FDP Aargau

Thierry Burkart, der enttäuschte Wahlsieger

Obenauf, aber noch nicht am Ziel: Thierry Burkart bei den Freisinnigen im «Einstein».

Obenauf, aber noch nicht am Ziel: Thierry Burkart bei den Freisinnigen im «Einstein».

Der Verlust eines Nationalratssitzes wurmt die Freisinnigen, doch die Freude über Thierry Burkarts Vorsprung im Ständerat überwiegt.

Restaurant Einstein in Aarau, gestern Abend kurz nach 17 Uhr. Stimmung: verhalten. Thierry Burkart hat soeben das beste Resultat aller zehn Aargauer Kandidierenden für den Ständerat erzielt. Er nimmt lächelnd Gratulationen entgegen, stösst mit Weisswein an. Doch denen, die ihm sagen, sie hätten ihn schon im ersten Wahlgang gewählt gesehen, antwortet er: nichts.

Er lächelt nochmals, zuckt mit den Schultern, wendet sich dem nächsten Gratulanten zu. Als wollte er sagen: ja, ich auch – und gleichzeitig: ich habe immer gesagt, dass das nicht sicher ist.

«Mir wäre ein besseres Abschneiden der Partei lieber gewesen»

«Mir wäre ein besseres Abschneiden der Partei lieber gewesen»

FDP-Ständeratskandidat Thierry Burkart freut sich trotz eines durchwachsenen Tages der FDP im Aargau auch über sein eigenes Resultat.

Erst am Sonntagmorgen nervös geworden

Dass Burkart nicht euphorisiert ist, hat auch einen zweiten Grund. Kurze Verschnaufpause, draussen vor dem Eingang. Wie ging es dem Thierry Burkart, dem überlegten, ruhigen, kalkulierten Rechtsanwalt, an diesem aufreibenden Tag? «Ich war eigentlich im ganzen Wahlkampf nie nervös, erst heute Morgen, als die Nationalrats-resultate kamen.» Am Nachmittag bestätigten sich die Befürchtungen: Die FDP Aargau muss in der grossen Kammer einen Sitz abgeben. «Jetzt bin ich zwar happy mit meinem eigenen Resultat, aber das Abschneiden meiner Partei kann mich nicht glücklich stimmen.»

Jeanine Glarner erzielt im 1. Wahlgang der Regierungsrats-Ersatzwahlen für den Sitz von Franziska Roth (SVP) 27'940 Stimmen und damit das drittbeste Resultat und freut sich entsprechend.

  

Woran hat’s gelegen? «Dazu werde ich morgen in der Parteileitungssitzung meine Überlegungen kundtun. Heute ist der Tag, an dem wir das Resultat zur Kenntnis nehmen.» Vor Freude übers ganze Gesicht strahlt dafür Maja Riniker. Sie schaffte es auf den dritten Listenplatz hinter den bestätigten Nationalräten Burkart und Matthias Jauslin. Und darf nachrutschen, wenn es Burkart am 24. November im zweiten Anlauf ins Stöckli schafft. Ist das in ihrem Kopf schon angekommen? «Es ist eine Option», sagt sie knapp und zeigt mit ihrem Gesichtsausdruck, dass dahinter mehr Vorfreude als Zurückhaltung steckt. «Geschafft ist noch gar nichts. Wir müssen jetzt alle Vollgas geben und dürfen uns nicht auf dem Sofa ausruhen.»

Mathias Jauslin (links) und Thierry Burkart (rechts) sind im Nationalrat bestätigt. Auf den ersten Ersatzplatz schafft es Maja Riniker (Mitte). Wird Burkart im 2. Wahlgang der Ständeratswahlen gewählt, rutscht sie für ihn in den Nationalrat nach.

Wahlfeier der FDP Aargau im Restaurant Einstein in Aarau

Mathias Jauslin (links) und Thierry Burkart (rechts) sind im Nationalrat bestätigt. Auf den ersten Ersatzplatz schafft es Maja Riniker (Mitte). Wird Burkart im 2. Wahlgang der Ständeratswahlen gewählt, rutscht sie für ihn in den Nationalrat nach.

Vorschuss-Blumenstrauss für Maja Riniker

Die Parteileitung weiss das auch, und doch setzt sie bei der Verteilung der Blumensträusse an die Gewählten ein Zeichen: Neben Jauslin und Burkart darf auch sie ein grosses Bouquet von Parteipräsident Lukas Pfisterer entgegennehmen. Seine Begründung: «Ich bin überzeugt, dass wir Thierry miteinander in den Ständerat bringen.» Jetzt entfährt sogar Burkart im emotionalen Hoch ein Scherz: «Die, die mich nicht wollen, müssen mindestens für Maja kämpfen.»

Um zu entscheiden, wie man das schaffen will, trifft sich die Parteibasis morgen Dienstagabend in Bergdietikon. Dort wird auch diskutiert, wie man in den Regierungsratswahlen verfahren soll. Jeanine Glarner machte hinter Jean-Pierre Gallati (SVP) und Yvonne Feri (SP) das drittbeste Resultat. Ob sie nochmals antritt, blieb gestern unklar. So ging Kantonalpräsident Pfisterer «mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach Hause», wie er sagte. «Wir haben im Nationalrat unser Ziel nicht erreicht, sind dafür im Ständerat nah dran.»

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