«Der Preiskampf um Test, macht uns grosse Sorgen»: Die wichtigsten Momente aus dem Talk mit KSA-Infektiologe Christoph Fux.

Tele M1

«Talk Täglich»
KSA-Infektiologe Fux: «Man wird sich anstecken, aber man wird sich nicht gratis anstecken»

Droht bereits die nächste Verschärfung des Covid-Zertifikats? Kaum sind Corona-Tests kostenpflichtig, sollen nur noch Geimpfte und Genesene ein Zertifikat erhalten, nicht aber Getestete. Warum die sogenannte 2G-Regel realistisch ist, erklärt Christoph Fux, Chefarzt Infektiologie am Kantonsspital Aarau im «Talk Täglich».

Jürg Krebs 5 Kommentare
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Christoph Fux ist Chefarzt Infektiologie und Infektionsprävention am Kantonsspital Aarau – und ein Befürworter der 2G-Regel, wie er im «Talk Täglich» von TeleM1 gegenüber Rolf Cavalli, Moderator und Chefredaktor der Aargauer Zeitung, erklärte.

2G bedeutet, dass Geimpfte und Genesene einen gesellschaftlichen Freipass erhalten, also mit Zertifikat ins Restaurant oder an Konzerte dürfen. Getesteten ist diese Freiheit in diesem Falle aber verwehrt. Der Grund: Schnelltests sind zu unsicher. Laut Fux bleibt jede sechste Infektion unentdeckt. Sollten die Massnahmen angesichts einer negativen epidemiologischen Entwicklung verschärft werden müssen, sei die 2G-Regel eine Option.

Seit Montag sind Corona-Tests nur noch in Ausnahmefällen gratis. Das Ziel des Bundesrats ist klar, der Druck auf Ungeimpfte soll erhöht werden, sich ein Vakzin spritzen zu lassen. Fux befürwortet dies: «Wir hoffen, dass der Druck aufs Portemonnaie mehr Leute zum Impfen animiert. Wir wären glücklich, wenn die Nachfrage grösser wäre.» Fux gesteht: «Wir haben nicht erwartet, dass die Impfskepsis in der Schweiz so gross ist.»

Der aggressiveren, ansteckenderen Delta-Variante könne man nicht entkommen, so Fux. Die Option «Glück haben und nicht angesteckt werden», sei zu Beginn der Pandemie eine mögliche Wahl gewesen, heute nicht mehr. «Man wird sich anstecken, aber man wird sich nicht gratis anstecken», so Fux. Denn wer schwer erkranke, lande im Spital und müsse dort behandelt werden. Das sei teuer. Und es drohe «Long Covid». Auch das sei teuer.

Rolf Cavalli fragt zurück:

«Ist es legitim, einen Drittel der Bevölkerung, den ungeimpften Drittel, vom gesellschaftlichen Leben auszuschliessen?»

Fux widerstrebt dies, wie er gesteht, aber: «Wahlfreiheit ist ein hohes Gut, Sicherheit ist aber höher zu gewichten.» Mittlerweile gebe es dank des neuen Vektor-Impfstoffs von Johnson&Johnson auch eine Alternative zur mRNA-Technik, falls jemand Bedenken habe. Was er damit meint: Die Argumente gegen eine Impfung würden immer weniger.

Bei Tests sind die Qualitäts-Unterschiede gross - und damit das Risiko

Doch warum werden die Tests plötzlich so kritisch betrachtet? Schliesslich würden sie noch immer akzeptiert und mit einem Zertifikat honoriert. Bis jetzt habe man das System «geimpft, genesen, getestet» etabliert. Nun gehe es darum, in einem nächsten Schritt das schwächste Glied zu eliminieren - und das seien die Tests. Auch wenn es hier qualitative Unterschiede gebe zwischen einem PCR-Test und einem Nasenabstrich, so würden dennoch je nach Testvariante bis zu 50 Prozent der Infektionen nicht erkannt. Fux: «Das Risiko ist zu gross.» Besonders bei Nasenabstrichen, nur leicht besser seien die Nasen-Rachen-Tests.

Warum aber erhält man ein Zertifikat, wenn Tests so unsicher sind? Das hänge mit der EU zusammen. Sie akzeptiere die schlechteren Tests für ein Zertifikat. Die Schweiz wiederum akzeptiert dies gemäss Fux, damit die eigenen Zertifikate im EU-Raum anerkannt würden. Ändere die EU ihre Haltung gegenüber den Tests, werde das auch die Schweiz tun.

