Kübelchen um Kübelchen tragen die Schülerinnen und Schüler zum Bach. Unermüdlich laufen sie hin und her zwischen dem Wasser und dem blauen VW-Bus, in dem der Behälter mit den kleinen Fischen liegt.

4000 Lachse setzen die beiden Klassen – unterstützt von Fachleuten des Kantons, Mitgliedern des Fischereivereins Magden sowie dem WWF – im Magdenerbach aus. Die drei Monate alten Brütlinge sind erst wenige Zentimeter klein; doch auf ihnen ruhen grosse Hoffnungen.

Sie sollen dereinst hierhin zurückkehren, um ihre Eier abzulegen und dabei zu helfen, ein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: die Rückkehr der Lachse in Aargauer Gewässer.

Auf Wiedersehen! Die jungen Lachse schwimmen mithilfe der Schüler in die Freiheit.

Auf Wiedersehen! Die jungen Lachse schwimmen mithilfe der Schüler in die Freiheit.

Der Fisch, der im Rhein einst weit verbreitet war, gilt seit den 1950er-Jahren hierzulande als ausgestorben. Der Weg zur Wiederansiedlung ist noch weit – und wird zurzeit von drei französischen Kraftwerken versperrt. Fischaufstiegsanlagen würden das Problem entschärfen, so wie sie das schon an vielen heiklen Passagen tun. Sie kosten allerdings Millionen, was die Verhandlungen mit den Betreibern in die Länge zieht.

Hürden wie Kraftwerke haben dazu beigetragen, dass die Lachse nicht mehr in ihr Heimatgewässer zurückkehren können, um zu laichen. Dazu schwimmen sie Tausende Kilometer durch den Rhein bis ins Meer und weiter nach Grönland – und wieder zurück. Fast alle Fische, die ihr Ziel erreichen, sterben kurz darauf vor Erschöpfung.

Lachs 2000 wird zu Lachs 2020

Um zu verhindern, dass die Lachse an von Menschen geschaffenen Hindernissen hängen bleiben, rief die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins das Programm «Lachs 2000» ins Leben.

Ein zu ambitioniertes Ziel: Inzwischen lautet der Name «Lachs 2020». Eines der Vorhaben, die bis in drei Jahren realisiert werden sollen: Ein freier Durchgang vom Atlantik in den Rhein bis in die Schweiz. Eine Reise, die bis jetzt nur ganz wenige Lachse geschafft haben. «Rückkehrer gab es zwar bereits, aber bislang handelte es sich dabei um Einzelfälle», sagt Thomas Stucki, Leiter Sektion Jagd und Fischerei des Kantons.

Lachsfang anno 1910 in Laufenburg

Lachsfang anno 1910 in Laufenburg

Ein seltenes Filmdokument über die Lachsfischerei mit Bären, Geeren, Waage, Galgen und Reusen.

Noch ist es dem Zufall – und beispielsweise Schiffsschleusen – zu verdanken, wenn es einem Fisch gelingt. «Über abenteuerliche Wege», wie WWF-Projektleiter Christian Hossli sagt. Entsprechend bescheiden ist die Zahl der bislang registrierten Lachse, die aus dem Atlantik in den Aargau zurückgekehrt sind: Es sind gerade mal zwei. Trotz grossem Aufwand, der betrieben wird. Seit 2006 werden in Aargauer Gewässern Jahr für Jahr Tausende Brütlinge ausgesetzt. 22 000 waren es im letzten Jahr. Eine Investition, die Sinn macht, sagt Stucki. «Der Lachs gehört zum Aargau. Er ist Teil des Kulturguts im Kanton.»

Doch bis auf den Tellern wieder Aargauer anstelle von norwegischem oder schottischem Lachs landet, müssen sich Fischliebhaber gedulden. «Das ist noch Zukunftsmusik», sagt Stucki. Ohnehin sind die Lachse in der Schweiz geschützt, daran wird sich so schnell nichts ändern.

Da der Stamm der einheimischen Lachse ausgestorben ist, müssen dafür auswärtige Fische verwendet werden, die Ersteren genetisch möglichst ähnlich sind und ebenfalls weite Distanzen zurücklegen können. Die Fische, die am Mittwochmorgen ausgesetzt worden sind, stammen aus einer Zuchtstation im Elsass.

In Zukunft sollen dazu wieder einheimische Zuchtfische dienen, sagt Stucki. «Die Rückkehrer sind dazu am besten geeignet, weil nur die fittesten wieder zurückfinden.» Bis sich wieder ein eigener regionaler Lachsstamm bilden kann, wird es allerdings noch dauern.

«Eine Frage der Zeit»

Dauern wird es auch, bis sich zeigt, ob die kleinen Lachse, die von den Schülern am Mittwoch ausgesetzt wurden, zurückkehren, um sich fortzupflanzen. Bis zu zwei Jahren werden sie sich im Magdenerbach aufhalten, bevor sie sich schwarmweise auf die lange, beschwerliche Reise zum Atlantik machen. Wie vielen von ihnen nach rund fünf Jahren die Rückkehr gelingt, sei schwer abzuschätzen, sagt WWF-Projektleiter Christian Hossli. «Ein paar hundert, wenn alles gut läuft.» Doch auf einer so langen Reise könne viel passieren.

Am Einsatz der Schüler jedenfalls wird es nicht scheitern. In weissen T-Shirts mit aufgedrucktem WWF-Panda und Gummistiefeln stehen sie Schlange, um noch mehr Fische in die Freiheit zu entlassen. Vorsichtig kippen sie diese aus den kleinen Behältern ins seichte Wasser, achten beim Verlassen des Bachs darauf, ja keinen zu zertrampeln. «Darf ich einen Lachs nach Hause nehmen?», fragt ein Junge. Die Begeisterung für die Tiere scheint geweckt.

Genau das ist eines der Ziele des WWF-Projekts «Lachs Comeback». «Wir wollen die Kinder für die Thematik sensibilisieren. Viele wissen gar nicht mehr, dass es hier früher Tausende Lachse gab», sagt Hossli. Der Projektleiter ist optimistisch, dass sich der Bestand erholen wird: «Es ist eine Frage der Zeit, bis sich der Lachs bei uns wieder ansiedelt.»