Kontroverse

SVP-Regierungsrat Alex Hürzeler bestellt sein Traumhaus in Deutschland

Das Traumhaus und Alex Hürzeler und seiner Partnerin Ursula Kühne.

Das Traumhaus und Alex Hürzeler und seiner Partnerin Ursula Kühne.

Regierungsrat Alex Hürzeler bestellt sein neues Haus im Ausland. Das irritiert auch Parteikollegen aus der SVP. Hürzeler verteidigt sich damit, das Haus sei eine Spezialanfertigung.

An der Bachstrasse in Oeschgen betonieren deutsche Bauarbeiter derzeit Bodenplatten für ein neues Haus. Sie kommen aus der sächsischen Stadt Bautzen, östlich von Dresden, 758 Kilometer von Oeschgen entfernt. Das irritiert in diesem Fall. Denn der Bauherr ist SVP-Landammann Alex Hürzeler. Er hat sich zusammen mit seiner Partnerin für ein Holzhaus des Anbieters Greenville entschieden. «Hätte ich in der Schweiz ein Unternehmen gefunden, das ein Haus mit diesem individuellen Ausbaustil baut, hätte ich dieses berücksichtigt», sagt Hürzeler.

Hier baut Regierungsrat Alex Hürzeler sein Greenville-Haus

Hier baut Regierungsrat Alex Hürzeler sein Greenville-Haus

Flückiger sucht das Gespräch

Dennoch löst der Entscheid des SVP-Regierungsrats für einen deutschen Anbieter bei seinen Parteikollegen Irritationen aus. Nationalrätin Sylvia Flückiger, selber Unternehmerin in der Holzbranche, will Hürzeler zwar nicht öffentlich kritisieren. «Ich werde aber auf jeden Fall das persönliche Gespräch mit ihm suchen», kündigt die Vizepräsidentin des Aargauischen Gewerbeverbands an.

Thomas Burgherr, Präsident der SVP Aargau und selber Inhaber eines Holzbauunternehmens, wusste bisher nicht, dass Hürzeler sein Haus in Deutschland bestellt hat. «Ohne die genauen Fakten zu kennen, möchte ich mich nicht dazu äussern», sagt er.

Hier baut Alex Hürzeler sein Greenville-Haus

Hier baut Alex Hürzeler sein Greenville-Haus

Kritik in einem offenen Brief

Offene Kritik übt hingegen Unternehmer Markus Kunz aus Frick, der Hürzeler seit Jahren kennt. «Als Politiker steht man im Schaufenster und hat Vorbildfunktion», schreibt er in einem offenen Brief. Gerade für Hürzeler als Bildungsdirektor sollte die Frage im Raum stehen, «wie ich auch mit meinem privaten Engagement helfen kann, Lehrstellen und Arbeitsplätze zu sichern».

Er gibt zu bedenken, der Lohn eines Regierungsrats sei sowohl stattlich, als auch staatlich. Und er stamme aus Steuergeldern von Bürgern, die ihren Arbeitsplatz in der Schweiz hätten. «Wo bleibt das politische Feingefühl?», fragt Kunz. Dass Hürzeler sein Haus in Deutschland bestellt habe, enttäusche ihn als Gewerbetreibenden sehr.

Unverständlich ist der Entscheid des SVP-Regierungsrats für Markus Kunz auch, «weil gerade in der Schweiz das Holzbaugewerbe einen hervorragenden, innovativen Ruf hat». Jürgen Felber, Verkaufs- und Marketingleiter der Holzbaufirma Häring AG in Eiken, bestätigt dies. «Technisch könnten wir ein solches Haus nachbauen, müssten aber einen Architekten beiziehen.» Felber sagt aber, er kenne keine Firma in der Schweiz, «die individuelle Fertighäuser im nordischen Stil anbietet».

Dass Hürzeler keine Schweizer Firma berücksichtigt hat, löst bei Kunz Fragen aus. Er habe den SVP-Vertreter bisher als besonnenen, geradlinigen, kompetenten, regional denkenden und volksnahen Politiker eingeschätzt. «Diese Meinung muss ich nun zum Teil überdenken.»

Hürzeler verteidigt den Entscheid

Alex Hürzeler ist erstaunt, dass sich Markus Kunz, «den ich seit langem kenne und dessen Bäckereien ich seit Jahrzehnten als Kunde nutze, sich mit einem offenen Brief über die Medien an mich wendet». Der Landammann will die Angelegenheit in einem persönlichen Gespräch mit Kunz klären. Hürzeler hält fest, bei seinem Haus handle es sich um eine Spezialanfertigung.

«Es ist schlichtweg unser Traumhaus», schwärmt der Fricktaler. Und ergänzt: «Das Haus wird in Süddeutschland gefertigt und im Januar geliefert.» Dass jetzt schon deutsche Handwerker auf der Baustelle tätig sind, erklärt Hürzeler so: «Greenville ist unser Generalunternehmer, darum ist es logisch, dass diese Arbeiten von deutschen Arbeitern ausgeführt werden.»

Aufträge für regionales Gewerbe

Hürzeler betont, er habe sämtliche Aufträge, die nicht direkt mit dem Hausbau zusammenhängen, in der Region vergeben. «Tiefbauarbeiter, Elektriker, Haushaltgeräte, Installateur und Gartenbauer kommen alle aus der Schweiz.» Und er gibt zu bedenken: «Auch bei einer Schweizer Firma wäre es möglich, dass ausländische Subunternehmer oder Handwerker auf der Baustelle arbeiten.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1