Vor einem Jahr hat die SVP Aargau eine Hürde für Nationalräte aufgestellt: Wer 63 Jahre alt oder 16 Jahre im Amt ist, braucht für eine Nomination eine Zweidrittelmehrheit im Kantonalvorstand und am Parteitag. Betroffen von der Regelung sind mit Maximilian Reimann (75), Sylvia Flückiger (65), Luzi Stamm (65) und Ulrich Giezendanner (64) für die Wahlen 2019 vier bisherige SVP-Nationalräte.

Nun zeigen AZ-Recherchen: Diese altgedienten Volkspartei-Vertreter stehen nächstes Jahr nicht auf der SVP-Kandidatenliste. Giezendanner hat vor geraumer Zeit schon angekündigt, auf eine Kandidatur zu verzichten. Flückiger gab am Dienstag gegenüber Tele M1 bekannt, dass sie nicht mehr kandidiert. Reimann und Stamm haben sich bisher nicht offiziell geäussert.

Reimann: nicht auf SVP-Liste

Die AZ weiss aber: Kürzlich hat die interne Findungskommission der SVP ein Mail mit brisantem Inhalt versandt. Demnach verzichtet auch Maximilian Reimann, der seit mehr als 30 Jahren in Bundesbern politisiert, auf eine erneute Kandidatur. Zudem hat sich die Findungskommission offenbar gegen eine Nomination von Luzi Stamm für die Wahlen 2019 ausgesprochen. Rolf Jäggi, Leiter der Findungskommission, sagt auf Anfrage: «Maximilian Reimann hat uns informiert, dass er das Nominationsverfahren der SVP für die Nationalratswahlen 2019 nicht durchlaufen und seinen Platz auf der Liste zur Verfügung stellen werde.» Reimann habe der Kommission aber auch mitgeteilt, «dass dies nicht zwingend heisse, dass er sich aus der Politik zurückziehe», betont Jäggi.

Als die Einführung der Altersguillotine bei der SVP Aargau bekannt wurde, äusserte sich Reimann kritisch dazu. «Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen», sagte der Fricktaler vor einem Jahr. Und kürzlich machte er in einem Interview klar, dass er von der neuen SVP-Regelung gar nichts halte und aus seiner Sicht zu wenige Senioren in Bern politisierten. Kann sich Reimann vorstellen, auf einer Seniorenliste zu kandidieren? Per SMS teilt der Politiker der AZ mit: «Derzeit gibt es meinerseits nichts zu kommentieren.»

Stamm: gesundheitliche Gründe

Derweil verliert Stamm offenbar die Unterstützung der Partei. Zwei unabhängige Quellen bestätigen, dass die Findungskommission den Nationalrat aus Baden nicht mehr zur Nomination empfiehlt. Jäggi sagt: «Wir haben mit Luzi Stamm ein Gespräch geführt und ihm mitgeteilt, dass die Findungskommission zum Schluss gekommen ist, ihn aus Rücksicht auf seine Gesundheit nicht mehr für die Nationalratswahlen zu nominieren.» Die Kommission sei «aufgrund diverser Eindrücke in letzter Zeit zum Schluss gekommen, dass es seiner Gesundheit nicht zuträglich wäre, nächstes Jahr in einen intensiven Wahlkampf zu steigen». Stamm habe den Entscheid der Findungskommission zur Kenntnis genommen.

Luzi Stamm bestätigt, dass die Kommission ihn entsprechend informiert hat. «Ich nehme gelassen zur Kenntnis, dass die Kommission der Meinung ist, meine grosse Belastung durch das Engagement für Initiativen stehe einer weiteren Legislatur im Nationalrat im Weg.» Stamm hatte bisher gesagt, er trete erst zurück, wenn die Personenfreizügigkeit angepasst oder gebodigt sei. Nun will er mit SVP-Kantonalpräsident Thomas Burgherr und seiner Bezirkspartei das Gespräch suchen. Klar ist aber: Weil die Findungskommission praktisch identisch ist mit der SVP-Parteileitung, wo es zwei Drittel der Stimmen benötigt, dürfte seine politische Karriere beendet sein.

SVP-Spitze bleibt optimistisch

Rolf Jäggi räumt ein: «Vielleicht hätten wir uns einen sanfteren Generationenwechsel gewünscht, nicht gleich mit vier Vakanzen auf einmal, aber die Politik ist kein Wunschkonzert.» Natürlich gebe es immer Gespräche, aber letztlich müssten Amtsträger selber entscheiden, ob sie nochmals antreten oder verzichten wollen. Obwohl gleich vier Bisherige fehlen, hält Jäggi fest: «Wir haben in der SVP Aargau einen grossen Pool von bestens qualifizierten und geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten.» Die Partei werde für die Nationalratswahlen 2019 eine schlagkräftige Liste präsentieren. «Ich bin zuversichtlich, dass die SVP ihre sieben Sitze im Nationalrat verteidigen wird.» Grundsätzlich strebe die Partei eine möglichst ausgeglichene, breit abgestützte Liste an – «mit Alten und Jungen, Frauen und Männern, Vertretern aus verschiedenen Regionen, Bisherigen und Neuen», wie Jäggi sagt.