Brittnau

Theater: Wie sich Parteien auf die Palme bringen

Handgreiflich geht die Familie Nodlestreife gegen den Gartenzaun ihrer Nachbarn vor.

Handgreiflich geht die Familie Nodlestreife gegen den Gartenzaun ihrer Nachbarn vor.

Komödie «Loubfläcke und Nodlestreife» streift Konflikte aus gegenteiligen Ansichten.

In der Komödie «Loubfläcke und Nodlestreife» bildet die Familie Loubfläcke das Vorbild naturverbundener Gutmenschen. Sie muss sich mit den spiessbürgerlichen und materialistisch gesinnten Nachbarn auseinandersetzen.

Diese abweichenden Verhaltensmuster werden auch sinnbildlich sichtbar gemacht. Die «Loubfläckler» wohnen in einem bunt bemalten Häuschen und tragen Werkstattkleider, das Haus der «Nodlestreifer» hat eine dunkle Fassade mit hellen Streifen, so wie ihre Geschäftsanzüge. Streitpunkt ist eine mysteriöse Palme.

Vorder- und Hintergründiges

Nicolas Russi, Autor und Regisseur in Personalunion, ist ein gewiefter Theatermacher, der sich auskennt in den Zutaten, die gutes Theater kennzeichnen, und der es versteht, sie raffiniert einzusetzen.

So nebenbei baut er im Spannungsfeld der beiden Familien immer wieder anzügliche Bemerkungen und Seitenhiebe auf zeittypische, gesellschaftliche Entwicklungen ein. Gleich am Anfang tritt eine Zeitungsverkäuferin (Pia Wermelinger) auf, die das «Waldblatt» als Zeitung mit den News von gestern und dem Preis von morgen anpreist.

Der zum Streit der beiden Familien beigezogene Anwalt Nimmfinger (Klaus Wermelinger) des Büros Frank, Frank und Fränkli ist mit einem Gerät ausgerüstet, das im Gespräch alle fünfzig Silben nach fünfzig Franken in Vorauszahlung schnappt.

Die Fernsehreporterin Bernarda Turnado (Anita Senn) schneidet ihren Gesprächspartnern im Interview ständig das Wort ab und gibt ihre eigene Ansicht kund. Der herbeigezogene Experte über standortgerechte Pflanzen (Urs P. Rüegger) verteidigt wie üblich den Standpunkt der Auftraggeber, und der Waldmeister (Peter Hartmann) als Richter erweist sich als willfährig der ihn besser hofierenden Partei.

Die Szenerie passt sich ganz der Lehmgrube im Wald an. Der Tatort wird auf verschlungenem, mit Schnitzeln bestreutem Weg erreicht. Zum Auftakt des Stückes ist das Hämmern eines Spechtes zu hören.

Das zerlumpte, hinkende Chrüter-Anni (Monika Gassmann) rückt mit ihren Biopflanzen an. Mutter Loubfläcke (Edith Russi), eine Esoterikerin, guckt vor dem Kauf nach der Konstellation des Gestirns.

Vater (Jürg Wermelinger) und Mutter (Karin Brauchli) Nodlestreife schicken ihre Töchter Perfekta (Jamila Khan) und Brillanta (Selina Leu) zur Schule, nicht in eine Rudolf-Steiner-Schule, sondern in eine, wo etwas geleistet werden muss, wie sie betonen.

Wehe, wenn die Kinder nicht in allen Fächern eine Bestnote heimbringen. Von den beiden Söhnen des Ehepaares Loubfläcke ist der ältere namens Beni (Alex Wenger) stumm, aber ein magisch begabter Flötenspieler. Der jüngere Ludi (Severin Brauchli) geht lieber mit der Steinschleuder um und trifft damit die Fernsehschüssel der Nachbarn.

Spitzfindig und effektvoll

Die Knolle des Anstosses liegt in der von Chrüter-Anni gekauften Kokosnuss. Beni pflanzt sie im Garten der Loubfläckes ganz in der Nähe des Grenzzauns. Damit ist der Grundstein für einen typischen Streit unter Nachbarn gelegt.

Nachdem nämlich Beni die Kokosnuss eifrig begossen hat und mit Flötenspiel ein unerklärliches Wachstum gefördert hat, sehen die Nodlestreife darin eine Verletzung des vorgeschriebenen Grenzabstandes und, was sie noch mehr stört, das Eindringen eines artfremden Gewächses im einheimischen Waldbestand.

Vater Loubfläcke (Roland Brauchli) versucht vergeblich, sich zu verteidigen. Es kommt zum Medienrummel, in den sich auch der Marketingspezialist Habundgut (Florian Stich) einschaltet, der die umstrittene Palme als begehrtes Tourismusobjekt sieht.

So weit kommt es jedoch nicht. Nicolas Russi hat nämlich für das Ende einen überraschenden Spezialeffekt aufgespart. Welcher, sei hier nicht verraten.

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