Sie waren gross in der Schweiz, vielleicht sogar die grössten ihrer Branche. Irgendwann kam die Krise, das Unternehmen ging ein oder schlitterte knapp daran vorbei.

Was mit diesen Marken geschah; und vor welchen Herausforderungen sie heute stehen – vier Beispiele aus der Region.

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Zimtstern

1995 gründeten Thomas Meyer und Reto Kuster in einer Garage im Aargau das Modelabel Zimtstern. Der Winter ist ihr Reich, das Snowboarden ihr Business, sie stürmen die Herzen der Szene, schiessen in ungeahnte Höhen, werden Kult. MTV-Spot, Laden in München, Zimtstern erlangt Berühmtheit weit über die Grenzen hinaus. Snowboarden aber verlor seine Magie, der Sport kam in die Krise und mit ihm Zimtstern. Im Februar 2018 wurde bekannt, dass man keine weitere Winterkollektion produzieren werde. Elf Mitarbeitern wurde gekündigt. Für das Bike-Geschäft hatte man Hoffnungen, dass es die Marke am Leben erhalten könnte. Hoffnungen, die sich im November 2018 bestätigten. Zwei Deutsche, Sönke Voss und Hans Allmendinger, kauften Zimtstern. Sie setzen auf das Mountainbike-Business, wollen die Marke in der Schweiz und im Alpenraum wieder etablieren und dann den Schritt nach Amerika und Asien wagen.

Mammut

Etwas weniger dramatisch war die Geschichte von Mammut. Was wohl auch daran liegt, dass die Marke seit 1862 besteht, man die Erfindung des Bergseils für sich reklamieren kann und letztlich deutlich etablierter war als Zimtstern. Nichtsdestotrotz geriet auch Mammut ins Trudeln. Der stagnierende Outdoormarkt, der starke Franken: Mammut rutschte in die roten Zahlen. Chef Rolf Schmid, der das Unternehmen 20 Jahre teilweise äusserst erfolgreich geführt hatte, musste seinen Stuhl 2015 räumen. Der Deutsche Oliver Pabst übernahm und verlieh der Marke neuen Schwung. Internationaler, urbaner, digitaler, das war seine Devise. Sie scheint zu funktionieren. Mammut ist heute zurück in der Gewinnzone und wächst derzeit schneller als der Markt. Das hängt mit Textilinnovationen genauso zusammen wie mit einem eigenen Web-Shop und ambitiösen Nachhaltigkeitszielen. Bis 2030 will man den CO2-Ausstoss um die Hälfte reduzieren, bis in vier Jahren 95 Prozent der Stoffe aus recyceltem Material fertigen. Mammut will zudem eine eigene Mietplattform aufbauen und einen Marktplatz für Secondhand-Ware.

Künzli

Eine ähnlich grosse Tradition wie Mammut hat Künzli Schuhe. Gegründet von Werner Künzli 1927 in Trimbach bei Olten, spezialisiert er sich erst auf Skischuhe, um später mit etlichen Schuh-Innovationen verschiedenste Sportarten in ihrer Entwicklung voranzutreiben. Man exportierte nach ganz Europa, in die USA, nach Asien. Die Schweizer Nati trug Künzli, die fünf Streifen waren omnipräsent. Doch die Kultschuhe geraten aus dem Tritt. Schon in den 70er-Jahren fordert die Billigkonkurrenz aus Asien den Aargauer Betrieb heraus, man spezialisiert sich auf Gesundheitsschuhe, entwickelt sich in einen medizinischen Bereich. Als sich die Kündenströme dann auch noch ins Internet verlagern, kommt Künzli stärker ins Schleudern. Unlängst musste der Betrieb, der unterdessen in Windisch seinen Sitz hat, den Abbau von sechs Stellen bekannt geben. Die Produk- tion wird nach Albanien verlegt.

Mondia

Die Geschichte der Mondia-Velos beginnt mit der Gründung der Handelsfirma Jeker-Haefeli & Cie 1918 im solothurnischen Balsthal durch einen Wirt und einen Schmied. Anfänglich importieren sie Velos, Nähmaschinen und Schmieröle. 1933 kommen erstmals selbst montierte Fahrräder der Marke Mondia in den Vertrieb. Drei Jahre später folgt die Premiere im Rennsport. In der Folge die Tour-de-Suisse-Siege von Karl Litschi und Giovanni Valetti auf Mondia-Rädern. Die Firma wurde zum grössten Velohersteller der Schweiz. 1985 fertigte man mit 84 Mitarbeitern 22 000 Fahrräder, was einem geschätzten Marktanteil von zehn Prozent entsprach. Ende der 90er-Jahre geriet die Firma wegen grosser Verluste im Immobilien- geschäft in arge Schieflage. Es folgten Management-Buy-out, Umzug von Balsthal ins aargauische Strengelbach, Produktion nur noch auf Bestellung. 2013 ging dem einstigen Velogiganten der Schnauf aus. 2014 wurden die Markenrechte für 300 000 Franken an einen anonymen Käufer verscherbelt. Seither ist es still um Mondia.