Tötungsdelikt in Fislisbach
Täter S. N. war Jungschütze im örtlichen Schiessverein

Der 17-Jährige, der nach dem Tötungsdelikt in Fislisbach verhaftet wurde, war Jungschütze und wohnt in Fislisbach selbst. Dies zeigen Recherchen der az.

Dominik Kobelt und Carla Stampfli
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Schützenstube der Schiessanlage Mühlescheer, wo S. als Jungschütze aktiv war.

Schützenstube der Schiessanlage Mühlescheer, wo S. als Jungschütze aktiv war.

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Beim Tötungsdelikt von Fislisbach sind noch viele Fragen offen. Doch das ist bekannt:

  • Am Dienstagabend (kurz vor 20 Uhr) ging bei der Kantonspolizei Aargau ein Notruf ein. Ein Passant hatte in Fislisbach einen leblosen Mann gefunden.
  • Der 18-jährige Schweizer hatte Schussverletzungen erlitten und war beim Eintreffen der Polizei bereits tot.
  • Ermittlungen führten kurz vor Mitternacht zur Verhaftung des 17-jährigen S. N. aus Fislisbach.
  • Die Jugendanwaltschaft des Kantons Aargau hat eine Untersuchung eröffnet.
  • Ein Geständnis liegt vor. Verlauf der Tat oder Motiv sind nicht bekannt.
  • Beim Verhafteten S. N. handelt es sich um einen ehemaligen Jungschützen.

Nachdem am Dienstagabend in Fislisbach ein 18-Jähriger erschossen wurde, verhaftete die Polizei noch vor Mitternacht einen 17-jährigen Tatverdächtigen, der ein Geständnis ablegte. Gemäss Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei, sind die beiden nicht miteinander verwandt. In welcher Beziehung sie zueinander standen, sollen weitere Einvernahmen und Befragungen zeigen.

Doch wer ist dieser junge Mann?

Wie Recherchen der az ergaben, ist der verhaftete S. N. in Fislisbach wohnhaft und Lehrling zudem ein ehemaliges Mitglied des regionalen Schützenvereins. Dort sei er im letzten Oktober nach zwei Jahren ausgetreten, erklärt ein Leiter vom Jungschützenkurs Mühlescheer, auf Anfrage der az.

Tötungsdelikt Fislisbach
15 Bilder
Im Wald von Fislisbach AG ist im Juni 2016 ein 18-jähriger Schweizer umgebracht worden. Das Bild zeigt die Spurensicherung bei der Arbeit am Mittwochmorgen.
Das Tötungsdelikt ereignete sich im Waldstück "Rüsler", beim Hagibuechplatz.
Das Waldstück gehört zu Fislisbach, einer Gemeinde mit rund 5500 Einwohnern.
Die Polizei sperrte das Gebiet um den Tatort am Dienstagabend grossräumig ab und nahm die Fahndung nach der Täterschaft auf. Noch in der Nacht wurde ein 17-jähriger Schweizer verhaftet.
Der Polizei gelang es nach wenigen Stunden, den mutmasslichen Täter, einen 17-jährigen Schweizer, zu ermitteln und ihn im Elternhaus in Fislisbach festzunehmen.
Es handelt sich um den Lernenden S.N.
Der Tatort im Fislisbacher Waldstück "Rüsler" liegt zirka 150 Meter von der Sportanlage Esp entfernt.
Der mutmassliche Täter hat die Schussabgabe gestanden. Er wie auch das Opfer sind Schweizer mit Wohnsitz in der Region. Im Bild: Autos von Ermittlern. Hinten im Waldstück sind Mitarbeiter der Spurensicherung erkennbar.
Im Bild sind Mitarbeiter der Spurensicherung erkennbar.
Der Kriminaltechnische Dienst nahm in der Nacht auf Mittwoch die Spurensicherung auf.
Die Spurensicherung war auch am Tag danach am Tatort im Einsatz.
Eine Waldstrasse in Fislisbach nahe des Tatorts.
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.
Die Spurensicherung am Morgen nach der Tatnacht an der Arbeit am Tatort.

Tötungsdelikt Fislisbach

Mario Fuchs

Stellt sich die Frage: Hat S. N. das Opfer mit einem Sturmgewehr getötet, wie es Jungschützen verwenden? Die Kantonspolizei will zur Tatwaffe vorerst keine Angaben machen.

Bei den Schützenvereinen verhält es sich mit den Waffen so. Die Jungschützen dürfen ihre Sturmgewehre zwar nach Hause nehmen, sobald sie 17 Jahre alt sind, dies aber ohne Verschluss. Der wird vom Verein weggeschlossen. Ohne Verschluss ist die Waffe unbrauchbar – wie ein Auto ohne Zündschlüssel, erklärt der Jungschützenkurs-Leiter.

Klar ist auch, S. N. musste das Jungschützengewehr nach dem Vereinsaustritt abgeben. Woher er die Tatwaffe hat, ist noch nicht bekannt. Auch der Vater von S. N. weiss nicht, woher die Waffe stammen könnte. Er selbst habe vor Jahren alle verkauft, erklärte er gegenüber Tele M1.

Ganz in der Nähe des Tatorts waren Jäger unterwegs – sie wurden befragt, weil auch ein Jagdunfall ein mögliches Szenario gewesen wäre.

Der Gemeindeammann von Fislisbach, Silvio Craneri, zeigte sich bestürzt über den Vorfall in seiner Gemeinde.

Kindergarten evakuiert

In der Nähe des Tatorts, liegt eine Waldhütte. Just am Abendabend feierte dort eine Fislisbacher Kindergartenklasse den bevorstehenden Übertritt in die Primarschule mit Bräteln und Spielen. Wie es die Tradition in Fislisbach will, wären später die Kindergärtler und ihre Betreuungspersonen in die Schule gegangen und hätten dort gemeinsam übernachtet.

Doch soweit kam es nicht. Wie die Kantonspolizei bestätigt, wurde die Gruppe mit Kindern und Erwachsenen aus dem Gefahrenbereich des Tatorts gebracht: Die Polizei sperrte das Gebiet nach der Tat weiträumig ab.

„Die Kapo hat sehr gut reagiert“, teilt die Schulleitung Fislisbach auf Anfrage mit. Die Kinder seien gemeinsam mit ihren Eltern ins Dorf zurückgebracht worden. In Absprache mit den Eltern konnten die Kindergärtler am Mittwoch zu Hause bleiben.

Die Kindergärtler und die Betreuungspersonen haben weder das Opfer gesehen noch Schüsse gehört. Die Schule bietet jedoch Kindern und Eltern Hilfestellung bei Bedarf an.

Wieder ein Tötungsdelikt durch einen Minderjährigen

Das Tötungsdelikt in Fislisbach AG vom Dienstagabend ist das dritte Kapitalverbrechen innerhalb von acht Jahren, das von einem Minderjährigen aus dem Kanton Aargau verübt wurde. Bekannt sind die Fälle Chris V und Tobi B.

Tobi B. hatte im Aarauer Sex-Salon "Metro" eine Prostituierte vergewaltigt und umgebracht. Chris V. im Tessin das Mädchen Boi.