Regierungsratswahlen
SVP-Präsident Thomas Burgherr: «Wir müssen die bürgerlichen Kräfte bündeln»

SVP-Präsident Burgherr ist mit dem Abschneiden von Regierungsratskandidatin Franziska Roth zufrieden und hofft nun auf Support von der FDP.

Urs Moser
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SVP-Präsident Thomas Burgherr: «Eine FDP-Kandidatur für den zweiten Wahlgang wäre das Eingeständnis, dass die bürgerliche Koalition gebrochen ist.»

SVP-Präsident Thomas Burgherr: «Eine FDP-Kandidatur für den zweiten Wahlgang wäre das Eingeständnis, dass die bürgerliche Koalition gebrochen ist.»

Alex Spichale

Die Grossratsmandate gehalten, die Regierungsratskandidatin bei einem fast doppelt so hohen Wähleranteil praktisch gleichauf mit der SP-Kandidatin: Ganz zufrieden werden Sie mit dem Wahlausgang nicht sein?

Thomas Burgherr: Doch, ich bin zu hundert Prozent zufrieden. Wir haben die Parlamentswahlen gewonnen und wir haben die Regierungsratswahlen gewonnen, Alex Hürzeler wurde mit einem guten Resultat wiedergewählt und Franziska Roth liegt auf dem fünften Platz. Ziel bei den Grossratswahlen war, den Wähleranteil zu halten, und das haben wir auf einem sehr hohen Niveau erreicht, wir sind fast doppelt so stark wie die zweitgrösste Fraktion.

Ich bitte Sie: Sie haben den Wähleranteil zwar gehalten, aber die SP hat fast vier Prozent zugelegt und fünf Sitze gewonnen. Wahlsiegerin ist die SP.

Die SP hat deutlich zugelegt, ja. Aber den mit Abstand höchsten Wähleranteil haben nach wie vor wir, und deshalb sind wir Wahlsieger. Die SP hat das wieder wettgemacht, was sie vor vier Jahren verloren hatte.

Ihre Regierungsratskandidatin Franziska Roth liegt zwar ein paar hundert Stimmen vor Yvonne Feri, aber auch das konnte für Sie als mit Abstand grösste Partei doch kaum schon das Ziel gewesen ein.

Wie gesagt, ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat von Franziska Roth. Man muss bedenken, dass Yvonne Feri seit fünf Jahren Nationalrätin ist und dadurch einen hohen Bekanntheitsgrad hat. Franziska Roth ist eine Quereinsteigerin, die sich viel mehr erkämpfen musste.

Im Vorfeld wurde schon spekuliert, die SVP könnte für den zweiten Wahlgang das Pferd wechseln. Gehe ich richtig in der Annahme, dass das jetzt kein Thema mehr ist?

Das war immer nur ein Thema in den Medien, aber nicht in der Partei. Wir sind immer zu hundert Prozent hinter unserer Kandidatin Franziska Roth gestanden und wir werden auch mit ihr in den zweiten Wahlgang steigen. Etwas anderes steht für mich mit diesem Resultat überhaupt nicht zur Diskussion, die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang stufe ich als sehr gut ein.

Die Grünen dürften ihre Kandidatur zurückziehen und für SP-Kandidatin Feri mobilisieren. Wie sieht es mit Unterstützung für Ihre Kandidatin aus? Bis jetzt wollte die FDP nichts davon wissen, haben Sie schon mit FDP-Präsident Matthias Jauslin gesprochen?

Das habe ich. Er konnte mir noch keine offizielle Haltung mitteilen, aber meines Erachtens sollte es jetzt auch im Interesse der FDP sein, die bürgerlichen Kräfte zu bündeln. Und das heisst möglichst wenig Kandidaturen und alles daransetzen, dass Franziska Roth die Wahl im zweiten Wahlgang schafft.

Manchmal hatte man das Gefühl, die Begeisterung über Ihre Kandidatin halte sich selbst SVP-intern in Grenzen. Hat Franziska Roth sogar deutlich über den Erwartungen abgeschnitten?

Ich war immer und bin weiter überzeugt von unserer Kandidatin. Die Ausgangslage war einfach unsicher, weil Franziska Roth eine Quereinsteigerin in die Politik war. Heute dürfen wir feststellen, dass sie eine breite Wählerschaft überzeugen konnte.

Sie dürfte mit gewissen Äusserungen auch viele Wähler der bürgerlichen Mitte vergrault haben.

Das mag vielleicht sein. Wichtig und für mich beeindruckend ist: Franziska Roth wurde immer wieder mit ihren Aussagen zur Bildungspolitik konfrontiert und sie ist dabei nie von ihrem Standpunkt abgewichen. Sie hat bewiesen, dass sie standfest ist. Diese Standfestigkeit braucht es für eine Regierungsrätin, damit sie glaubwürdig ist. Und das ist Franziska Roth, das hat sie in diesem Wahlkampf gezeigt.

Können Sie Stand heute sicher davon ausgehen, dass die FDP nicht mit einer eigenen Kandidatur Ihre Kandidatin gefährdet?

Ich kann nicht für die FDP sprechen. Ich kann nur sagen, dass ich das von den Freisinnigen erwarte. Im Interesse der Sache muss man das erwarten können. Eine FDP-Kandidatur für den zweiten Wahlgang wäre das Eingeständnis, dass die bürgerliche Koalition gebrochen ist.

Wie sieht es mit Maya Bally von der BDP aus? Sie könnte zwar kaum Ihre Kandidatin schlagen, aber doch wichtige Stimmen aus der Mitte binden, die Ihnen dann fehlen.

Auch hier: Ich kann nicht für die BDP und für Maya Bally sprechen. Aber es würde mich doch stark erstaunen, wenn sie an der Kandidatur festhält. Man muss sehen: Bei den Grossratswahlen ist die BDP auf unter drei Prozent Wähleranteil gesunken und stellt noch vier Grossräte. Die Partei schrumpft und schrumpft bis zur Bedeutungslosigkeit. Es macht keinen Sinn, eine Person praktisch ohne eine Partei im Rücken in den Regierungsrats-Wahlkampf zu schicken.