um den Regierungsratskandidaten, denn bekanntlich will die SVP ja die Aargauer Regierung bürgerlicher gestalten.

Arithemtisch gesehen fordert sie damit den Sitz der grünen Regierungsrätin Susanne Hochuli oder den freiwerdenden FDP-Posten - obwohl die FDP vor nicht allzu langer Zeit mit Stadtammann Stephan Attiger den Nachfolgekandidaten für den zurücktretenden Peter Beyeler präsentiert hat.

Regierungsratswahlen: Thomas Burgherr soll für die SVP Aargau den zweiten Sitz erobern

Regierungsratswahlen: Thomas Burgherr soll für die SVP Aargau den zweiten Sitz erobern

Bis zuletzt war Slyvia Flückiger, die Nationalrätin und Unternehmerin aus Schöftland im Gespräch. Seitdem sie ihre Kandidatur für das Präsidium des Schweizerischen Gewerbeverbands zurückgezogen hat, flammten die Gerüchte um eine etwaige Kandidatur wieder auf.

Sie wäre eine taktisch ideale Kandidatin gewesen, um das Vorhaben der SVP, eine Sprengkandidatur mit Erfolgschancen, zu realisieren, verfügt sie über Bekanntheitsgrad, politischen Leistungsausweis und somit über das, was es bei Regierungsratswahlen braucht: Persönlichkeit. Und sie ist weiblich.

Ihre Glaubwürdigkeit behalten

Doch Flückiger stand zu ihrem Wort, verkündete sie doch bislang, selbst bei einer Nichtwahl als SGV-Präsidentin komme für sie eine Kandidatur als Regierungsrätin nicht in Frage.

Ihre Gründe sind valabel, hat sie doch mit ihrem Mann 1991 ein Unternehmen gegründet, das sie nicht im Stich lassen will: «Der Erfolg unseres Unternehmens ist unser gemeinsamer Erfolg, mein Mann und ich sind ein Team», spricht sie, «und ich will unser Familienleben nicht darauf reduzieren, dass wir abends einander einfach nur noch die Türklinke in die Hand geben».

So war es für die Politikerin wohl auch eine Erleichterung, an der Pressekonferenz im Aarauer Restaurant «Schützen» sagen zu können: «Ich bin sehr gerne Nationalrätin und Unternehmerin, und möchte das auch bleiben. Aber ich habe sehr grosse Freude, dass ich mit Thomas Burgherr einen Kollegen als zweiten Regierungsratskandidaten präsentieren darf.»

Thomas Burgherr, 50 Jahre alt, ist seit zwei Monaten SVP-Präsident, und bekundete gleich nach der Amtsübernahme, sich der Sachthemen widmen zu wollen. Kein Mann für eine Schlammschlacht oder interne Plänkeleien also.

Der Unternehmer in der fünften Generation ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Sein Liebäugeln mit einem hohen exekutiven Amt verschwieg er nie, bezeichnete er doch das Regierungsratsamt einmal als «den schönsten Job der Welt.»

Doch auch er hinterlässt ein Unternehmen - falls er gewählt würde. Wie würde er seine Nachfolge regeln? «Ich habe einen ausgezeichneten Betriebsleiter, der sich dafür eignen würde und sich auch bereit erklärt dazu, das Unternehmen zu führen», sagt er. Massgebend gewesen seien aber auch seine Frau und seine Kinder: «Meine Frau habe ich als Erste gefragt.»

Sachpolitisch orientiertes Zweierticket

Er bezeichnet sich als Kandidaten «hinter» Alex Hürzeler, und wie dieser wolle er eine «klar bürgerliche Politik» auf der Sachebene betreiben.

Als Vertreter der KMU und Unternehmen setze er sich ein für «tiefere Steuern und Gebühren», für eine «kostengünstige Energiepolitik» und vor allem, das Kernthema der SVP auch an diesen Wahlen, «das Asylwesen», das er als die grösste Baustelle sieht.

«Die Schweiz ist überfordert mit den vielen Auslandsströmen, Wirtschaftsflüchtlinge müssen schleunigst ausgewiesen werden.» Vorbild sei Holland, wo ein Asylentscheid drei bis vier Wochen dauere.

Noch ist er ein wenig beschriebenes Blatt, sieht sich aber mit seiner «vielfältigen Lebens- und Unternehmererfahrung» für das hohe Amt geeignet. In Williberg ist er seit 9 Jahren im Gemeinderat tätig.

Kandidatur richtet sich nicht gegen Personen

Doch der Beantwortung der Kernfrage, welchen Sitz die SVP denn konkret erobern wolle, wichen alle Anwesenden aus. Andreas Glarner, Fraktionspräsident und nicht immer ein Mann der leisen Töne, gibt sich denn auch fast handzahm: «Diese Wahl richtet sich nicht gegen Personen, sondern die Wähler sollen entschieden, wer gewählt wird.»

Ziel sei zumindest, den Wähleranteil zu bestätigen. Oder wie es Alex Hürzeler vertritt: «Der Aargau braucht mehr SVP.» Immerhin zu einer allfälligen Departementsrochade nahm die SVP-Korona Stellung. Hürzeler machte klar, sein Departement auf jeden Fall behalten zu wollen. «Die Ruhe im Schulzimmer behalten», nennt das wiederum Glarner.