Ein Apfel wird von Würmern zerfressen. Ein Tier ist mit der EU-Flagge geschmückt, die anderen tragen Parteifarbe – orange, rot, grün und blau. Die SVP Schweiz geht mit diesem Kampagnen-Sujet in den Wahlkampf, am Sonntag hat sie es zum ersten Mal gezeigt. Erwartungsgemäss provoziert das Apfel-Bild: Die anderen Parteien als wurmartiges Ungeziefer, das die Schweiz zerstört – das kommt nicht gut an. Auch im Aargau nicht. Es erinnert in der Symbolik an das Dritte Reich, als Hitler die Juden als Parasiten bezeichnet hat.

Lukas Pfisterer, der Präsident der kantonalen FDP, ist verstimmt. Seine Partei und die SVP sind für die Wahlen vom 20. Oktober eine Listenverbindung eingegangen. Zwar verbinden sich die Parteien so lediglich mathematisch und bleiben politische Gegner, doch: «Das Sujet ist unterirdisch», sagt Pfisterer. Für ihn ist klar: Gegenüber dem politischen Gegner ist das Plakat ein «übler Missgriff». Er wolle das Thema in der FDP Aargau intern diskutieren und auch auf die SVP Aargau zugehen. Aber es liege letztlich an der Wählerschaft an der Urne über Stil und Form einer solchen Kampagne zu entscheiden, sagt er.

SVP-Burgherr hätte das Sujet nicht gewählt

Doch auch der Präsident der kantonalen SVP, Thomas Burgherr, ist mit der Sujet-Wahl unzufrieden. «Unsere politischen Gegner würde ich nie als Würmer bezeichnen. Es sind meine Kollegen», sagt er. Er habe vom neuen Plakat erst am Sonntag erfahren, nachdem es bereits durch die Medien verbreitet worden ist. «Ich hätte dieses Sujet so nicht gewählt.» Darüber habe er am Montagmorgen bereits die Parteileitung der SVP Schweiz informiert, denn: «Wir wären zumindest gerne vor den Medien informiert worden.»

Hinter der Aussage, die das Plakat vermitteln will, stehe er indes vollumfänglich, sagt Burgherr. «Keine Partei sagt deutlich, dass sie den Rahmenvertrag mit der EU nicht gutheissen wird. Ich bin überzeugt, dass nach den Wahlen alle zustimmen werden», so der Parteipräsident. Die «Linken und Netten» zerstörten, zusammen mit «Abzocker-Managern», seit Jahren die bewährten Tugenden, Werte und Stärken der Schweiz. «Dennoch wollen wir die anderen Parteien nicht weiter derart provozieren», sagt der SVP-Nationalrat. Auch er suchte das Gespräch mit seinem Kollegen von den Freisinnigen.

Andreas Glarner ist begeistert

Geradezu begeistert vom neusten Streich seiner Partei zeigt sich hingegen SVP-Nationalrat Andreas Glarner, der in der Vergangenheit auch schon mit Plakaten provozierte. «Ich finde es toll. Das Plakat symbolisiert genau die Situation, wie wir sie derzeit in der Schweiz haben», sagt er. Die Schweiz werde tatsächlich ausgehöhlt und zerfressen. «Endlich erwacht die alte SVP wieder», resümiert Glarner. Diese Provokationen habe er in letzter Zeit vermisst.

SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi nahm im «SonnTalk» Stellung: 

Provokantes Wahlsujet: SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi nimmt Stellung