Die Verkehrsinfrastruktur gerät in den schweizerischen Ballungsräumen in der Rush Hour immer öfter an ihre Grenzen. Wie kann man die Verkehrsspitzenbelastungen brechen? Bundespräsidentin und Verkehrsministerin Doris Leuthard sagte unlängst in einem Interview, dem Bundesrat sei wichtig, dass flexiblere Arbeitszeitmodelle, Home Office, angepasste Unterrichtszeiten oder Fahrgemeinschaften gefördert werden.

Für das Letztere braucht es aber ebenfalls eine bessere Infrastruktur, findet die Aargauer SVP-Nationalrätin Sylvia Flückiger. Sie will den Bundesrat mit einer Motion beauftragen, an den Autobahnauffahrten für genügend Langzeitparkplätze zu sorgen und damit eine bessere Grundlage für Fahrgemeinschaften zu schaffen.

Verhalten hat sich geändert

Zum Zeitpunkt des Errichtens des Nationalstrassennetzes sei es primär um die Versorgung der Autolenkerinnen und -lenker auf der Fahrt gegangen. Inzwischen habe sich aber das Verhalten der Autofahrenden geändert. Wenn sich Leute vermehrt zu Fahrgemeinschaften treffen, seien die Gratis-Parkplatzkapazitäten dort, wo sie benötigt würden, viel zu knapp. Es biete sich daher an, so Flückiger, «nebst den Raststätten auch Gratisparkplätze in der Nähe von Autobahnauffahrten zu erstellen oder bestehende zu erweitern». Sie ist überzeugt, dass damit Fahrgemeinschaften einfach und günstig gefördert werden. Und, so Flückiger: «Es sind weniger Autos unterwegs, das schont auch die Umwelt.»

Als Beispiel für eine völlig unbefriedigende Situation für Fahrgemeinschaften nennt die Nationalrätin aus Schöftland die Parkplatzsituation an der A1-Ein- und Ausfahrt Aarau West: «Ich komme da fast täglich durch und sehe, dass es an allen Ecken und Enden an genügend Parkplätzen fehlt.»

Flückiger hat eine ähnliche Motion 2010 schon einmal eingereicht. Damals hatte sie den Fokus auf mehr Parkplätze an Autobahnraststätten gelegt. Obwohl der Bundesrat das Fahrgemeinschaftsthema wohlwollend beobachtet, beschied er ihr damals, diese Parkplätze seien von Gesetzes wegen primär für die Kundschaft der Raststätten, nicht für Fahrgemeinschaften. Zudem sei das Bedürfnis der Bevölkerung «offensichtlich gering».

Das sieht Sylvia Flückiger anders. Wenn man Fahrgemeinschaften fördern will, was Sinn mache, müsse man auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Wenn nicht an Autobahnraststätten, dann jedenfalls bei Autobahnauffahrten.