Die Schweiz bleibe dennoch handlungsfähig, indem sie die Qualität der Tests im Auge behalte. Fux:

«Der Preiskampf um Test, macht uns grosse Sorgen. Er eskaliert. Es stellen sich mir schon Fragen, wenn sie für nur 11 Franken angeboten werden.»

Damit spricht Fux den Konkurrenzkampf unter den privaten Testcentern an. Er befürchtet, dass so die Sicherheit leidet. Das befürchten übrigens auch Bund und Kantone. Aus diesem Grunde müssen Testcenter neu unter der Verantwortung von Ärztinnen, Apothekern oder Laborleitenden stehen, wie am Dienstagnachmittag am Point de Presse der Experten des Bundes erklärt wurde.

KSA-Umfrage zeigt: 90 Prozent des Personals ist geimpft

Moderator Cavalli hakt bei der Impfskepsis nach, diese sei ja gerade auch beim Gesundheitspersonal gross, also dort, wo man es besser wissen müsste. Fux sieht das anders: «Da muss ich widersprechen.»

Am Kantonsspital Aarau sei eine Umfrage beim Personal gemacht worden. Es habe sich herausgestellt, dass knapp 90 Prozent geimpft sei. Die persönlichen Impf-Informationen gingen an den Personalarzt und die Infektionsprävention. Letzterer steht Fux als Chefarzt selbst vor. Beide würden mit den verbleibenden 10 Prozent das Gespräch suchen.

«Ist die Pandemie im Frühling 2022 vorbei», fragt Moderator Cavalli zum Schluss des Talks? Fux: «Kommt auf die Impfquote an. Mit der hoch ansteckende Deltavariante des Virus sollten wir eine Quote von 85 Prozent erreichen.» Aktuell sind gut 60 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft, 5 Prozent haben eine erste Dosis erhalten.

Den ganze «TalkTäglich»-Sendung mit Infektiologe Christoph Fux können Sie hier nachschauen:

Zertifikat nur noch für 2G?

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5 Kommentare
Robert Müller

Es ist schon fatal, wenn es gewissen Herren überlassen wird, darüber zu bestimmen, wer ins Wirtshaus darf und wer nicht. Es widerstrebe dem Herrn Fux zwar, eine solchen Massnahme zu unterstützen, das Allgemeinwohl lasse jedoch eine solche Massnahme zu. Ja, früher sprach man von den Göttern in weiss und jetzt benehmen sie sich so. Mir wäre lieber, wenn die mit Steuergeldern ausgebildeten  " Fachleute " ihrer Arbeit nachgehen würden, als sich ständig in Talksendungen zu profilieren.

kontakt

Ich kann nicht verstehen, wie undifferenziert über alle Altersstufen hinweg zur Impfung aufgerufen wird. Beim Höchststand der 4. Welle Ende August gab es bei den 10-19-Jährigen 505.4 erkannte Infektionen auf 100’000 EW, mit einer Hospitalisierungsrate von 0.079% und 0 Todesfällen. Im Vergleich dazu lag die Hospitalisierungsrate bei den infizierten Ü80 - trotz ihrer hohen Impfquote - bei 18.7%, also rund 240 mal bzw. unter Berücksichtigung des Impfstatus rund 800 mal höher. Es macht vor diesem Hintergrund keinen Sinn, bei jungen und alten die gleiche Impfquote anzustreben. In den letzten zwei Wochen schwankte die Zahl der Hospitalisierungen bei den 10-19-Jährigen bei 0.0 bis 0.1 pro 100'000 Einwohner. Diese Quote lässt sich durch Impfungen nicht weiter absenken, sehr wohl aber bei Menschen ab 50 oder 60. Wenn ein einziger zusätzlich geimpfter Ü80 bez. Hospitalisierungsrisiko rund 800 ungeimpfte Jugendliche egalisiert, dann dürfte wohl jedem klar werden, in welcher Altersstufe die Impfsolidarität eigentlich spielen sollte, wenn man schon so etwas einfordert. Die erweiterte Zertifikatpflicht gehört für Junge Menschen sofort abgeschafft, insb. in Ausbildungseinrichtungen.

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