Serie

Thailand-Auswanderer: «Die Schweiz war eine Einbahnstrasse»

Der 39-jährige Lenzburger Rolf Graf lebt mit seinen dreijährigen Zwillingen Jason und Jakob und seiner Frau Onanong in Thailand.

Der 39-jährige Lenzburger Rolf Graf lebt mit seinen dreijährigen Zwillingen Jason und Jakob und seiner Frau Onanong in Thailand.

Aargauer in aller Welt: In einer Serie zeigen wir, wie ausgewanderte Aargauer dort leben, wo andere Ferien machen. Der 39-jährige Lenzburger Rolf Graf lebt mit seinen dreijährigen Zwillingen Jason und Jakob und seiner Frau Onanong in Thailand.

Wieso sind Sie ausgerechnet nach Thailand ausgewandert?

Rolf Graf: Die Schweiz war für mich eine Einbahnstrasse. Stur von 8 bis 17 Uhr vor dem Computer zu sitzen, war für mich Folter pur. Trubel, Hektik und Unplanbarkeit in Thailand waren willkommen, die warmen Temperaturen eine Erlösung. Die Thailänder haben mich gastfreundlich aufgenommen und nicht nach Herkunft, Bankkonto oder Schulabschluss eingestuft. Darum habe ich beschlossen, für immer zu bleiben. 

Welches Wort in der Landessprache brauchen Sie am häufigsten?

Die Thailänder legen viel Wert darauf, lobend und respektvoll miteinander umzugehen. Darum ist ein höfliches «krab» am Ende des Satzes zu begrüssen: Kab Khun Krab (Vielen Dank).

Wie sicher fühlen Sie sich in Thailand, wenn Sie spazieren gehen?

Sehr sicher. Bei unserem Nachbarn – drei Mercedes stehen vor der Türe – kamen vor drei Monaten Einbrecher und klauten Juwelen. Uns hat es bis jetzt noch nicht erwischt – bei uns steht ein alter Isuzu. Vor zehn Jahren auf Koh Samui war mal in unserem Büro eingebrochen worden, Laptops kamen weg. Doch das war unser Fehler, da wir die Hintertür nicht verriegelt hatten.

Wie wohnen Sie?

Ich wohne in einem Moo-Baan, so heissen die Siedlungen in Grossstädten, die wie ein eigenes kleines Dorf funktionieren und vom Durchgangsverkehr ziemlich gut abgeschirmt sind, mit Einfamilienhäusern, Grünflächen, kleinen Seen, Schule, Post, Läden und Restaurants.

Wie weit ist es zur nächsten Einkaufsmöglichkeit?

Rund 200 Meter zu einem kleinen Shop, ein Kilometer zum «7/11» und drei Kilometer zu einem grösseren Einkaufszentrum.

Welche Spezialität in Thailand mögen Sie am liebsten? Welche mögen Sie gar nicht?

Curries und kalte sauer-scharfe Fleisch-Salate mag ich am liebsten. Mit Papaya-Salat hab ich nichts am Hut.

Wie ist das Klima in Ihrem Thailand?

Während der Regenzeit, rund sechs Monate im Jahr, angenehm, mit Durchschnittstemperaturen von 30 Grad. Drei Monate lang ist es für hiesige Verhältnisse kühl, mit viel Sonne und Temperaturen von gut 25 Grad. Drei Monate, von März bis Mai, ist die heisseste Jahreszeit mit 35 Grad und mehr.

Was gefällt Ihnen am Leben, am Alltag in Thailand am besten?

Die Freiheit, seine Zeit selbst einzuteilen, ist unglaublich befriedigend, der Ausgleich zwischen Arbeit und Familienleben perfekt. Der Umgang mit Kindern ist sehr herzlich, sie sind überall und jederzeit willkommen, auch auf Konferenzen, Partys, etc.

Und was stört Sie an Thailand?

Der Verkehr in Bangkok ist lästig, und auch die unstabile politische Situation mit Krisen und Umsatzeinbussen im Geschäft. Die Gesichtswahrung wird hier höher gewichtet als die Wahrheit, darum wird sie oft verschleiert, um niemandem auf die Füsse zu treten.

Wie weit ist es zu den nächsten Nachbarn?

Die Einfamilienhäuser sind hier in Thailand sehr nahe aneinandergebaut – der Abstand beträgt nur rund fünf Meter. Ein Schweizer, der an einer deutsch-schweizerischen Schule in Ramkamheng unterrichtet, wohnt gleich nebenan. Er kommt ab und zu auf ein Bierchen vorbei.

Wohin fahren Sie selber in die Ferien?

In der Freizeit besuchen wir sehr oft Sehenswürdigkeiten in Thailand und der Umgebung. Da ich beruflich oft unterwegs bin, mache ich privat allerdings keine grossen Sprünge. Das kann sich ja dann wieder ändern, wenn die Kinder älter sind.

Haben Sie manchmal Heimweh nach der Schweiz? Was vermissen Sie am meisten?

Ich vermisse mein soziales Umfeld in der Schweiz - Eltern, Bruder, Kollegen. Und die Möglichkeiten, sich zu engagieren. Es ist sehr schwierig hier in Thailand politisch oder sozial etwas zu machen. Und das, obwohl es so viel zu tun gäbe. Um das zu kompensieren, ist dafür der Zusammenhalt in Familie und Beruf ausgeprägter.

Was können die Schweizer von den Menschen in Thailand lernen?

Gelassenheit. Emotionales und spirituelles Denken. Mehr Selbstversorgung und weniger Abhängigkeit von Grossunternehmen, der Wirtschaft und der Weltpolitik.

Nennen Sie drei Orte, die man als Tourist in Thailand sehen muss.

Erawan-Nationalpark, nordwestlich von Bangkok, die Region Nordosten am Maekong (Nakhon Phanom bis nach Tachilek) und Koh Ngai im Süden.

Nennen Sie drei Dinge, die man einpacken muss, wenn man Thailand bereist.

Ich empfehle, ohne Koffer nach Thailand zu reisen (das Zahnbürsteli kriegt man ja im Flugzeug) und nach Ankunft alles hier einzukaufen.

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