Fahrprüfung
SVP-Politiker hält die Neulenker-Kurse für Geldmacherei

SVP-Politiker wie Benjamin Giezendanner finden, dass die Kurse für Neulenker überflüssig sind. Es sei reine Geldmacherei. Diese Vorwürfe dementieren die Fahrlehrer, doch sie bestätigen, dass Verbesserungen bei den Kursen nötig sind.

Fabian Muster
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Jetzt bricht der Streit um die Neulenker-Kurse auch im Aargau aus: Seit die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) kürzlich in einem Bericht gezeigt hat, dass der Erfolg der beiden Kurstage, die Neulenker in der dreijährigen Probezeit absolvieren müssen, zu wenig ausgewiesen ist, kreuzen sich national Befürworter und Gegner die Klingen.

Im Aargau greift SVP-Grossrat und Transport-Unternehmer Benjamin Giezendanner die Kurse frontal an: «Der Bericht hat nur mein Gefühl bestätigt, dass die Kurse mehr Geldmacherei sind, als dass sie etwas nützen würden.» Mit den Kursen seien den Fahrlehrern neue Einnahmequellen erschlossen worden, sagt der 30-Jährige, der vermutet, dass es seither mehr Fahrlehrer im Kanton gibt. Für wenig sinnvoll, hält auch SVP-Grossrat sowie Postauto- und Buschauffeur Roger Fricker die Kurse: «Die Neulenker sollten zuerst Erfahrungen sammeln, bevor sie sich wieder weiterbilden müssten.» Er plädiert für eine obligatorische Weiterbildung alle 10 bis 15 Jahre für jeden Autofahrer.

Zweiphasenausbildung

Seit Dezember 2005 erhalten Neulenker ihren Führerausweis vorerst für drei Jahre auf Probe. Sie dürfen in dieser Zeit keine schweren Verstösse gegen die Verkehrsvorschriften vorweisen und müssen zusätzlich zwei Kurse in einem anerkannten Fahrzentrum absolvieren. Ansonsten wird der definitive Führerausweis nicht ausgestellt. Ein kürzlich publizierter Bericht der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) zeigt nun, dass die Probezeit zwar das Unfallrisiko bei Junglenkern reduziert, der Erfolg der Neulenker-Kurse allerdings fraglich ist. Dass Neulenker weniger Verkehrsunfälle verursachen und weniger risikoreich fahren, sei schon zu Beginn der Probezeit so und daher eher auf die möglichen Sanktionen zurückzuführen als auf die später absolvierten Neulenker-Kurse, heisst es im Bericht. (fam)

Kurs-Verbesserungen sind nötig

Sind die Neulenker-Kurse tatsächlich überflüssig, wie dies das BfU in seinem Bericht suggeriert? Ein ganz klares Nein kommt von Rolf Pfeiffer, der als Geschäftsführer der Firma 2PA zusammen mit dem Aargauischen Fahrlehrerverband solche Kurse anbietet. «Wie nötig diese Kurse sind, zeigt sich schon darin, dass viele Teilnehmer mit nicht-betriebssicheren Autos zum ersten Kurstag erscheinen.» Im BfU-Bericht heisst es, dass Neulenker schon zu Beginn der Probezeit weniger risikoreich fahren würden und dies auf die Sanktionen bei Regelverstössen zurückzuführen sei. Pfeiffer hält dagegen: «Die Jungen wüssten gar nicht, was für Repressalien sie befürchten müssten, würden wir ihnen dies in den Kursen nicht erklären.»

Auch von Geldmacherei will er nichts wissen: Der erste Kurstag kostet 340, der zweite 390 Franken. Laut Pfeiffer müssten damit die ausgebildeten Moderatoren bezahlt und die 12000m2 grosse Schulungsanlage in Wohlen mit Schulgebäude, Bewässerungs- und Geschwindigkeitsanlage amortisiert werden.

Nicht in Abrede stellen will Pfeiffer, dass Verbesserungen bei den Kursen nötig sind, wie dies das Bundesamt für Strassen auch bereits angekündigt hat. Als wichtigste Neuerung hofft er, dass der erste Kurstag, bei dem es um Unfallrisiken, Bremsweg und Alkohol am Steuer geht, schon im ersten halben Jahr nach der bestandenen Fahrprüfung absolviert werden muss. Dies wird bereits heute so empfohlen. Kaum jemand hält sich allerdings daran: Die Neulenker besuchen gemäss BfU den ersten Kurstag im Schnitt erst nach 16 Monaten. Beim zweiten Kurs soll der Fokus, der bisher aufs ökologische Fahren gerichtet war, verändert werden, um Überschneidungen zu vermeiden. Der Eco-Fahrstil ist bereits in den Fahrstunden ein Thema.

Es gibt mehr Fahrlehrer seit 2005

Seit die Zweiphasenausbildung im Dezember 2005 eingeführt wurde, gibt es tatsächlich mehr Fahrlehrer. Vor dem neuen Regime im Oktober 2005 waren kantonsweit 346 Fahrlehrer zugelassen, im Oktober 2012 sind es 374: eine Steigerung von 8 Prozent bei gleichbleibender Zahl der Führerprüfungen. Paul Sutter vom Aargauer Strassenverkehrsamt begründet dies so: Die ausgebildeten Moderatoren, welche die Neulenker-Kurse durchführten, hätten weniger Zeit, um Fahrstunden zu geben. «Es braucht mehr Fahrlehrer, um die gleiche Zahl Fahrschüler ausbilden zu können.»