Der Touring Club Schweiz (TCS) ist mit 1,6 Millionen Mitgliedern der grösste Mobilitätsklub im Land und setzt sich für die freie Wahl der Verkehrsmittel ein, wie der Verband auf seiner Website schreibt: fürs Auto, für den Zug, fürs Velo. Doch anscheinend ist der TCS im Aargau mit seiner Sektion, die immerhin 125'000 Mitglieder zählt, vor allem um die Autofahrer besorgt.

Das soll ein Katalog mit fünf Fragen belegen, der Grossrats-Kandidaten kürzlich zugeschickt wurde (siehe Box). Der TCS will damit Wahlempfehlungen in der Mitgliederzeitschrift «Touring» abgeben. Peter Bircher, ehemaliger Gross- und Nationalrat für die CVP, kritisiert in einem gestern in der az publizierten Leserbrief die Fragen als zu «banal». Der Katalog sei «sehr strassenlastig und praktisch eine Autolobby-Umfrage», sagt er der az auf Anfrage.

Dieser Kritik schliessen sich mehrere bisherige Parlamentarier an. Regula Bachmann, CVP-Grossrätin und WWF-Aargau-Präsidentin, sagt: «Ich bedaure es sehr, dass der TCS sich nur für die Autofahrer einsetzt und alle anderen Verkehrsteilnehmer vergisst.» Zudem seien Fragen dabei, wie jene zur zweiten Gotthardröhre, bei denen man die genauen Folgen heute nicht kenne. «Wer dazu einfach Ja oder Nein sagen könne ohne weitere Stellungnahme, der malt schwarz-weiss.»

Zu gross für Mitgliederbefragungen

Auch EVP-Grossrat Sämi Richner hat den Fragenkatalog gleich unbearbeitet beiseitegelegt. «Ich will zu Sachfragen nicht schon Stellung nehmen müssen und damit unabhängig vom TCS bleiben.»

GLP-Grossrat Roland Agustoni erstaunt es, dass die Verbandsspitze oft im Namen des gesamten TCS spreche, ohne etwa genau zu wissen, welche politische Ausrichtung die einzelnen Mitglieder hätten. «Meine politische Meinung deckt sich jedenfalls nicht mit dem Verband, obwohl ich Mitglied bin», sagt Agustoni.

TCS-Aargau-Präsident und FDP-Grossrat Thierry Burkart wehrt sich gegen die Kritik: «Wir betonen immer wieder, dass wir die verschiedenen Verkehrsmittel nicht gegeneinander ausspielen wollen.» Ein Grossteil der Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel befände sich beispielsweise auf der Strasse. Zudem sei mit der fünften Frage nicht nur der Autoverkehr, sondern auch der öffentliche Verkehr gemeint, wenn es um die Finanzierung einer guten Infrastruktur gehe. Stellungnahmen zu einzelnen Fragen seien durchaus erwünscht. Nur kann er nicht garantieren, dass diese in der Tat abgedruckt würden. Zum Vorwurf, der Vorstand spreche oft im Namen des gesamten TCS, ohne die Mitglieder zu befragen, sagt er: «Weil die Mitgliederzahl sehr hoch ist, entscheiden der Vorstand und die Delegierten über politische Fragen.» Rückmeldungen von Mitgliedern würde man aber sehr ernst nehmen.

Keine Probleme mit dem Fragenkatalog hat FDP-Grossrat Bernhard Scholl: «Mit den Antworten zeigt sich, wer verkehrspolitisch wo steht.» Auch SVP-Grossrat Martin Keller findet: «Ohne den TCS hätte nur noch die öV-Lobby eine Stimme.»