Martin Keller wohnt in Obersiggenthal und spürt die Überlastung der Strassen täglich. «Es ist aber nicht so, dass wir den Vorstoss für einen staufreien Aargau wegen mir eingereicht hätten», sagt der SVP-Grossrat.

Vielmehr fordert die Volkspartei vom Regierungsrat «ein Konzept zur nachhaltigen Verflüssigung des Verkehrs auf den Aargauer Kantonsstrassen», wie es in ihrem Auftrag heisst. Keller erläutert: «Solange die A1 nicht durchgehend auf sechs Spuren ausgebaut ist, wird die Belastung des Kantonsstrassen-Netzes weiter steigen.»

Deshalb sei es wichtig, dass die Regierung eine Übersicht zu den neuralgischen Punkten liefere und konkret darlege, wie diese «entstaut» werden sollen. Neben der Region Baden sei zum Beispiel auch Suhr ein Ort, wo es häufig Staus auf Kantonsstrassen gebe.

Pläne zur «Entstauung» verlangt

Damit der Kanton Aargau weiterhin gut erreichbar bleibe, müssten heute die Weichen zur Verflüssigung des Verkehrs und gegen die Stauzeiten gestellt werden, sagt Keller. Das Gesamtkonzept soll neben den bereits im Richtplan erwähnten Bauvorhaben auch neuere Überlegungen zur «Entstauung» beinhalten. Keller: «Dafür braucht es keine neuen Projektstellen, ich bin überzeugt, dass der Kantonsingenieur dies mit relativ wenig Aufwand leisten könnte.»

Die Zeit der punktuellen, unvollständigen Ausbauten und Verkehrsmassnahmen müsse endgültig vorbei sein, fordert die SVP. Stattdessen soll die Regierung auch für Strecken und Kreuzungen, die in absehbarer Zeit überlastet sein könnten, konkrete Lösungsvorschläge darstellen. Keller denkt dabei vor allem an Ausbauten. «Die Bevorzugung des öffentlichen Verkehrs zulasten der Autofahrer – wie zum Teil beim regionalen Verkehrsmanagement angedacht – kann und darf nicht die Lösung sein.»

Grosser Rat soll Priorität festlegen

Vielmehr verlangt Keller, die künftigen Ausbaupläne seien jetzt schon «mit Angaben von Bauzeiten und Kostenschätzungen zu präzisieren». Dabei gehe es nicht um Detailprojekte mit genauen Voranschlägen, sagt er auf Nachfrage.

«Aber einen ungefähren Kostenrahmen als Orientierung für die Politik sollte der Kanton liefern.» Die anschliessende Priorisierung – also der Entscheid, welches Projekt zuerst realisiert werden soll, wäre dann Sache des Grossen Rats.

Carlo Degelo, Leiter der Sektion Verkehrsplanung beim Kanton, sagt zu den Forderungen der SVP: «Im kantonalen Verkehrsmodell ist die Belastung der einzelnen Strassen ersichtlich.»

Auch die künftigen neuralgischen Punkte liessen sich damit erkennen. Basis für die Berechnungen ist laut Degelo unter anderem die Bevölkerungsprognose, die auch für die Festlegung des künftigen Siedlungsgebiets verwendet wird. Auf frühe Kostenschätzungen für künftige Projekte angesprochen, sagt Degelo: «Wir werden uns bei der Beantwortung des Vorstosses mit dieser Frage auseinandersetzen.»

Netzstrategie im Westen

Praktisch gleichzeitig mit dem Vorstoss der SVP-Fraktion hat die Regierung letzte Woche über ihre Verkehrspläne in den stark belasteten Regionen Lenzburg und Unteres Seetal sowie Baden, Brugg, Unteres Aaretal informiert. Demnach ist vorgesehen, den Verkehr aus dem Seetal beim Anschluss Aarau Ost auf die A1 zu führen. Damit soll Lenzburg vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Gleichzeitig sind für die damit stärker belasteten Ortschaften Schafisheim und Seon Ergänzungen des Strassennetzes angedacht. Die sogenannte Netzstrategie sieht die Anpassung des A1-Anschlusses Aarau Ost, eine Ostumfahrung von Schafisheim und eine Ostumfahrung von Seon inklusive Nordspange vor.

Alle diese Vorhaben werden als sogenannte Vororientierung im Richtplan eingetragen. Dies ist eine Absichtserklärung des Regierungsrates, es wird aber noch keine definitive Linienführung festgelegt. Diese soll nun zusammen mit Vertretern der Region erarbeitet werden. Die einzelnen Elemente können danach als Zwischenergebnis oder als Festsetzung im Richtplan durch den Grossen Rat beschlossen werden.

Lösungsansätze im Osten

Noch weniger weit fortgeschritten ist die Planung im Ostaargau. Dort hat das Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) in den letzten Monaten Lösungsansätze für den Raum Baden, Brugg und unteres Aaretal entwickelt.

«In mehreren Workshops wurden diese den Regionen vorgestellt und deren Input abgeholt», teilt das BVU mit. Dies war nötig, nachdem Regierungsrat Stephan Attiger im August aus Kosten-Nutzen-Überlegungen den Verzicht auf den Baldeggtunnel verkündet hatte. Dennoch bleiben die Ziele im Ostaargau bestehen: die Entlastung der Agglomerationen Brugg und Baden sowie die bessere Anbindung des unteren Aaretals an die A1.

Erste, unverbindliche Ideen dazu gibt es bereits. Braucht es in Baden einen Schlossbergtunnel, um das Zentrum zu entlasten? Drängt sich in Brugg/Windisch wegen des Durchgangverkehrs eine Süd-Ost-Umfahrung auf? Würde eine Verkehrsentlastung in Station Siggenthal/Würenlingen mit Umfahrung Sinn machen? Und braucht es eventuell eine neue Rheinquerung bei Koblenz Ost?