Digitalisierung

Technik statt Schalter: Die UBS testet in Bremgarten ein neues Konzept

Die Verantwortlichen der UBS erklären das neue Konzept. Im Vordergrund: der «Finance Discovery». Hier können sich Kunden über Finanzthemen informieren, während sie warten.

Die Verantwortlichen der UBS erklären das neue Konzept. Im Vordergrund: der «Finance Discovery». Hier können sich Kunden über Finanzthemen informieren, während sie warten.

Eine Mischung aus Apple Store und Starbucks: So beschreiben manche Kunden die neue Filiale der UBS. Dabei setzt die Bank auf Digitalisierung. Zum Beispiel können sich die Kunden per per Videotelefonie beraten lassen.

Der riesige Flatscreen an der Wand sticht sofort ins Auge. Helle, moderne Möbel, auf dem Holztisch zwei Tablets, auf denen sich die Kunden durch den Produkte-Dschungel scrollen können. Im Wartebereich Ausmal-Bilder für die Kinder, eine Kaffeemaschine für die Erwachsenen.

Nicht ganz zu Unrecht betitelten einige Kunden die neue UBS-Filiale in Bremgarten als Mischung zwischen Apple Store und Starbucks. Keine schlechte Voraussetzung, sind diese beiden Geschäfte doch meist gut besucht. Doch etwas macht manche Kunden skeptisch: es fehlt der klassische Bankschalter. Die UBS Bremgarten ist eine von zehn Pilot-Filialen in der Schweiz und die erste im Aargau, die ohne einen solchen auskommt.

Die UBS Bremgarten ist jetzt schalterlos.

Die UBS Bremgarten ist jetzt schalterlos.

David Sigrist, Leiter der Bremgarter Geschäftsstelle, zeigt zwei Eigenschaften der Pilotfiliale: Den «Privacy Corner» und die Vermögens-Pyramide.

Nur noch ein Prozent der Zahlungen am Schalter

UBS-Regionaldirektor Thomas Sommerhalder erklärt: «Von allen Zahlungen, die heute gemacht werden, wird nur noch ein Prozent am Schalter abgewickelt.» In Bremgarten seien es weniger als zehn Transaktionen pro Tag. Ob man diese Entwicklung gut oder schlecht findet: Klar ist, dass Banken darauf reagieren müssen.

Die UBS will dies tun, indem sie die digitalen Angebote ausbaut. Wer sich als Kunde der UBS Bremgarten Anlagetipps geben lassen will, hat künftig drei Möglichkeiten. Er fährt nach Wohlen, wo es eine grössere Filiale gibt. Oder er lässt sich in Bremgarten in ein Sitzungszimmer führen, wo eine Video-Konferenz mit dem Bankmitarbeiter in Wohlen aufgebaut wird – das Gespräch findet am Bildschirm statt.

Wer beides nicht möchte, kann einen Termin vereinbaren und der Bankberater kommt nach Bremgarten. Die UBS vertraut beim Konzept darauf, dass ihre Kunden nach Möglichkeit die ersten beiden Varianten in Anspruch nehmen.

Trotzdem soll der persönliche Kontakt nicht verloren gehen, wie die Verantwortlichen bei der Präsentation des neuen Formats versicherten. «Ohne Schalter heisst nicht ohne Leute», erklärt Sommerhalder. Zwei Mitarbeiter sind weiterhin vor Ort und helfen den Kunden, zeigen ihnen etwa, wie E-Banking funktioniert. Geplant sind auch Veranstaltungen, an denen die technischen Möglichkeiten erklärt werden – so sollen Angst und Skepsis vor digitalen Bankgeschäften zerstreut werden.

Ebenfalls auffällig in der neu gestylten Filiale: der sogenannte «Privacy Corner». Für etwas privatere Gespräche kann sich der UBS-Mitarbeiter mit seinem Kunden in einen Kubus aus Milchglas begeben und bei Bedarf auch die Musik etwas lauter drehen, damit die Gespräche von Aussen nicht belauscht werden können. Trotzdem sieht der Berater, wenn jemand die Filiale betritt, und kann den Kunden auf die Kaffee-Ecke hinweisen.

Warum wird das neue Format gerade in Bremgarten getestet? «Ein Grund ist, dass wir hier bereits zwischen 2005 und 2013 auf einen Schalter verzichtet haben. Unsere Kunden sind sich das schon ein bisschen gewohnt», erklärt David Sigrist, Leiter der Bremgarter Geschäftsstelle. «Zudem ist man mit dem öffentlichen Verkehr relativ rasch in Wohlen und damit in einer grösseren Filiale.»

Sommerhalder: «Filialen wird es immer geben»

Werden die Aussenstellen der Banken irgendwann ganz wegfallen? «Filialen wird es, in welcher Form lassen wir mal offen, immer geben», ist sich Sommerhalder sicher. «Die Region Aargau ist aus historischen Gründen und im Vergleich mit den anderen Regionen der Schweiz mit Filialen eher untervertreten. Also gibt es vorderhand keinen Handlungsbedarf, am Geschäftsstellennetz Änderungen vorzunehmen.»

Bei manchen finanziellen Fragestellungen bräuchten die Menschen einen persönlichen Kontakt, so der Regionaldirektor: «Bei einer Geburt zum Beispiel, wenn man zum ersten Mal ein Kinderkonto eröffnet. Wenn man heiratet, vielleicht irgendwann mal ein Haus kaufen will, wenn man ein eigenes Geschäft eröffnet oder seinen Ruhestand planen will.»

Seit genau einem Monat läuft nun der Test in Bremgarten. Sind die jüngeren Kunden gegenüber dem Konzept offener als die älteren? «Das würde ich so nicht sagen – es gibt auch Junge, die hereinkommen, nach dem Schalter suchen, und dann leicht verärgert wieder rauslaufen», gibt Sigrist zu. Grundsätzlich seien es aber eher ältere Kunden, die überhaupt noch in die Filiale kommen würden. «Die Reaktionen sind unterschiedlich. Viele freuen sich über die Gestaltung und die neuen Möglichkeiten, bei anderen spürt man Skepsis», sagt Sigrist.

Während der Testphase werden die Reaktionen der Kundschaft gesammelt und ausgewertet. Nicht allen wird das neue Konzept gefallen, aber die UBS könnte damit durchaus richtig liegen. Sicher ist: Eine Rückkehr zu mehr Bankschaltern wird es in naher Zukunft nicht geben.

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