Regierungsratswahlen
Thomas Burgherr ist der Winkelried der SVP

Die SVP will mit Präsident Thomas Burgherr einen zweiten Regierungssitz erobern. Die Chancen sind nicht berauschend. Aber so oder so: Burgherr holt für die Partei die Kastanien aus dem Feuer.

Urs Moser
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SVP-Präsident und Regierungsratskandidat Thomas Burgherr.

SVP-Präsident und Regierungsratskandidat Thomas Burgherr.

Emanuel Freudiger

Ein Unternehmer als Regierungsrat. So empfiehlt sich SVP-Präsident Thomas Burgherr für die Wahl am 21. Oktober. Ironie des Schicksals: Es war die Politik, die ihn zum Unternehmer machte. 1997 wurde er in den Grossen Rat gewählt. Das politische Mandat plus die Lehrtätigkeit an der Fachhochschule in Biel, diese vielen Absenzen waren für seine damalige Stelle als Betriebsleiter eines Holzbaubetriebes nicht mehr tragbar. Deshalb stieg der diplomierte Zimmermeister in den elterlichen Betrieb ein und übernahm die Führung der Burgherr Moosersäge AG in fünfter Generation.

Sein Betrieb hat sich zu einem führenden Anbieter für Holzbauarbeiten in der Region entwickelt, Burgherrs politische Laufbahn ist bis vor einem halben Jahr eher unspektakulär verlaufen. Als Grossrat wie auch als Vizepräsident der Partei gehörte er eher zu den stillen Schaffern als zu den prominenten Frontfiguren.

Burgherr übernahm das Ruder

Dann brauchte die SVP einen neuen Präsidenten. Mit ihren Forderungen nach mehr politischem Anstand auf der einen und nach einem noch kompromissloseren Rechtskurs auf der anderen Seite drohten Altherr Hans-Ulrich Mathys und Fraktionspräsident Andreas Glarner die SVP vor eine Zerreissprobe zu stellen, würde nicht der beiden Seiten genehme Burgherr das Ruder übernehmen. Er übernahm.

Dann schien die Kampfansage für die Regierungsratswahlen zum Rohrkrepierer zu werden. Noch nicht einmal im neuen Amt als Parteipräsident angekommen, sorgte es zunächst für Irritationen, dass sich Burgherr bereits für höhere Weihen zu interessieren schien. Er dementierte Gelüste auf eine Kandidatur. Aber alle anderen valablen Kandidaten sagten reihenweise ab. Die SVP drohte schon mit einer Schlappe ins Wahljahr zu starten, würde nicht doch der neue Präsident selbst die Regierungsratskandidatur übernehmen. Er übernahm.

Verlegenheitslösung?

Mit bösem Willen könnte man den Anwärter auf einen zweiten SVP-Regierungssitz eine Verlegenheitslösung nennen, mit gutem Willen den richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Auf jeden Fall holt er für seine Partei die Kastanien aus dem Feuer. 15 Jahre Chef eines gesunden mittelständischen Unternehmens mit knapp 20 Mitarbeitern, 15 Jahre Erfahrung als Grossrat und – wenn die 170-Seelen-Gemeinde Wiliberg auch weiss Gott keine Metropole ist – acht Jahre politische Exekutiverfahrung als Vizeammann: Das ist ein ansehnlicher Leistungsausweis. Jedenfalls nicht dünner, als jener der grünen Regierungsrätin Susanne Hochuli vor vier Jahren war. So würde Burgherr selbst aber nie argumentieren. Obwohl offensichtlich ist, auf wessen Kosten die SVP Anspruch auf einen zweiten Regierungssitz erhebt, greift sie im Wahlkampf Hochuli nicht frontal an.

Das dürfte weniger mit taktischem Kalkül als mit der Persönlichkeit ihres Präsidenten und Regierungsratskandidaten zu tun haben. Unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung des freisinnigen Regierungsrats Peter Beyeler im Januar tönte es jedenfalls noch anders: «Im Asyl-, Gesundheits- und Pflegewesen muss aufgeräumt werden, Susanne Hochuli kann es nicht. Die Grünen haben keinen Anspruch auf eine Regierungsvertretung. Sie haben ihre Chance bekommen, sie haben sie vertan.»

So kündigte schon damals Fraktionschef Glarner eine Kampfkandidatur an. Nicht dass Kandidat Burgherr kein waschechter SVP-Vertreter wäre. Er wirkt bei wenigen Themen so authentisch, wie wenn er geschlossene Lager für delinquente Asylbewerber fordert und damit die Politik der Sozialdirektorin angreift. Aber persönliche Hiebe unter die Gürtellinie sind seine Sache nicht. Er will das nicht wörtlich bestätigen, aber es scheint eine Bedingung für sein Antreten gewesen zu sein, dass im Wahlkampf nicht «auf die Frau» gespielt wird.

Dank Burgherr gibts Brötchen

Zumindest etwas hat Frau Landammann sogar ganz direkt ihrem Widersacher im Wahlkampf zu verdanken: Dass sie in ihrer Wohngemeinde Reitnau zu frischen Brötchen kommt. Als der letzte Dorfladen schliessen sollte, hat Burgherr zusammen mit einem Kollegen die Hängele GmbH gegründet und das Haus gekauft. Jetzt ist wieder eine Bäckerei in der Liegenschaft eingemietet. Er sei ein Mann der kurzfristig gefassten Entscheide, sagt Burgherr über sich selbst und erklärt damit auch die Umstände, unter denen seine Kandidatur zustande kam.

Anpacken, wo die Probleme und zupacken, wo die Gelegenheiten sind. So kam er schon als frischgebackener Grossrat zu einem untypischen Mandat: Damals gab es Kritik, dass die Sozialstiftung Wendepunkt mit der Übernahme eines Zimmerei- und Malereibetriebs der Privatwirtschaft subventionierte Konkurrenz mache.

Das ärgerte auch Burgherr, und so wurde er Verwaltungsratspräsident der aus der Stiftung herausgelösten Doppelpunkt AG. Bis heute müssen 30 Prozent der Beschäftigten sozial schwache Personen sein, die kaum eine andere Chance auf Integration in den Arbeitsmarkt hätten.