Lehrplan 21
SVP verlangt eine Volksabstimmung zum Lehrplan 21

Das gemeinsame Projekt der Deutschschweizer Kantone kommt in Vernehmlassung unterschiedlich an. Am Meisten bemängelt wird die Kompetenzorientierung und eine zu wenig weit gehende Harmonisierung zwischen den Kantonen.

Mathias Küng
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Der Aargauer SVP-Landammann Alex Hürzeler wird den anderen Erziehungsdirektoren viele Änderungswünsche vortragen müssen.zvg

Der Aargauer SVP-Landammann Alex Hürzeler wird den anderen Erziehungsdirektoren viele Änderungswünsche vortragen müssen.zvg

In der Vernehmlassung zum Lehrplan 21 (siehe Box) findet man im Aargau alles von «sehr erfreut» über «grundsätzliche Unterstützung» bis hin zu kompletter Ablehnung. Die Ablehnung kommt von der SVP.

Das ist deshalb besonders interessant, weil ausgerechnet SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler Bildungsdirektor ist und den von 21 Erziehungsdirektoren ausgearbeiteten Entwurf vertreten muss.

Lehrplan 21

Der Lehrplan 21 soll für die 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone als gemeinsamer Lehrplan gelten. Er bringt eine Vereinheitlichung, indem die Volksschulzeit in drei Zyklen eingeteilt wird, die Fächer und Fachbereiche gleich strukturiert sind und überall die gleichen Bildungsziele für die Schüler gelten. Der Lehrplan 21 bildet für die Entwicklung von Lehrmitteln und die Aus- und Weiterbildung für Lehrpersonen eine gemeinsame Basis. Ein zentraler Bestandteil ist die sogenannte Kompetenzorientierung: Der Lehrplan ist erst dann erfüllt, wenn die Schüler den im Unterricht behandelten Stoff auch kennen und anwenden können. Der Lehrplan-Entwurf ist jetzt in der öffentlichen Konsultation. Die Reaktionen im Aargau werden gesammelt und der Erziehungsdirektorenkonferenz weitergeleitet. (AZ)

Hürzelers Partei lehnt den Lehrplan «komplett ab», wie Präsident Thomas Burgherr und Sekretär Pascal Furer schreiben. Sie ist damit auf einer Linie mit der SVP Schweiz.

Diese lehnt den Entwurf ebenfalls ab und verlangt eine Vereinfachung und Straffung des Lehrplans 21.

Sie unterstützt eine dahingehende – auch in der Verfassung geforderte – Harmonisierung, welche das Ziel habe, «den Leistungsvergleich zwischen den Kantonen zu optimieren und den Umzug von einem Kanton in den anderen zu vereinfachen».

Zu viel «Kompetenzorientierung»

Der Aargauische Lehrerinnen- und Lehrerverband reagiert zurückhaltend. Präsident Niklaus Stöckli bemängelt, der vorgegebene Harmonisierungsauftrag sei ungenügend erfüllt.

Er fordert eine gemeinsame Stundentafel, eine gemeinsame Abfolge des Fremdsprachenunterrichts, eine Verpflichtung auf integrale Übernahme des Lehrplans durch die Kantone, eine gemeinsame Schulschrift sowie ein gemeinsames Leistungsüberprüfungskonzept.

Weiter schreibt der Lehrerverband – im Gegensatz zur SVP –, die vom Lehrplan verlangte Kompetenzorientierung sei grundsätzlich richtig. Aber, so Stöckli: «Ihre totale Anwendung zielt an einem sinnvollen Bildungsverständnis vorbei. Es gibt Lerninhalte, die als Wissen für sich allein wichtig sind».

Vor allem aber befürchtet man, dass viele Kinder und Jugendliche überfordert werden. Die Empfehlung: einzelne Kompetenzen streichen, die verbleibenden dafür richtig vertiefen.

Auch Wirtschaftsverbände wollen Harmonisierung

In eine ähnliche Richtung geht die Kritik der Aargauischen Industrie- und Handelskammer (AIHK) sowie des Aargauischen Gewerbeverbandes. Beide Verbände stehen dem Harmonisierungsziel ebenfalls positiv gegenüber. Der Lehrplan geht ihnen hier ebenfalls zu wenig weit. Beide legen den Finger auf denselben Punkt wie der Lehrerverband, auf die «Kompetenzorientierung».

Die AIHK erachtet dies zwar als sinnvoll, mahnt aber, darob dürfe das Fachwissen nicht verloren gehen, denn, so Geschäftsführer Peter Lüscher: «Kompetenz basiert nach unserem Verständnis (auch) auf Wissen.» Lüscher will wissen, wie die erreichte Leistung bewertet wird. Viele Lehrmeister bemängelten nämlich ungenügende Lese-, Schreib- und Rechnungsfähigkeiten von Schulabgängern.

Hier wird der Gewerbeverband noch deutlicher. Er erwartet, dass die Jugendlichen nach der Volksschule in diesen drei Kernfächern sattelfest sind. Und «zwingend» sei die Einführung der beruflichen Orientierung bei den fächerübergreifenden Themen, verlangt der AGV.

Verbindliche Stundentafel

Die SP bemängelt im Wesentlichen dieselben Punkte wie der Lehrerverband. Sie bedauert zudem, dass «Wahl- und Pflichtfächer, welche manuelle Fähigkeiten stärken», immer mehr an den Rand gedrückt werden.

Freundlich stehen Grüne und BDP dem Lehrplan gegenüber. Die Grünen fordern wie viele andere eine verbindliche Stundentafel. Und: Es solle einstweilen auf weitere Schulreformen verzichtet werden.

FDP: Kernkompetenzen stärken

Wie AIHK und Gewerbeverband pochen die Freisinnigen auf die drei Kernkompetenzen Lesen, Schreiben, Rechnen. Insgesamt werde die geforderte Harmonisierung nicht erreicht, schreibt Grossrat Hansueli Bühler. Er sähe zudem gern eine Harmonisierung der Reihenfolge der Fremdsprachen.

Auch der CVP ist es beim Stichwort Kompetenzorientierung sichtlich unwohl. Sie fordert griffige Instrumente und Richtlinien, um die Kompetenzen zu beurteilen. Einer definitiven Einführung von zwei Sprachen in den ersten sechs Schuljahren steht die CVP zudem kritisch gegenüber.