FDP-Vorstand
Thierry Burkart neu im FDP-Vorstand: «Wir haben generell keine natürlichen Verbündeten»

Der Aargauer Nationalrat Thierry Burkart rückt in den Vorstand der FDP Schweiz vor. Im Interview verrät er, was er von einem Rahmenvertrag mit der EU hält und ob er die SP als «natürlichen Partner» in der EU-Frage sieht.

Rolf Cavalli
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Thierry Burkart sagt, er habe keine Ambitionen auf andere Ämter.

Thierry Burkart sagt, er habe keine Ambitionen auf andere Ämter.

Mario Heller

Sie sind in Ihrer ersten Legislatur als Nationalrat und wurden nun in den Vorstand der FDP Schweiz gewählt. Was qualifiziert Sie dazu?

Thierry Burkart: Die Kollegen, die mich empfohlen haben, attestieren mir strategische Fähigkeiten über das Tagesgeschäft hinaus. Zudem bringe ich 18 Jahre Erfahrung in Parteiämtern mit, unter anderem als Kantonalparteipräsident.

Sie haben einen guten Draht zu Präsidentin Petra Gössi. Hat sie Sie vorgeschlagen?

Petra Gössi macht einen super Job. Voraussetzung für meine Wahl war sicher auch die gute Zusammenarbeit mit ihr und Fraktionschef Beat Walti. Aber der Vorschlag kam nicht von ihnen allein. Ich wurde von verschiedener Seite motiviert, für dieses Amt zu kandidieren. Nominiert hat mich die FDP Aargau.

Neben Petra Gössi sind fast nur Männer im Vorstand. Sie hätten einer Frau den Vorrang lassen können.

Mit Petra Gössi ist der wichtigste Posten der FDP mit einer Frau besetzt. Sicher sind noch mehr Frauen in FDP-Ämtern wünschenswert. Eine Vertretung aus dem Aargau scheint mir aber auch legitim und für uns eine Chance.

Wo wollen Sie mit der FDP Schweiz Akzente setzen?

Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt, die Mobilität, alle Lebensbereiche. Die FDP ist die Partei, die Traditionen pflegt und gleichzeitig den Mut hat, die Zukunft positiv zu gestalten. Wir müssen aber noch mehr zu den Leuten gehen, ihnen zuhören und ihre Anliegen und Ängste ernst nehmen.

Petra Gössi hat mit dem Zitat, die SP sei die «natürliche Partnerin» der FDP in der EU-Frage, Kritik von rechts ausgelöst. Unterstützen Sie ihre Aussage?

Ich würde es so ausdrücken: Wir haben generell keine natürlichen Verbündeten. Die FDP arbeitet in einzelnen Sachfragen mit jenen zusammen, die unserer liberalen Position jeweils am nächsten sind.

Konkret: Sind Sie für einen Rahmenvertrag mit der EU?

Die Frage ist verfrüht. Alle reden vom Rahmenvertrag, niemand kennt ihn wirklich. Entscheidend ist, dass neue Verträge am Schluss auch im Interesse der Schweiz sind. Eine automatische Rechtsübernahme darf es nicht geben.

Sie sind Verkehrsexperte. Wo werden Sie noch mehr Gas geben?

Mobilität wird immer wichtiger, alles wird vernetzter: Individual- und öffentlichen Verkehr muss man vermehrt zusammen denken. Auch Veränderungen in der Arbeitswelt - flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice etc. - haben Auswirkungen auf die Mobilität. Solange Bevölkerung und Wirtschaft wachsen, braucht es entsprechende Infrastruktur. Wir müssen sie aber effizienter nutzen.

Ihre politische Karriere ist bisher ziemlich steil. Kommt als nächstes Regierungsrat oder eher Ständerat?

Ich habe keine Ambitionen für andere Ämter. Ich bin dankbar, dass ich als Nationalrat Verantwortung für unser Land übernehmen darf.

Möglicherweise wird 2019 aber der Ständeratssitz von Philipp Müller frei. Schliessen Sie eine Kandidatur kategorisch aus?

Ich hoffe, dass Philipp Müller nochmals für vier Jahre kandidiert. Das wäre gut für unseren Kanton.