Tankstellenshops schiessen im Aargau wie Pilze aus dem Boden. Doch damit wird auch ein gesellschaftliches Problem immer grösser: Überfälle auf Tankstellenshops häufen sich. Im Aargau raubten Diebe in den letzten drei Monaten nicht weniger als vier Shops aus - oftmals mit Gewalteinwirkungen gegenüber Angestellten.

Bei der Polizei für die Präventionsarbeit zuständig: Rolf Mohn setzt alles daran, Überfälle zu vermeiden.sha

Sicherheit an Tankstellen

Bei der Polizei für die Präventionsarbeit zuständig: Rolf Mohn setzt alles daran, Überfälle zu vermeiden.sha



Den Behörden ist es ein grosses Anliegen, das Problem in den Griff zu bekommen. Mit der Prävention von Raubüberfällen oder Einbrüchen beschäftigt sich Rolf Mohn von der Kriminalpolizei vollamtlich. Das Ziel seiner Prävention ist hochgesteckt: Man will Raubüberfälle auf Shops auf eine ähnlich geringe Anzahl senken, wie dies mit der Prävention bei Banküberfällen gelungen ist. «Realistisch betrachtet, lassen sich Überfälle aber nie komplett vermeiden», sagt Mohn. «Je mehr Leib und Leben aber bedroht ist, desto mehr muss es die Präventionsarbeit interessieren. Und ein Raubüberfall ist ein sehr schweres Delikt.»

Innovatives Denken ist gefragt

In den letzten Jahren haben Shop-Betreiber mit Sicherheitsmassnahmen stark aufgerüstet. Kameras überwachen die Shops, Streifen messen beim Eingang die Körpergrösse oder moderne Kassen zeigen den Verkäuferinnen an, sobald der Tagesumsatz den Betrag von 1500 Franken übersteigt. Dann sollte die Verkäuferin das Geld bis auf einen Grundstock in einen Tresor abschöpfen, der selbst für Mitarbeitende nicht zu öffnen ist. Diese Massnahmen scheinen die Diebe aber nicht einzuschüchtern. Mohn von der Präventionsarbeit erhofft sich deshalb eine engere Zusammenarbeit mit Shop-Betreibern, bevor es zu spät ist und Angestellte geschädigt werden. Mohn wünscht sich von Betreibern innovativeres, präventives Denken. Er sieht dabei aber ein grosses Problem: «Bei den Betreibern steht der Begriff ‹Umsatz› zuoberst und nicht die Sicherheit. Man muss sich bewusst sein, dass Prävention Geld kostet, aber auch mehr Sicherheit für Angestellte und Kunden gewährleisten kann.»

Ein Betreiber bestätigt die Aussage Mohns: «So schlimm Raubüberfälle sind, so wenig lässt sich in einem vernünftigen finanziellen Rahmen etwas dagegen tun. Wir müssen trotz aller Gefahren noch rentabel sein.» Das sieht Niklaus Boss, Geschäftsführer der Erdölvereinigung, ähnlich: «Wir sind machtlos. Überfälle auf Shops scheinen zu unserem Berufsrisiko zu gehören.» Mohn beisst sich die Zähne aus. «Ratlosigkeit ist der schlechteste Partner für die Prävention.»

Erschwerter Ein- und Austritt

Einen der Gründe für einen Überfall sieht Mohn im zu jeder Öffnungszeit ungehinderten Ein- und Austritt in einen Shop. Er hat zu diesem Aspekt mehrere Ideen: Der Shop soll in den Abendstunden grundsätzlich verriegelt sein. Shop-Angestellte sollen dann mittels Knopfdruck entscheiden können, welchem Kunden sie Zutritt gewähren. Als weitere präventive Massnahme stellt sich Mohn einen verzögerten Austritt aus dem Laden vor. Das bedeutet: Der Kunde kann den Laden erst verlassen, wenn er mithilfe eines Lesegeräts beim Ausgang den Barcode auf der beim Einkauf erhaltenen Quittung eingelesen hat. Einem Dieb wird damit ein Austritt verwehrt, da er in der Regel vor seinem Überfall keinen Einkauf tätigt.

Ausserdem stellt Mohn das heutige Videokonzept infrage und plädiert auf eine verbesserte Täteridentifikation. «Wir wollen Täter primär ohne Sturmhauben filmen. Warum richtet man hochauflösende Kameras nicht so aus, dass uns dies gelingt?», fragt sich Mohn. Denn vielmals würden Täter erst kurz vor Eintritt - oder gar erst im Shop -, Sturmhauben überziehen. Doch alle Präventionsideen sind nutzlos, wenn Mohn von Betreibern keine Unterstützung bekommt. «Man muss sich schützen wollen.»