Alter
«Talent Scout 60+»: Gesucht werden die Talente der Pensionierten

Eine weltweit einmalige Studie erforscht die Talente von Menschen kurz vor und nach dem Ruhestand. Die Studie wird von der Aarauerin und emeritierten Professorin der Uni Fribourg Margrit Stamm geleitet.

Manuel Bühlmann
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Im Alter die Liebe zur Musik wiederentdecken: Wie hier bei einemintegrativen Zirkusprojekt mit Kindern und Rentnern. ArchiV/ Nicole Nars

Im Alter die Liebe zur Musik wiederentdecken: Wie hier bei einemintegrativen Zirkusprojekt mit Kindern und Rentnern. ArchiV/ Nicole Nars

Talentscouts kennt man vom Fussball oder Eishockey, wo eifrig nach hoffnungsvollen Nachwuchsspielern gesucht wird. Beim Projekt «Talent Scout 60+» stehen allerdings nicht junge Sportler, sondern ältere Menschen im Fokus.

Die Studie, die von der Aarauerin und emeritierten Professorin der Uni Fribourg Margrit Stamm geleitet wird, widmet sich den Begabungen von Personen kurz vor dem Ruhestand sowie von bereits Pensionierten.

Die Angst vor dem Alter

«Nach wie vor überwiegt beim Begriff Alter die Angst vor Krankheit, Demenz und Senilität», sagt Margrit Stamm. «Wir möchten mit der Studie zu einem anderen Blick aufs Alter beitragen. Denn auch im Alter ist noch Entwicklung möglich.»

Zudem geht es darum, zu untersuchen, welche Talente Menschen im Pensionsalter entdecken und wie sich diese entwickeln. Das könne Musik, ein Studium oder eine handwerkliche Tätigkeit sein, sagt Stamm.

Als dritten Grund für die Studie führt die Projektleiterin den volkswirtschaftlichen Nutzen an: «Es geht auch um die Frage, welche Möglichkeiten brachliegen, von denen die Gesellschaft profitieren könnte.» Dies sei gerade im Hinblick auf den Fachkräftemangel von Bedeutung.

700 bis 1000 Teilnehmer

Gemäss Margrit Stamm handelt es sich um die erste Studie, die sich mit der Entwicklung von Talenten im Alter beschäftigt – weltweit. Rund 700 bis 1000 Männer und Frauen aus der Schweiz sollen teilnehmen.

Noch sucht das Team nach Teilnehmern, die zweimal bei einer einstündigen Online-Befragung mitmachen. Stamm ist optimistisch, bis zum Beginn im Mai genügend Interessierte zu finden.

Mehr Schwierigkeiten bereitete die Finanzierung des rund 400 000 Franken teuren Projekts. «Bei Studien über Kinder und Jugendliche ist es leichter, an Gelder zu kommen.»

Viele würden sich fragen, warum sie in ein Forschungsprojekt über ältere Menschen investieren sollten. «Das ist eine falsche Vorstellung. Denn das Potenzial im Alter ist unsere Zukunft.»

Dank Beiträgen vom Migros-Kulturprozent und aus dem Lotteriefonds von acht Kantonen – darunter auch der Aargau – lässt sich die Studie dennoch umsetzen.

Ergebnisse im Herbst

Erste Ergebnisse des auf drei Jahre angelegten Projekts, sind für Herbst angekündigt. Sie lasse sich überraschen, welche Fähigkeiten zum Vorschein kommen, sagt Margrit Stamm.

Womöglich geht es einigen gleich wie ihr. Die 62-Jährige hat vor kurzem zusammen mit ihrem Mann ein neues Talent entdeckt: das Tanzen.

Interessierte mit Jahrgängen zwischen 1948 und 1953 können sich bis zum 17. Mai unter maria.weber@unifr.ch oder 078 203 40 58 anmelden. Weitere Infos unter www.margritstamm.ch/forschung

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