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Thierry Burkart will in den Ständerat: Jetzt hat auch die FDP ihr Duell

Nun ist es offiziell: FDP-Nationalrat Thierry Burkart will für seine Partei ins «Stöckli». Der 43-jährige Nationalrat aus Baden möchte im Ständerat die Nachfolge von Philipp Müller antreten, der 2019 auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Der FDP steht damit ein Nominations-Duell bevor.

Fabian Hägler, Patrik Müller
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Wird er zum FDP-Trumpf? Thierry Burkart, hier beim AZ-Jasskönig.

Wird er zum FDP-Trumpf? Thierry Burkart, hier beim AZ-Jasskönig.

SEVERIN BIGLER

Als vorletzte Woche Philipp Müller seinen Rücktritt als Ständerat ankündigte, standen schnell zwei Namen für die Nachfolge im Raum: Die Nationalräte Matthias Jauslin (56, Wohlen) und Thierry Burkart (43, Baden) zeigten Interesse, für die FDP Aargau den Sitz zu verteidigen. Doch während Jauslin am Tag der Rücktrittsankündigung schon sein Interesse anmeldete, wiegelte Burkart noch ab. Das Amt wäre reizvoll, betonte er, doch er müsse erst noch Gespräche führen, um zu einer definitiven Entscheidung zu kommen.

Diese ist inzwischen gefallen. «Ich stelle mich zur Verfügung», sagt Burkart zur AZ. Somit steht auch in der FDP eine parteiinterne Ausmarchung bevor. Sie ist aber weniger brisant als bei der SP, wo sich Ex-Juso-Aktivist Cédric Wermuth und die etwas weniger links positionierte Nationalrätin Yvonne Feri duellieren – was die Sozialdemokraten vor eine Zerreissprobe stellt.

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.
13 Bilder
Burkart studierte an der Universität St. Gallen Jus. 2001 schafft er mit gerade einmal 25 Jahren den Sprung in den Grossen Rat. Grossratswahlen 2001: Thierry Burkart, FDP, Bezirk Baden. Bilddatum: 4. März 2001.
Von 2010 bis 2013 präsidierte er die Aargauer FDP. Im Bild: Die abtretende Präsidentin Doris Fischer-Taeschler gratuliert dem neuen Präsidenten Thierry Burkart zur Wahl.
2011 kandidiert der damals 36-jährige Burkart zum zweiten Mal für den Nationalrat – und schafft es hinter den Gewählten Philipp Müller und Corina Eichenbercher auf den ersten Ersatzplatz.
2014 wird Burkart zum Grossratspräsidenten gewählt. Im Hinblick auf das Präsidium gab er im Oktober 2013 seinen Rücktritt als Präsident der FDP Aargau.
Thierry Burkart bei seiner ersten Rede als neuer Grossratspräident.
Burkart ist auch Mitglied in diversen Vorständen Schweizerischer und kantonaler Verbände. So präsidiert er die TCS Sektion Aargau und agiert als Vizepräsident Touring Club Schweiz.
Burkarts politische Selbsteinschätzung lautet: «Sicher klar bürgerlich, liberal im Sinne von Freiheit, gegen unnötige Abgaben und Gebühren. Und der Staat soll das reglementieren, was er auch zu kontrollieren vermag.»
Burkarts klare Linie ist von Erfolg gekrönt: 2015 wird er mit einem Spitzenergebnis als Zweitplatzierter noch vor Corina Eichenberger in den Nationalrat gewählt.
In der grossen Kammer nimmt er Einsitz in der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen, in der Neat-Aufsichtsdelegation und ist Mitglied im Büro des Nationalrats.
Anfang 2018 rückt Burkart in den Vorstand der FDP Schweiz vor. Zu diesem Zeitpunkt blickt der 43-jährige Badener auf 18 Jahre Erfahrung in Parteiämtern zurück.
Neben seinem politischen Ämtern und Mitgliedschaften in diversen Verbänden ist er als Rechtsanwalt bei Voser Rechtsanwälte in Baden tätig. Privat beschreibt er sich als gesellig. Im Bild: Am AZ-Jasskönig-Event im Weinmuseum Tegerfelden 2018.
Burkart zu Gast im Talk Täglich zum Thema Millionärssteuer-Initiative. Nur einen Tag später gibt Philipp Müller bekannt, dass er 2019 nicht mehr für den Ständerat kandidieren wird. Und Burkart? «Das Amt als Ständerat würde mich sehr reizen, in dieser Funktion könnte ich den Aargau in Bern noch besser vertreten» "Talk Täglich" zur Millionärssteuer-Initiative mit Thierry Burkart (FDP, Mitte) und Sandro Covo (Juso, links), moderiert von Rolf Cavalli.

Thierry Burkart, geboren 1975, wuchs in Obersiggenthal auf. Politisiert wurde er nach eigenen Angaben bereits als 13-Jähriger: «Im Geschichts- und Deutschunterricht haben wir über aktuelle Themen diskutiert. Seither liess mich die Politik nicht mehr los», sagte er einst in einem AZ-Interview. Der Vorstand des Jugenparlaments Aargau, juvenat, aufgenommen am 14.01.2000 in Aarau. v.l.n.r. vorne: Daniel Bütler, Patrizia Mottl, hinten: Simon Schweizer, Thierry Burkart, Patrick Arni.

