Patienten
Terrorist im Aargau behandelt? So gehen Spitäler mit heiklen Anfragen um

Die Behandlung eines libyschen Kämpfers in einem Aargauer Spital hinterlässt Fragen. Wie gehen die Spitäler bei heiklen Anfragen vor? Das Kantonsspital Aarau hätte den mutmasslichen Terrorist nicht behandelt – auch andere Kliniken sind vorsichtig.

Fabian Hägler
Merken
Drucken
Teilen
Kantonsspital Aarau

Kantonsspital Aarau

Gesundheit Aargau

Laut der «Sonntagszeitung» wurde der mutmassliche libysche Terrorist Abdelmutaleb al-Shami in einem Aargauer Krankenhaus gesundgepflegt. Wo der Patient genau behandelt wurde, ist bisher unklar. Die angefragten Spitäler verwiesen entweder auf den Datenschutz oder teilten mit, sie seien von der libyschen Botschaft nicht für die Behandlung von verwundeten Kämpfern angefragt worden.

Doch wie gehen Spitäler im Aargau grundsätzlich mit solchen Anfragen um? Omar Gisler, Mediensprecher des Kantonsspitals Baden, sagt dazu: «Seit den Zeiten von Hippokrates ist jeder Arzt grundsätzlich verpflichtet, eine verletzte Person zu behandeln – dies gilt insbesondere für Notfälle.» Das KSB sei als Akutspital in erster Linie die Anlaufstelle für die Bevölkerung aus dem Einzugsgebiet. «Sollten wir angefragt werden, Patienten aus Krisen- oder Kriegsgebieten zu behandeln, würden wir die zuständigen kantonalen und nationalen Behörden kontaktieren, um abzuklären, ob es Bedenken gegen eine Aufnahme der Personen gibt», sagt Gisler.

Auch im Kantonsspital Aarau (KSA) gehört die Behandlung von Patientinnen und Patienten «jeglicher Hautfarbe und Ethnie» zu den Grundsätzen, wie Sprecher Ralph Schröder sagt. Für eine selektive Behandlung unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen sei das KSA allerdings nicht die geeignete Institution. Eine solche Anfrage würde das KSA «unter diesen Voraussetzungen auch ablehnen», hält Schröder fest.

Hirslanden verlangt den Pass

Die Hirslanden Klinik Aarau würde laut Sprecher Philipp Lenz umgehend Kontakt mit den Behörden aufnehmen, «wenn es bei einer Anfrage Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund oder sonstige Zweifel gäbe». Die Überprüfung der Identität erfolge grundsätzlich bei der Ausstellung des Visums durch die Schweizer Behörden, hält der Kommunikationsleiter fest. Hirslanden fordere bei ausländischen Patienten vorab die Kopie des Passes an. Beim späteren Eintritt in die Klinik müsse erneut der Pass vorgelegt werden, dieser werde dann kopiert, erläutert Lenz.

Keine konkrete Auskunft zum Umgang mit allfälligen Anfragen von Botschaften gibt die Privatklinik Villa im Park Rothrist. Séverine Van der Schueren, Sprecherin beim Swiss Medical Network, zu dem die Klinik gehört, äussert sich mit Verweis auf den Datenschutz nicht zu dieser Frage der AZ.