Telefonkabinen
Swisscom arbeitet an Abbauplänen im Aargau – Gemeinden können sich nicht dagegen wehren

Gemeinden können sich nicht gegen Streichungen wehren – und aufgegebene Kabinen nicht auf eigene Kosten weiterbetreiben.

Manuel Bühlmann
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Von der Telefonkabine neben der Post an der Staffelstrasse in Wettingen werden so viele Anrufe gemacht, wie nirgendwo sonst im Aargau.

Von der Telefonkabine neben der Post an der Staffelstrasse in Wettingen werden so viele Anrufe gemacht, wie nirgendwo sonst im Aargau.

Severin Bigler

Ab dem 1. Januar 2018 wird der Niedergang der Telefonkabinen in der Schweiz nochmals beschleunigt: Von diesem Tag an zählt das Betreiben von Telefonkabinen nicht mehr zur Grundversorgung der Swisscom. Das hat der Bundesrat im Dezember 2016 entschieden.

Welche der 157 noch verbliebenen öffentlichen Telefone im Kanton Aargau verschwinden werden, entscheidet das Telekommunikationsunternehmen. Über die Pläne der Swisscom ist bei der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom) nichts bekannt. Die unabhängige Konzessions- und Regulierungsbehörde überwacht die Anbieter auf dem Telekommunikationsmarkt, kann aber künftig keinen Einfluss mehr darauf nehmen, wo wie viele öffentliche Telefon angeboten werden. Bis Ende Jahr gilt noch: Jede Gemeinde muss über mindestens ein öffentliches Telefon verfügen – es sei denn, der Gemeinderat unterzeichnet eine Verzichtserklärung. Das bietet Kommunen heute noch die Gelegenheit, gegen Abbaupläne ihr Veto einzulegen. Eine Option, die 2018 wegfallen wird. «Es ist aktuell nicht vorgesehen, dass Gemeinden, die sich gegen den Abbau einer Telefonkabine wehren, diese auf eigene Rechnung weiterbetreiben können», sagt Swisscom-Sprecherin Sabrina Hubacher.

«Vom Thron gestossen»

Die Swisscom hält sich bedeckt, welche Gemeinden bald ohne Telefonkabinen auskommen müssen. Die Detailplanung sei noch nicht gemacht worden, teilt Hubacher auf Anfrage mit. Die Rentabilität sei beim Entscheid einer von mehreren Faktoren. «Fest steht: Der Restbestand wird weiter reduziert.»

85 Prozent der Kabinen, die sie noch bis Ende Jahr als Teil der Grundversorgung betreiben muss, seien nicht rentabel, rechnet die Swisscom vor. Konkrete Zahlen zur Häufigkeit und Dauer der Anrufe gibt sie allerdings nicht preis. Sabrina Hubacher sagt dazu: «Die Nutzung geht jährlich markant zurück.» Im Durchschnitt werde ein öffentliches Telefon noch knapp fünf Minuten am Tag benutzt. Der Grund für die Entwicklung, die sich seit Jahren beobachten lässt, ist wenig überraschend: «Das Handy hat das Publifon überflüssig gemacht und vom Thron gestossen.»

Dazu kommen die Ausgaben für die Standortmiete, die Reinigung, die technische Wartung sowie die Beseitigung von Vandalismusspuren. Die Kosten würden je nach Standort stark schwanken, weshalb die Swisscom nicht beziffern kann, wie teuer der Unterhalt ist.

Zerlegt und entsorgt

Die ausgedienten Kabinen werden in Einzelteile zerlegt und entsorgt. Auf Wunsch können sie von den Standortgemeinden umfunktioniert werden. Als Büchertauschbörse etwa oder als Standort für den Defibrillator. Aber auch Privatpersonen, die nicht ganz auf die gläsernen Boxen mit dem roten Telefonhörer verzichten möchten, können sich ein Exemplar kaufen – für 1500 Franken. Dazu kommen die Kosten für Transport und Montage.