Werner Rolli

Burkart: Positive Rückmeldungen

Burkart begründet seine Kandidatur mit den positiven Rückmeldungen, die er aus der Aargauer FDP, der Bevölkerung, aber auch in Bundesbern erhalten habe. «Das war sehr motivierend, ich erhielt auch Aufforderungen, unbedingt zu kandidieren.» Über seine Wahlchancen mag er nicht sprechen, doch Burkart verfügt über einen höheren Bekanntheitsgrad als Jauslin und ist als Verkehrspolitiker oft auch in nationalen Medien und im Fernsehen präsent. Darum trauen ihm im Aargauer Freisinn viele am ehesten zu, den Sitz von Philipp Müller im Stöckli zu verteidigen.

Es gibt gar FDPler, die auf Jauslin einwirken wollen, seine Kandidatur zurückzunehmen. Dieser sagt auf Anfrage: «Ich spüre, dass es Personen innerhalb der Partei gibt, die bereits jetzt voll auf eine Kandidatur von Thierry Burkart setzen. Ich finde, dass ein gesunder Wettbewerb der Partei guttut.» Jauslin hält weiter fest: «Derzeit kläre ich noch ab, wie sich ein Amt als Ständerat mit meinem beruflichen Engagement verbinden lässt.» Er habe dem Präsidenten der FDP Bezirk Bremgarten sein grundsätzliches Interesse an einer Ständeratskandidatur gemeldet.

Warum hat denn Thierry Burkart nicht sofort gesagt, dass er antreten werde? «Ich wollte mich umhören, wie eine Kandidatur ankommen würde, und fragte mich zuerst, ob es klug ist, nach nur einer Legislatur im Nationalrat in den Ständerat zu wechseln.» Doch durch die Verbandsarbeit, etwa beim TCS, bewegt er sich seit längerem auf der nationalen Bühne. «Und ich fühle mich in Bern trittsicher.»

Rechts der Mitte positioniert

Die Frage stellt sich aber, ob der rechts der Mitte positionierte Burkart auf der links-grünen Seite Stimmen holen kann. «Ich werde mich nicht verbiegen», sagt er, «aber ich gehöre zur jüngeren Generation in Bern, und in gesellschaftspolitischen Fragen, etwa der Ehe für alle, bin ich auch für Mitte-Links wählbar.» In der Drogenpolitik gehört er indes zu den weniger liberalen Freisinnigen: Die komplette Freigabe aller Drogen, wie von der Basler FDP gefordert, lehnt Burkart dezidiert ab.

Zu einer Allianz mit den Kandidaten der CVP oder SVP, Marianne Binder oder Hansjörg Knecht, sagt Burkart nichts. «Das ist Sache der Partei.» Eine ungeteilte Standesstimme würde er aber begrüssen.

Burkart will seiner Bewerbung in der FDP mit Stichworten wie Föderalismus, engere Zusammenarbeit der Nordwestschweiz-Kantone und seinen verkehrs-, sicherheits- und wirtschaftspolitischen Engagements zum Durchbruch verhelfen. «Der Aargau ist einer der wirtschaftlich stärksten Kantone, im Parlament hat er heute eindeutig zu wenig Gewicht».

Jauslin oder Burkart – die FDP Aargau wird den Ständeratskandidaten am Parteitag vom 29. November nominieren.

«Die späte Nomination ist kein Nachteil»

Schon jetzt ist klar, dass die SVP im nächsten Jahr mit Nationalrat Hansjörg Knecht und die CVP mit Kantonalpräsidentin Marianne Binder zu den Ständeratswahlen antritt. Bei der SP entscheidet sich am 26. September, ob Yvonne Feri oder Cédric Wermuth kandidiert, die Grünen führen ihre Nomination an der Mitgliederversammlung am 30. Oktober durch.

Bis der FDP-Kandidat feststeht, dauert es einen Monat länger, erst der Parteitag am 29. November entscheidet über die Nomination. Kantonalparteipräsident Lukas Pfisterer sieht dies nicht als Nachteil. «Wir sind mit dem Termin Ende November immer noch fast ein Jahr vor dem Wahltermin. Da bleibt genügend Zeit für den Wahlkampf, zumal wir sehr profilierte Persönlichkeiten in der FDP Aargau haben, die bereits einen grossen Bekanntheitsgrad haben», sagt Pfisterer.

Zur Frage, ob sich die Parteileitung auf einen Namen einigen wolle, oder ob ein Zweiervorschlag an den Parteitag möglich wäre, hält sich Lukas Pfisterer bedeckt. «Das werden wir in den nächsten Tagen und Wochen besprechen.» Die Geschäftsleitung werde der FDP-Basis einen Vorschlag zur Nomination unterbreiten, auch am Parteitag selber könnten aber weitere Kandidaturen aufgestellt werden. (fh)

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