Das Grande Finale hätte – wie es der Name sagt – eigentlich den Abschluss des Aargauer Tages an der Fête des Vignerons bilden sollen. Es kam anders. Um 16.45 Uhr, 21/2 Stunden früher als geplant, trommelt eine Gruppe Artisten die Zuschauerinnen und Zuschauer zur Bühne am Seeufer. «Wir haben eine Stunde», prophezeit Regierungssprecher Peter Buri. Eine Stunde, bis es wieder wie aus Kübeln regnen würde. Gespannt warten die Besucherinnen und Besucher vor der Bühne. Die Aargauerinnen und Aargauer sind immer noch an der blauen Winzerschürze unter den durchsichtigen Pelerinen zu erkennen.

«S’Wätterpäch het voll zuegschlage»

«Bonjour, Grüezi», begrüsst Zirkusdirektor Johannes Muntwyler die Gäste. Die Artistinnen und Artisten des Circus Monti zeigen in Vevey zum ersten Mal und vor der Premiere einen Ausschnitt aus dem neuen Programm. Das Publikum ist begeistert, applaudiert. Zwei Artistinnen hängen an zwei Seilen von der Decke, ziehen sich hoch und lassen sich fallen. Synchron. Im Takt der Tambouren. Es sieht leicht aus, obwohl sie wahrscheinlich jede Muskelfaser in ihren Körpern brauchen, um sich da oben zu halten. Es ist erst die vierte Nummer. Doch über der Bühne blitzt es bereits bedrohlich, der Donner kracht. 

Die schönsten Bilder vom Aargauer Tag an der Fête des Vignerons:

Mitten in der Nummer betritt der Zirkusdirektor die Bühne. «Malheureusement le temps n’est pas pour nous. Das Wetter ist leider nicht auf unserer Seite.» Das Grande Finale wird unterbrochen. Nicht abgebrochen, wie Regierungssprecher Peter Buri betont, der kurz nach Muntwyler mit dem Megafon die Bühne betritt. «S’Wätterpäch het voll zuegschlage», sagt er. «Aber mir gännd noni uuf», gibt er sich tapfer. Es werde jetzt zehn Minuten regnen. «Aber denn mache mer wiiter. Und jetzt ab in Schärme!» Das Publikum gehorcht und tatsächlich hört der Regen bald auf. Alle Musikerinnen und Musiker kommen am Seeufer zusammen. «Fanfare», weist Buri den Dirigenten nach ein paar Stücken an. Es ist das Zeichen für Landammann Urs Hofmann. «Le directeur du Cirque d’ArgoVin» betritt das Rednerpult. Er holt Luft. Die Musikerinnen und Musiker unterbrechen ihn. Er holt noch einmal Luft.

Noch einmal unterbrechen sie ihn. Der Zirkusdirektor hat seine Bande nicht im Griff. Das Publikum lacht. Beim dritten Versuch klappt es. Hofmann begrüsst auf Französisch, «Weil ich überzeugt bin, dass alle Aargauerinnen und Aargauer die zweite Landessprache bestens beherrschen». Für ihn selber ist es die erste Fête des Vignerons. Er erinnert sich aber gut daran, dass sein Vater ihm begeistert vom letzten Winzer- und Kulturfest erzählt hatte. Er selber werde von diesem Tag genauso viele wunderschöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Vom Empfang über die Show in der Arena bis zu den leiblichen Genüssen – vor allem in flüssiger Form. Der Aargau habe in Vevey etwas Besonderes gezeigt und damit die Fête des Vignerons bereichern können.

Von  strahlend blau bis pflotschnass: der Aargauer Tag an der Fête des Vignerons im Video

Von strahlend blau bis pflotschnass: der Aargauer Tag an der Fête des Vignerons im Video

Plötzlich zieht Hofmann den wohl bekanntesten Waadtländer Wein – den Aigle les Murailles, der, mit der Eidechse auf der Etikette – aus dem Sack. Er kündigt an, da gebe es bald eine harte Konkurrenz. Er habe gehört, dass Aargauer Winzer im Seetal «le grand vin du crocodil» keltern wollen. Es werde sich zeigen, was am Schluss mehr getrunken werde. Damit hätte es der mutmassliche Kaiman im Hallwilersee bis an den Genfersee und sogar in ein Grusswort eines Landammanns geschafft. Das Publikum dankte Hofmann die kleine Hommage mit einem Lacher.

«Vive la Fête des Vignerons! Vive le Cirque d’ArgoVin!»

Der Landammann beendet seine Rede, wie er sie begonnen hatte. Auf Französisch mit einem «Vive la Fête des Vignerons! Vive le Cirque d’ArgoVin!» Die Musikerinnen und Musiker übernehmen und stimmen ein «Bella Ciao» an, um die Zeit bis zum Höhepunkt des Grande Finale zu überbrücken, das in luftiger Höhe stattfindet. Tambouren und eine Artistin der Gruppe «Transe Express», werden von einem Kran in die Luft gezogen, schweben über die Menge und zum See. Turnend und trommelnd. Sehen aus wie ein riesiges menschliches Mobile. Reihum werden Smartphones gezückt, um das Spektakel in Film und Bild festzuhalten. Einigen steht auch einfach der Mund offen. So etwas haben sie noch nie gesehen. Und das Wetter meint es dieses Mal gut. Kaum ein Tropfen und vor allem kein Gewitter über Vevey, während die Artisten durch die Luft schweben. Wie die Aargauerinnen und Aargauer wohl von da oben aussehen? 

Fête des Vignerons: Aargauer-Tag trotz drohendem Gewitter gelungen

Fête des Vignerons: Aargauer-Tag trotz drohendem Gewitter gelungen

Der Kanton Aargau präsentiert sich an der Fête des Vignerons in Vevey statt mit „Rüebli“ und weisse Socken, mit einem Programm rund um Wein und Zirkus.

Das sagen die Besucherinnen und Besucher zur Fête des Vignerons