Standort-Konzept
Teilschliessung der Berufsfachschulen Brugg, Wohlen und Zofingen

Der Regierungsrat legt sein Schulstandort-Konzept vor. Zwar bleiben alle bisherigen Schulstandorte den Regionen erhalten. Aber die gemischten Berufsfachschulen in Brugg, Wohlen und Zofingen werden entflochten: BWZ Brugg und BW Zofingen verlieren das KV, das BBZ Freiamt in Wohlen muss die gewerblich-industrielle Abteilung der Schule abgeben.

Jörg Meier
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Der erste Vorschlag der Regierung für ein neues Raum- und Standortkonzept für die Mittel- und Berufsschulen im Aargau kam nicht gut an. Obschon anhand von drei Varianten aufgezeigt wurde, wie ein effizientes, kostengünstigeres und qualitativ einwandfreies Schulangebot auf der Sekundarstufe II mit weniger Schulstandorten aussehen könnte, hagelte Kritik von allen Seiten. 547 Stellungnahmen gingen ein. Der gemeinsame Nenner: Alle drei vorgeschlagenen Varianten wurden in der Anhörung wuchtig abgelehnt.

Kanti Zofingen: Rettung dank Wirtschaftsmittelschule

Der Regierungsrat ging über die Bücher und präsentiert jetzt eine neue Variante, welcher auf die zum Teil heftigen Reaktionen Rücksicht nimmt und viele Anliegen aufnimmt. Das führte dazu, dass die Kriterien, die für oder gegen die Schliessung einer Schule sprechen, anders gewichtet wurden.

Regierungsrat Alex Hürzeler.

Regierungsrat Alex Hürzeler.

Alex Spichale

Konkret bedeutet dies:

  • Alle Schulstandorte bleiben erhalten. Eingegriffen wird jedoch bei der Zuteilung der Berufe, was für einzelne Berufsfachschulen zu spürbaren Veränderungen führen wird.
  • Drei der vier gemischten Berufsfachschulen werden entflochten. Sie werden zu reinen KV- bzw. Gewerblich-Industriellen Schulen. Betroffen sind die Schulen in Brugg, Zofingen und Wohlen. Brugg und Zofingen verlieren das KV, Wohlen die Gewerblich-Industrielle Berufsschule. Nicht betroffen ist das BZF in Rheinfelden.
  • Der detaillierte Berufszuteilungsplan, der festlegt, welche Berufe an welcher Schule ausgebildet werden, erfolgt erst dann, wenn der Grosse Rat den Grundsatzbeschluss gefasst hat. Die drei Schulen, die ganze Abteilungen schliessen müssen, sollen den Verlust dadurch ausgleichen können, dass sie mehr Lernende in den verbleibenden Bereichen erhalten sollen.
  • Veränderungen gibt es auch den Kantonsschulen: Grundsätzlich bleibt die Wirtschaftsmittelschule (WMS) bei den Kantonsschulen. Die WMS an der alten Kanti in Aarau aber wird an die Kanti Zofingen gezügelt. Das gibt der alten Kanti mehr Platz und der Kanti Zofingen die notwendige Grösse, um überleben zu können. Die Informatikmittelschule zügelt von Aarau nach Baden.
  • Die kantonale Schule für Berufsbildung (KSB) verlässt das Areal der alten Kanti Aarau, neue Räume werden gesucht. Eine Option ist die Alte Reithalle.
  • Für das Berufsbildungszentrum Niederlenz wird ausserhalb des Umsetzungsvorschlages eine Lösung gesucht.

Regionale Interessen stark gewichtet

Ein Profiteur des neuen Konzeptes ist das Bildungszentrum Fricktal in Rheinfelden. Obwohl die Berufsfachschule die notwendigen Schülerzahlen nur knapp oder gar nicht erreicht, bleibt die Schule unangetastet und damit als einzige gemischte Berufsfachschule erhalten. Bildungsdirektor Alex Hürzeler erklärte dazu, man habe beim neuen Vorschlag regionalpolitische Interessen tatsächlich stärker gewichtet als etwa Raumauslastung samt den finanziellen Konsequenzen. Mit dem neuen Vorschlag behalte jede Region ihre Berufsfachschule.

Allerdings gehe dies zu Lasten einer optimalen Auslastung. Und auch die ursprünglich angestrebte Kosteneinsparung von bis zu sechs Millionen Franken pro Jahr kann nicht annähernd erreicht werden. Rund zwei Millionen Franken kommt die neue Variante günstiger als die heutige Lösung.

Der Regierungsrat bringt den neuen Vorschlag dem Grossen Rat zur Abstimmung, obschon alle Entscheide in der Kompetenz der Regierung liegen. „Die Umsetzung kann nur funktionieren, wenn sie politisch breit abgestützt ist“, sagte Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Und was ist, wenn sich der Grosse Rat im Juni gegen die vorgeschlagene Umsetzung ausspricht?

"Dann verharren wir im Status Quo. Das heisst, dass die heute an den Berufsfachschulen bestehenden ungünstigen Grössenverhältnisse und Berufszuteilungen bleiben und die Raumproblematik der Mittelschulen nicht gelöst wird. Folglich wird der Regierungsrat möglichst bald eine andere Lösung präsentieren müssen. In der heute sehr angespannten finanziellen Situation dürfte – ja müsste – dieser wohl deutlich weiter gehen als der nun vorliegende Umsetzungsvorschlag."

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