Kältewelle
Tagsüber ist es so kalt wie seit 30 Jahren nicht mehr – dieses Wetter erwartet den Aargau

Rekorde dürften im Aargau nicht fallen – am Donnerstag kommt der Schnee, am Freitag droht Eisregen.

Fabian Hägler
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In den kommenden Tagen dürfen die Kinder wohl vielerorts noch Schlittschuh laufen – die Temperaturen bleiben tief.

In den kommenden Tagen dürfen die Kinder wohl vielerorts noch Schlittschuh laufen – die Temperaturen bleiben tief.

Chris Iseli

La Brévine im Jura, die Glattalp im Kanton Schwyz oder Samedan im Engadin: Das sind seit Jahren Kandidaten für den Schweizer Kälterekord. Doch wo liegt der kälteste Ort im Aargau und wie sind die aktuellen Temperaturen im langjährigen Vergleich einzuordnen?

Joachim Schug von der Firma Meteogroup, die unter anderem für den Kanton und den Autobahn-Unterhaltsdienst professionelle Wetterprognosen erstellt, sagt auf Anfrage: «Markant sind jetzt vor allem die tiefen Tagestemperaturen: Die Messwerte von -3 Grad am Rhein bis -8,6 Grad in Schmiedrued sind das kältestmögliche um diese Jahreszeit.» Ähnlich kalt war es tagsüber im Aargau zuletzt im Februar 1986.

Zugefrorene Aare 1929 Eis Die Aare ist im Februar 1929 zugefrohren. minus 29 Grad Historische Bilder von der zugefrorenen Aare 1929
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Zugefrorene Aare 1929 Eis Die Aare ist im Februar 1929 zugefrohren. minus 29 Grad Historische Bilder von der zugefrorenen Aare 1929
Zugefrorene Aare 1929 Eis Die Aare ist im Februar 1929 zugefrohren. minus 29 Grad Historische Bilder von der zugefrorenen Aare 1929
Zugefrorene Aare 1929 Eis Die Aare ist im Februar 1929 zugefrohren. minus 29 Grad Historische Bilder von der zugefrorenen Aare 1929

Zugefrorene Aare 1929 Eis Die Aare ist im Februar 1929 zugefrohren. minus 29 Grad Historische Bilder von der zugefrorenen Aare 1929

zvg

In der Nacht auf Dienstag war der Aargauer Himmel bewölkt, was die Wärmeabstrahlung reduziert. «Mit Temperaturen von -9 Grad in Koblenz bis -12 Grad in Schmiedrued war es dennoch die kälteste Nacht des Winters 2017/2018», sagt Schug. Ähnlich frostig blieb der Dienstag, immerhin liess die lästige Bise tagsüber etwas nach.

Wohl keine Kälterekorde

Für die Nacht auf Mittwoch erwartete Schug mit aufklarendem Himmel auch in den Niederungen den Höhepunkt der aktuell herrschenden Kältewelle. «Minus 10 bis minus 15 Grad sind im Aargau durchaus möglich», hielt er gestern Dienstag fest.

Weil kein Schnee liegt, der zusätzlich zur Abkühlung der Luft beiträgt, seien diese Tiefsttemperaturen aber weit weg von den bisherigen Rekordtiefstwerten. Diese wurden Ende Februar 1956 registriert, damals gab es laut Joachim Schug lokal -20 bis -23 Grad im Aargau. Auch die Minimaltemperaturen, die Betreiber von privaten Wetterstationen im ganzen Kanton bisher gemessen haben (siehe Tabelle), dürften damit eher nicht unterschritten werden.

Buchs ist offizieller Kältepol

Meteoschweiz, die offizielle Bundesstelle für Klima und Wetter, betreibt im Aargau mehrere automatische Messstationen. Nur von zwei Stationen, von Buchs und Würenlingen, liegen aber langjährige Datenreihen zur Temperatur vor. Der bisherige Kälterekord in Buchs wurde mit -23,4 Grad am 9. Januar 1985 registriert. Ähnlich kalt war es im Januar 1963 mit -20,4 Grad, also im Winter der grossen «Seegfrörni» in der Schweiz, als unter anderem der Hallwiler- und der Zürichsee zufroren.

Die Kälte lässt im Aargau eindrückliche Kunstwerke aus Eis entstehen, wie hier ein eingefrorenes Wasserrad am Rotkanal in Rothrist.

Die Kälte lässt im Aargau eindrückliche Kunstwerke aus Eis entstehen, wie hier ein eingefrorenes Wasserrad am Rotkanal in Rothrist.

Bruno Muntwyler

Eis auf dem Hallwilersee gab es auch vor sechs Jahren, wie sich Matthias Frei, der Betreiber der privaten Wetterstation in Dürrenäsch, erinnert. Er mass am 4. Februar 2012 den bisherigen Tiefstwert von -16,1 Grad. «Damals dauerte die Kältewelle aber wesentlich länger, so dass trotz anhaltender Bise mit dem Seenger Zopf sogar ein Teil des Hallwilersees zufror», sagt Frei.

Roger Bolliger, der in Uerkheim eine private Wetterstation betreibt, führt keine Statistik der Messwerte. Er hat aber die Beobachtung gemacht, dass es «spannenderweise bei uns in Uerkheim aufgrund der Muldenlage in einem engen Tal oft 1 bis 2 Grad kühler ist, als in den Wetterprognosen angegeben».

Eisschollen auf der Aare

Ohnehin scheint der Westaargau für tiefe Temperaturen prädestiniert. Laut dem «Zofinger Tagblatt» von 1929 wurden in jenem Februar in Kölliken minus 37 Grad gemessen. Auf der gestauten Aare oberhalb des alten, längst abgerissenen Wehrs des ehemaligen Kanalkraftwerkes Ruppoldingen in Rothrist bildete sich eine dicke Eisschicht, die teilweise in grosse Eisschollen zerbrach und unter Krachen und Knirschen ein zerklüftetes «Gletscherfeld» formte.

Und auch der tiefste Wert von Meteo Schweiz stammt aus dieser Region: In Wynau BE, gleich jenseits der Kantonsgrenze bei Murgenthal, wurden am 9. Januar 1985 eisige -25,2 Grad gemessen. So tief dürften die Temperaturen diese Woche nicht sinken und am Donnerstag endet die Kältewelle.

Joachim Schug von Meteogroup rechnet zuerst mit Schneefall, am Freitag mit gefrierendem Regen, am Wochenende mit bis zu 8 Grad. «Richtig schönes, mildes Wetter lässt aber noch auf sich warten, obwohl am 1. März der meteorologische Frühling beginnt.»