Ausschreitungen
«Terminator» schützt Aargauer Polizistenaugen vor Laserattacken

Die Kantonspolizei muss sich zunehmend auch gegen Laserattacken wehren. Nun versuchen die Uniformierten, diese mit neuen Schutzbrillen abzuwehren – muss dabei allerdings Kompromisse eingehen.

Manuel Bühlmann
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Brillen sollen Laserstrahlen abhalten. Wie hier bei einer Demo in Bern.

Brillen sollen Laserstrahlen abhalten. Wie hier bei einer Demo in Bern.

Keystone

Aufgereiht stehen sie in der Aarauer Bahnhofsunterführung und warten nach dem Cup-Viertelfinal Aarau gegen Luzern auf die Zuschauer. Die Kantonspolizisten tragen Helm, Schutzkleidung – und dunkle Brillen. Die getönten Gläser sollen sie vor gefährlichen Laserattacken schützen. Die gebündelten Strahlen können die Netzhaut verbrennen, was zu schweren Augenschäden bis zur Erblindung führen kann.

Dass die Gefahr durchaus real ist, zeigte sich jüngst bei den Ausschreitungen in Bern – mehrere Polizisten wurden durch Laserpointer verletzt. Auch im Aargau kam es bereits zu Vorfällen. Letzten Sommer etwa mussten sich zwei Männer vor Gericht verantworten, weil sie Polizisten auf einem Boot ins Visier genommen hatten.

Strassenschlacht bei Demonstration in Bern
5 Bilder
Zehn Polizisten wurden verletzt.
Seit einer Hausräumung Tage zuvor an der Effingerstrasse brodelt es in der Hauptstadt.
Die Polizei hatte bereits einmal eine Demonstration unterbunden.
Die Strassenschlacht wütete heftig.

Strassenschlacht bei Demonstration in Bern

Keystone

Wie oft es zu Angriffen kommt, ist unklar. Zahlen sind weder dem Bundesamt für Statistik noch dem Verband der Polizeibeamten oder der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten bekannt. Auch die Kantonspolizei Aargau verfüge über keine Statistik, sagt Sprecher Bernhard Graser auf Anfrage. «Zum Glück sind die Vorfälle nicht regelmässig.» Verletzte Polizisten habe es bislang keine gegeben.

Dennoch entschied sich die Kantonspolizei vor rund einem Jahr, jene Beamten, die Ordnungsdienst bei Fussballspielen oder Demonstrationen leisten, mit den Schutzbrillen auszurüsten. Modell: «Terminator». Kostenpunkt: 70 Franken. Wie viele Polizisten das sind, will Graser aus taktischen Überlegungen nicht verraten. Er sagt nur so viel: «Ein grosser Teil des Korps steht auch beim Ordnungsdienst im Einsatz.»

Eine hundertprozentige Sicherheit besteht allerdings auch mit den Brillen nicht. Graser: «Diese bieten bis zu einem gewissen Grad Schutz gegen Laserangriffe, vermögen aber sehr starke Laserstrahlen nicht abzuhalten.» Die getönten Gläser schränkten die Sicht des Trägers – insbesondere bei Dunkelheit – stark ein.

Dieser Effekt wird durch die Schutzbrillen, die beim Einsatz von Tränengas benötigt werden, noch zusätzlich verstärkt. Graser: «Auch wenn natürlich ein maximaler Schutz gegen diese hinterhältigen Laserangriffe erwünscht wäre, muss die Polizei bei der Wahl der Schutzbrillen unweigerlich einen Kompromiss zur Handlungsfähigkeit und zum Tragekomfort eingehen.»

Der lange Weg zum Verbot

Es gebe keinen Grund, starke Laserpointer auf sich zu tragen, sagt Bernhard Graser. «Ein Einzelner kann einen enormen Schaden anrichten. Deshalb sind diese Attacken so hinterhältig.» Aus Polizeikreisen ertönt schon seit längerem der Ruf nach einem Verbot. Seit Jahren wird auf Bundesebene darüber diskutiert. Bereits 2013 schrieb der Bundesrat in der Antwort auf eine Motion, die gesetzlichen Regelungen seien unzureichend.

Derzeit ist das Parlament dabei, die rechtliche Grundlage zu schaffen, um auch den Besitz starker Laserpointer zu verbieten. Bis das entsprechende Gesetz vorliegt, dauert es allerdings noch lange – frühestens 2019 tritt es in Kraft. Denn obwohl der Handlungsbedarf unbestritten ist, zieht sich die parlamentarische Beratung in die Sommersession.

Der Grund: Das Gesetz zum «Schutz vor Gefährdungen durch nichtionisierende Strahlung» geht weit über den Umgang mit Laserpointern hinaus, in einzelnen Punkten wurden sich die beiden Kammern bislang nicht einig. Bis dahin gilt ein Verbot lediglich in Bezug auf Einfuhr und Verkauf von leistungsstarken Laserpointern. Weil diese als gefährliche Gegenstände gelten, dürfen sie beschlagnahmt werden, wenn sie ohne legitimen Verwendungszweck an öffentlich zugänglichen Orten getragen werden.

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