Licht aus am Baregg
Thierry Burkart: «Warum hat man denn die Beleuchtung gebaut?»

Das Astra will auf der A1 vor dem Bareggtunnel die Strassenlampen ausschalten. Während sich der TCS-Kantonalpräsident Thierry Burkart «sehr skeptisch» zeigt, freut sich der Präsident von Dark-Sky Switzerland über jede abgeschaltete Lampe.

Mario Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Thierry Burkart steht den abgeschalteten Strassenlampen auf der Atobahn skeptisch gegenüber.

Thierry Burkart steht den abgeschalteten Strassenlampen auf der Atobahn skeptisch gegenüber.

Patrick Züst/Keystone

«Licht aus» vor dem Baregg: Das ist kein Geistesblitz heller Think-Tank-Köpfe, sondern dunkle Realität für die nächsten sechs Monate. Eine Umfrage im Aargau zeigt: Die einen freuen sich, die andern fragen sich.

Freude hat Lukas Schuler. Der Zürcher ist Präsident des Vereins Dark-Sky Switzerland, der Lichtverschmutzung bekämpft. «Wir begrüssen den Versuch am Baregg grundsätzlich», sagt Schuler und fügt noch im gleichen Satz an: «Die Verkehrssicherheit muss aber höchste Priorität haben.» Der Strassenraum sei ein grosser Verursacher von Lichtverschmutzung – wenn auch nicht der grösste.

«Nachts aus einem Flugzeug können Sie das gut sehen: Das Strassennetz leuchtet mit am hellsten. Heller sind nur noch Stadien, Sportplätze und Leuchtwerbungen.» Dass die fehlende Beleuchtung vor dem Baregg die Tunneleinfahrt gefährlicher mache, glaubt Schuler nicht: «Meine Erfahrung zeigt mir, dass man ohne Beleuchtung aufmerksamer fährt und gefasster ist. Das müsste der Sicherheit also zuträglich sein.»

Der Kanton Aargau stehe im Vergleich mit anderen Kantonen gut da: «Auf juristischer Ebene hat man sich mit dem Umweltschutzgesetz um das Thema gekümmert», sagt Schuler – und lobt auch kommunale Bemühungen wie jene in der Stadt Baden.

TCS: Eher «symbolischer Akt»

Gar nicht begeistern für das Astra-Projekt kann sich hingegen Thierry Burkart. Der TCS-Kantonalpräsident und FDP-Grossrat äussert sich auf Anfrage «sehr skeptisch». Er glaube nicht, dass die abgeschalteten Strassenlampen «die ganz grosse Energieersparnis» brächten. «Ohnehin ist es fragwürdig, die Lichtverschmutzung auf der Autobahn zu reduzieren, wo doch der Verkehrslärm das viel grössere Problem ist.»

Burkart sagt, man sei nicht dagegen, dass man dies teste – aber der Test dürfe noch keinen Entscheid vorwegnehmen. Die wichtigste Frage ist auch für ihn jene nach der Verkehrssicherheit: «Sie muss höchste Priorität haben.» Und an ihr habe die Beleuchtung einen grossen Anteil: «Aus einem Grund hat man sie ja schliesslich einst auch einmal installiert.»

Gefragt nach seiner Prognose für das Energiesparpotenzial, wählt Burkart noch deutlichere Worte: «Man kommt zur Vermutung, dass es mehr ein symbolischer Akt ist als ein Akt mit grosser energiesparender Wirkung.» Beim TCS sei Lichtverschmutzung bislang nur innerorts ein Thema gewesen. «Auch dort sind wir eher skeptisch bis ablehnend, aber man muss die Situation natürlich immer von Ort zu Ort anschauen.»

Kanton verfolgt Projekt genau

Einer, der schon früh davon erfahren hat, was der Bund vor dem Baregg-Tunnel plant, ist Daniel Schwerzmann. Er leitet beim Departement für Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau die Unterabteilung Verkehrsmanagement. «Wir sind in Kenntnis über das Vorhaben und stehen mit dem Astra in Kontakt», sagt Schwerzmann.

Und er sagt auch: «Wir werden ihm genau über die Schultern schauen.» Denn: Die Verkehrssicherheit habe höchste Priorität – insbesondere in Bereichen von Verkehrsknoten und Lichtsignalanlagen, wie dies nahe der Baregg-Einfahrt mit dem Anschluss Baden der Fall sei. Schwerzmann erklärt den Grundsatz in der Strassenbeleuchtung: «Alle Fussgängerstreifen und alle Einbauten sind zu beleuchten.» Als Einbauten gelten etwa Kreuzungen, Inseln oder Kreisel.

Strassenlampen an solchen Standorten seien in der Regel mittels Dämmerungsschalter direkt über das Elektrizitätswerk gesteuert. Weil es sich bei der A1 aber um eine Nationalstrasse handelt, hat hier der Bund das Sagen. Schwerzmann: «Wir möchten Anschlüsse von Kantonsstrassen an Bundesstrassen grundsätzlich beleuchtet haben. Deshalb klären wir jetzt ab, ob der Kanton allenfalls einzelne Kandelaber übernehmen könnte.»

Das heisst: Sollte das Astra nach Analyse des Probebetriebs entscheiden, alle oder einzelne Lampen abgeschaltet zu lassen, könnte der Aargau diese übernehmen und auf eigene Kosten weiterbetreiben. Abklärungen dazu seien derzeit am Laufen. «Während der Probephase werden wir aber noch nichts ändern, sondern diese mit Spannung beobachten.»