Generationenwechsel
SVP-Rochade: Bircher meldet Ambitionen auf Nationalratssitz an

Die Aargauer SVP plant den grossen Generationenwechsel. Grossrätin Martina Bircher will bei den nächsten Wahlen eines der nicht mehr antretenden Urgesteine im Nationalrat beerben. Sie ist nicht die erste, die ihre Absichten offenlegt.

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Was derzeit in der Aargauer SVP vor sich geht, dürfte Martina Bircher freuen. Ihre Chancen, bei den eidgenössischen Wahlen 2019 in den Nationalrat einzuziehen, sind gerade ziemlich gestiegen. Sie hat eine Anfrage der Findungskommission erhalten. "Die Findungskommission hat mich angefragt, ob ich Interesse habe. Das habe ich bestätigt." Bircher will in den Nationalrat.

Ihre Wahlchancen sind intakt. Sie ist als Sozial- und Asylpolitikerin im ganzen Kanton und darüber hinaus bekannt. Mit ihren Warnungen vor Belastungen für Gemeinden durch Flüchtlinge und Sozialhilfebezüger schafft es die Aarburger Gemeinde schweizweit in die Medien.

Vor Bircher kündigte bereits Grossrätin Stefanie Heimgartner an, sie strebe die Wahl in den Nationalrat an. Sie will den Sitz der nicht mehr antretenden Sylvia Flückiger erobern.

Der Leiter der Findungskommission, Rolf Jäggi, sagt, es sei noch nichts entschieden: "Es ist zu früh, über Namen und einzelne Kandidaturen zu sprechen." Das mache die Findungskommission im Hintergrund – auch mit den Bezirksparteien. Dieser Prozess laufe derzeit.

Fest steht hingegen, dass sich die Partei einer Verjüngungskur unterzieht: Wie die AZ am Donnerstag berichtete, verzichten Ueli Giezendanner, Sylvia Flückiger und Maximilian Reimann 2019 auf eine erneute Kandidatur. Luzi Stamm wird nicht mehr nominiert.

Generationenwechsel bei der SVP
16 Bilder
Sylvia Flückiger (65), Schöftland, Nationalrätin Die Gewerbevertreterin verzichtet auf eine erneute Kandidatur – sie glaubt, dass 2019 eine oder zwei SVP-Frauen in den Nationalrat gewählt werden.
Maximilian Reimann (75), Gipf-Oberfrick, Nationalrat Der Seniorenpolitiker vertritt die SVP seit 1987 in Bern – mit dem höheren Alter für ärztliche Tests bei Autofahrern hat er ein wichtiges Ziel erreicht.
Ueli Giezendanner (64), Rothrist, Nationalrat Der Fuhrhalter der Nation hat schon früh bekannt gegeben, dass er 2019 nicht mehr kandidiert – sein Nachfolger könnte Sohn Benjamin werden.
Thomas Burgherr (55), Wiliberg, Nationalrat Der Kantonalparteipräsident wird im Herbst 2019 nochmals antreten – als Bisheriger dürfte er seinen Sitz im Nationalrat verteidigen können.
Hansjörg Knecht (58), Leibstadt, Nationalrat Der Energiepolitiker, der seit 2012 in Bundesbern sitzt, wird als Ständeratskandidat gehandelt – er dürfte die Wiederwahl problemlos schaffen.
Andreas Glarner (55), Oberwil-Lieli, Nationalrat Der Hardliner ist schon in seiner ersten Legislatur zum Asylchef der SVP aufgestiegen – Glarner hat seinen Platz auf sicher, wenn er kandidiert.
Michelle Rütti (33), Meisterschwanden Die Vizepräsidentin der SVP Aargau zog aus Reinach weg, weil es dort zu viele Ausländer gebe – und sagte, sie überlege sich eine Kandidatur 2019.
Stefanie Heimgartner (30), Baden, Grossrätin Die Präsidentin der SVP Frauen Aargau hat ihren Anspruch auf den Sitz von Sylvia Flückiger offensiv angemeldet – ob das bei der Partei gut ankommt?
Martin Keller (53), Nussbaumen, Grossrat Der Verkehrspolitiker hat sich zuletzt mit seinem Einsatz gegen einen fixen Blitzer in Baden profiliert – er könnte auf den Sitz von Luzi Stamm schielen.
Karin Bertschi (27), Leimbach, Grossrätin Die Unternehmerin weicht regelmässig von der SVP-Linie ab, beschäftigt Flüchtlinge und einen IV-Bezüger, erzielte aber ein hervorragendes Wahlergebnis.
Nicole Müller-Boder (39), Buttwil, Grossrätin Die linientreue SVP-Frau kritisiert die Kesb, stellt sich gegen den Islam, hat ein Gespür für aktuelle Themen – und damit Chancen auf einen Listenplatz.
Pascal Furer (46), Staufen, Grossrat Der SVP-Kantonalsekretär gilt als versierter Finanzpolitiker – es ist wahrscheinlich, dass Furer auf der Liste für die Nationalratswahlen 2019 steht.
Martina Bircher (33), Aarburg, Grossrätin Bircher hat sich als Sozial- und Asylpolitikerin einen Namen gemacht. Sie warnt vor Belastungen für Gemeinden durch Flüchtlinge und Sozialhilfebezüger und ist mit diesen Themen auch in nationalen Medien präsent.
Benjamin Giezendanner (35), Rothrist, Grossrat Im letzten Jahr hat sich «Giezi junior» als Grossratspräsident einen grossen Bekanntheitsgrad erarbeitet. So wäre es nur logisch, wenn er seinen Vater in Bundesbern ablösen würde.
Am SVP-Kantonalparteitag für die Nomination der Nationalratskandidaten in Wettingen trugen die SVP-Damen und -Herren «Wachhund Willy» mit sich.

Generationenwechsel bei der SVP

Keystone

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(mwa)

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