Wie jedes Jahr im Januar fanden sich am Donnerstagabend in Baden rund 800 Personen zum Talk im Trafo ein. Sie folgten der Einladung von Binder Rechtsanwälte.

Unter den Gästen Migros-CEO Herbert Bolliger, der ehemalige CEO von ABB Schweiz, Edwin Somm, der emeritierte Professor Ivo Schwander von der Universität St. Gallen, Professor Urs Saxer von der Universität Zürich, alt Bundesrichter Franz Nyffeler, AZ-Verleger Peter Wanner, amtierende Politiker wie Nationalrat Beat Flach, Nationalrätin Kathy Riklin, der Wettinger Gemeindeammann Markus Dieth und viele mehr.

Die 800 kamen, obwohl sie kein heftiger Schlagabtausch prominenter Politiker erwartete. Vielleicht kamen sie – und kommen jedes Jahr – weil Binder eben nicht Podien organisiert, an denen die Teilnehmer ihre Positionen darlegen, ohne sich zuzuhören. Er setzt mit dem Talk im Trafo bewusst einen Kontrapunkt – Hier darf der geladene Redner seine Gedanken in Ruhe ausbreiten.

Diesmal war die Reihe an Kilian Kleinschmidt, der mehr als 20 Jahre für das Uno Hochkommissariat für Flüchtlinge UNHCR gearbeitet hat. Er war an vielen Brennpunkten des Weltgeschehens tätig.

In Baden erzählte er vom Entstehen der jordanischen Flüchtlingsstadt Zaatari und vom dortigen täglichen Leben. Binder hatte zuvor in Aussicht gestellt, Kleinschmidt werde «unsere Haltung in der behaglichen Schweiz herausfordern».

Vielleicht animiere er uns gar zu Lösungsansätzen in der aktuellen Flüchtlingssituation. Kleinschmidt zeigte an konkreten Beispielen – auch an kleinen Dingen – auf, wie sich Menschen in ihrem Verhalten positiv verändern, wenn man sie nicht als Almosenempfänger behandelt.

Sie agieren ganz anders, wenn man sie etwa selbst entscheiden lässt, was sie mit ihren minimsten Mitteln täglich kaufen und essen wollen. Und sie können viel Initiative entwickeln, wenn man sie lässt.

Während Kleinschmidts frei gehaltenem Vortrag was es mucksmäuschenstill. Danach brandete lang anhaltender Applaus auf. Die nachdenklichen Gespräche am folgenden Apéro und auf dem Nachhauseweg drehten sich gewiss um Alstom, aber genauso um Kleinschmidts - auch filmisch untermalten - unter die Haut gehenden Bericht über den würdigen Umgang mit Menschen auf der Flucht.